Der Göppinger Softwarekonzern TeamViewer korrigiert seine mittelfristigen Wachstumsambitionen deutlich nach unten. Für das Geschäftsjahr 2026 stellt das im MDAX und TecDAX notierte Unternehmen nur noch ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 0 bis 3 Prozent in Aussicht. Gleichzeitig rechnet das Management für 2026 mit einer bereinigten EBITDA-Marge von rund 43 Prozent.
Die Kapitalmärkte reagieren mit massivem Verkaufsdruck auf die gedämpften Aussichten. Der Aktienkurs bricht im Tagesverlauf zeitweise um 22 bis 26 Prozent ein und markiert Tiefststände zwischen 5,36 und 5,59 Euro. Investoren preisen damit die Kombination aus schwächelndem Neugeschäft, Integrationsproblemen und anhaltendem Margendruck ein.
Wachstumsdelle statt Beschleunigung
Mit der neuen Prognose für 2026 kassiert TeamViewer seine bisherigen Mittelfristziele. Ursprünglich peilte der Vorstand für diesen Zeitraum ein Umsatzplus zwischen 2 und 6 Prozent sowie Erlöse in einer Spanne von 850 bis 870 Millionen Euro an. Diese Umsatzerwartung stutzt das Management nun auf 790 bis 825 Millionen Euro zurück.
Parallel dazu gerät die Profitabilität unter Druck. Die für 2026 prognostizierte operative Marge von rund 43 Prozent bleibt hinter dem Niveau des Jahres 2025 zurück, in dem das Unternehmen eine bereinigte EBITDA-Marge von 44,3 Prozent erreichte. Das bereinigte operative Konzernergebnis belief sich 2025 auf 340 Millionen Euro.
Zusätzlichen Gegenwind bringen ungünstige Wechselkursentwicklungen. Das Unternehmen beziffert den rein währungsbedingten Dämpfer für das Geschäftsjahr 2026 auf 2,8 Prozentpunkte.
Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 weist TeamViewer auf Pro-forma-Basis einen Umsatz von 767,5 Millionen Euro aus, was einem währungsbereinigten Zuwachs von fünf Prozent entspricht. Gemäß Rechnungslegung nach IFRS belaufen sich die Konzernerlöse auf rund 747 Millionen Euro. Der jährlich wiederkehrende Umsatz (Annual Recurring Revenue, ARR) legte 2025 währungsbereinigt um etwa zwei Prozent auf rund 760 Millionen Euro zu.
Die Hypothek der 1E-Akquisition
Als wesentlicher Bremsklotz erweist sich die Integration der britischen Tochtergesellschaft 1E, die TeamViewer zum Jahreswechsel 2024 auf 2025 für rund 720 Millionen US-Dollar übernahm. Die Neuerwerbung bleibt operativ bislang klar hinter den Erwartungen zurück.
Im dritten Quartal 2025 brach der Umsatz von 1E bei konstanten Wechselkursen um acht Prozent ein, während der ARR um zwei Prozent nachgab. In der Folge reduzierte TeamViewer die Pro-forma-Umsatzprognose für die britische Tochter im Jahresverlauf um etwa zwölf Prozent. Das Management führt diesen Rückschlag auf zögerliche Kundenentscheidungen, ein rückläufiges Dealvolumen sowie personelle Abgänge im US-Vertrieb zurück.
Finanzvorstand Michael Wilkens verweist in diesem Zusammenhang auf anhaltende Transformationsherausforderungen bei 1E. Vorstandschef Oliver Steil hält ungeachtet der operativen Delle an der strategischen Logik des Zukaufs fest. Er betont mit Blick auf das vierte Quartal eine beginnende Trendwende beim ARR und hebt die Synergiepotenziale zwischen den Produktportfolios beider Unternehmen hervor.
Klaffende Schere zwischen Großkunden und Mittelstand
Im operativen Geschäft verfestigt sich eine deutliche Zweiteilung. Während die Nachfrage von Großkunden stabil bleibt, schwächelt das traditionelle Geschäft mit kleineren und mittleren Unternehmen (SMB). Im Großkundensegment legte der ARR im dritten Quartal ohne Berücksichtigung von 1E um 18 Prozent zu.
Dieser Bereich umfasst mittlerweile mehr als 5.200 Unternehmenskunden und steuert 230,5 Millionen Euro zum gesamten wiederkehrenden Umsatz bei.
Strategisch forciert das Management diesen Bereich weiter. Langfristig soll der Anteil des Enterprise-Geschäfts am Konzernumsatz auf über 40 Prozent steigen. Für die bereinigte EBITDA-Marge dieses Segments visiert TeamViewer bis zum Jahr 2028 einen Korridor von 44 bis 45 Prozent an.
Dagegen kommt das SMB-Segment kaum voran. Das ARR-Wachstum stagnierte hier zuletzt bei null Prozent. Um die Kundenabwanderung in diesem preissensiblen Segment einzudämmen, setzt das Management geplante Monetarisierungsmaßnahmen vorerst aus.
Neubewertung am Kapitalmarkt
Der jüngste Kurseinbruch drückt die Marktkapitalisierung von TeamViewer auf rund 1,1 Milliarden Euro. Gegenüber dem Ausgabepreis beim Börsengang im September 2019 von 26,25 Euro verliert das Papier damit rund drei Viertel seines Werts. Vom Allzeithoch im Juli 2020 bei 53,62 Euro ist der Titel mittlerweile fast 90 Prozent entfernt.
Auch in der Eigentümerstruktur vollzog sich zuletzt ein grundlegender Wandel. Der Finanzinvestor Permira trennte sich im September 2025 von seinen verbleibenden Anteilen, womit sich die Aktien vollständig im Streubesitz befinden. Zur Entlastung der Kostenbasis trug zudem die Reduzierung des teuren Sponsorings beim englischen Fußballklub Manchester United bei.
In ersten Reaktionen passten Branchenexperten ihre Modelle an. Analyst Toby Ogg von J.P. Morgan betont, dass der währungsbedingte Gegenwind von 2,8 Prozentpunkten zusammen mit der niedrigeren Margenerwartung zu Abwärtsrevisionen der Marktschätzungen führen werde.
Auch Mohammed Moawalla von Goldman Sachs rechnet mit sinkenden Konsensschätzungen und verweist auf den vorsichtigen ARR-Ausblick des Managements.
Das Analysehaus Morningstar senkte den fairen Wert der Aktie von 14 auf 11 Euro. Bei Notierungen um 5,50 Euro stufen die Analysten das Papier dennoch als fundamental unterbewertet ein, zumal das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei einem Wert von rund 9 liegt.
Im Mittelpunkt des Marktinteresses steht nun die anstehende Veröffentlichung der detaillierten Jahresfinanzzahlen. Das Management muss dabei nachweisen, dass die Trendwende bei der Tochter 1E greift und das Unternehmen die Stagnation im Mittelstandsgeschäft mittelfristig überwinden kann.







