Der US-amerikanische Vermögensverwalter Strive baut seine Bilanzreserven massiv um. Zwischen dem 12. bis 16. Oktober erwirbt das an der Nasdaq notierte Unternehmen insgesamt 4.045 Bitcoin für rund 335 Millionen US-Dollar.
Durch den Zukauf wächst der unternehmenseigene Krypto-Bestand auf 36.818 Bitcoin mit einem Gegenwert von gut drei Milliarden US-Dollar. Strive rückt damit auf Rang vier der weltweit größten börsennotierten Unternehmenseigentümer von Bitcoin vor, direkt hinter Strategy, Metaplanet und Twenty One Capital.
Kapitalmechanik zwischen Warrants und Vorzugsaktien
Die jüngste Akkumulationswelle wickelt das Management über zwei getrennte Tranchen ab. Am 13. Oktober fließen rund 235 Millionen US-Dollar in 2.822 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von etwa 83.266 US-Dollar.
Zwischen dem 14. und 16. Oktober folgen weitere 1.223 Einheiten für rund 100 Millionen US-Dollar bei durchschnittlich 81.734 US-Dollar. Der aggregierte Einstandspreis der Transaktion beläuft sich inklusive Nebenkosten auf 82.803 US-Dollar pro Einheit.
Die Finanzierung dieser Zukäufe stützt sich auf eine Umstrukturierung der Passivseite. Am 12. und 13. Oktober erlöst Strive brutto rund 369,2 Millionen US-Dollar aus der Ausübung von Optionsscheinen.
Investoren wandeln dabei 273.493.909 Warrants in 13.674.703 neue Class-A-Aktien um, was einer Ausübungsquote von 94 Prozent entspricht. Nicht ausgeübte Papiere verfallen am 13. Oktober, weshalb laut Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht SEC keine traditionellen Warrants mehr im Umlauf sind.
Für bestehende Anteilseigner wirkt sich dieser Schritt verwässernd aus. Die Zahl der ausstehenden Class-A-Aktien klettert binnen Wochenfrist um rund 13,5 Prozent von 101,2 Millionen auf 114,8 Millionen Stück.
Zugleich nutzt das Management neue Finanzierungsvehikel, um Liquidität für künftige Transaktionen zu sichern. Am 15. Oktober platziert Strive eine aufgestockte Emission von sieben Millionen unbefristeten Vorzugsaktien der Serie A unter dem Börsenkürzel SATS.
Bei einem Ausgabepreis von 90 US-Dollar und einem Liquidationsvorzug von 100 US-Dollar erzielt das Unternehmen brutto 630 Millionen US-Dollar.
Käufer erhalten eine feste jährliche Dividende von 15 US-Dollar je Anteilsschein, was einer effektiven Rendite von 16,7 Prozent zum Ausgabepreis entspricht. Um diese Zahlungsverpflichtung abzusichern, reserviert Strive 22,50 US-Dollar je Aktie auf einem Treuhandkonto, was die kumulativen Dividendenausschüttungen der ersten 18 Monate abdeckt.
Aggressive Akkumulation seit Jahresbeginn
Der Zukauf unterstreicht eine radikale strategische Neuorientierung. Das Unternehmen entsteht 2022 unter Beteiligung von Vivek Ramaswamy als Vermögensverwalter mit Anti-ESG-Ausrichtung. Im Mai 2025 ernennt Strive Bitcoin zur primären Treasury-Reservewährung.
Nach der Fusion mit einer börsennotierten Zweckgesellschaft im September 2025 folgt im Januar 2026 die Übernahme des Medizintechnikunternehmens Semler Scientific für 1,3 Milliarden US-Dollar in Aktien, was 5.048 Bitcoin in die Bilanz bringt.
Ausgehend von etwa 7.525 Bitcoin zu Jahresbeginn 2026 steigert Strive seine Bestände bis Mitte Oktober um mehr als 380 Prozent. Allein Ende September kauft die Gesellschaft 1.107 Bitcoin für 94,5 Millionen US-Dollar, gefolgt von weiteren 3.311 Einheiten für 280 Millionen US-Dollar in der ersten Oktoberwoche. Der Zuwachs des sogenannten Bitcoin Yield erreicht Anfang Oktober 63,2 Prozent seit Jahresbeginn.
Strive-CEO Matt Cole begründet den Kurs mit makroökonomischen Trends. Gold erzielte seit 1970 eine annualisierte Rendite von neun Prozent gegenüber einem M2-Geldmengenwachstum von 6,7 Prozent. Seit dem Ausbruch der Pandemie betragen die Werte 18,3 Prozent für Gold und 6,5 Prozent für M2.
Bitcoin fungiert laut Cole als effizientere Absicherung gegen reale Kaufkraftverluste des US-Dollars. Zudem hält es der Manager für möglich, bis zum Jahresende auf Rang zwei der börsennotierten Halter aufzusteigen, wenngleich dies nicht das Basisszenario darstellt. Das Portfolio enthält überdies 505.000 Vorzugsaktien von Strategy im Wert von rund 49,8 Millionen US-Dollar.
Regulatorische Risiken und bilanzieller Spagat
Am Kapitalmarkt stößt das Modell nicht nur auf Zustimmung. Zwar weist Strive per 16. Oktober liquide Mittel von 317,5 Millionen US-Dollar und keine klassischen Bankverbindlichkeiten aus, doch die hochverzinslichen Vorzugsaktien binden künftige Cashflows und stellen Stammaktionäre im Kapitalgefüge nach hinten.
Zusätzlicher Druck entsteht auf regulatorischer Ebene. Der Indexanbieter MSCI finalisiert Kriterien zum Ausschluss von Gesellschaften ohne substanzielle operative Vermögenswerte. Unternehmen, die als reine Holdingvehikel eingestuft werden, droht der Ausschluss aus den MSCI-Indizes per Handelsschluss am 30.
November. Die Bekanntgabe der betroffenen Titel am 11. November könnte spürbare Umschichtungen bei passiven Indexfonds auslösen.
Gleichzeitig bleibt das institutionelle Umfeld stabil. Daten des Vermögensverwalters Bitwise zeigen, dass Großanleger ihre Krypto-Positionen auch in Korrekturphasen weitgehend halten, während Wall-Street-Akteure wie BlackRock das Instrumentarium zur Risikoabsicherung ausbauen. Nach Abschluss der Vorzugsaktienemission verfügt Strive über frische Barmittel im dreistelligen Millionenbereich.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie schnell das Management diese Liquidität für den nächsten Kaufschub am Markt einsetzt.







