Der deutsche Leitindex verliert am Dienstagmorgen seine jüngst zurückeroberte Schlüsselmarke und fällt unter das psychologische Niveau von 26.000 Punkten zurück. Im frühen Handel sinkt das Börsenbarometer um rund ein Prozent auf Notierungen zwischen 25.710 und 25.753 Zählern, nachdem der vorbörsliche X-DAX bereits ein Minus von 1,1 Prozent auf rund 25.700 Punkte signalisiert hat. Verantwortlich für den Rückzug der Marktteilnehmer ist eine Kombination aus Zurückhaltung vor den US-Zwischenwahlen, erneuter militärischer Eskalation im Nahen Osten und Verkaufsdruck im Technologiesektor.

Ungewissheit vor den US-Zwischenwahlen lähmt die Märkte

Im Zentrum des globalen Marktgeschehens stehen die Midterms in den Vereinigten Staaten. Bei den Zwischenwahlen stimmen die US-Bürger über sämtliche 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie über 35 der 100 Sitze im US-Senat ab. An den internationalen Finanzmärkten dominiert vor der Öffnung der Wahllokale eine abwartende Haltung.

Sollte die Demokratische Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern, schränkt dies den Handlungsspielraum von Präsident Donald Trump ein, was politischen Stillstand wahrscheinlicher macht. Trump kündigte im Vorfeld der Wahlen an: „I will veto everything if democrats win in midterms.“ Diese Drohung bremst die Risikobereitschaft institutioneller Investoren.

Historisch betrachtet zeigt eine Auswertung des Vermögensverwalters HQ Trust indes, dass der S und P 500 seit 1928 in den zwölf Monaten nach den Kongresswahlen im Schnitt um 12,4 Prozent zulegt.

Dennoch meiden Händler am Wahltag neue Risikopositionen, zumal sich die innenpolitische Hängepartie in Washington mit geopolitischen Verwerfungen überlagert.

Neue Militärschläge am Persischen Golf belasten das Sentiment

Parallel zu den politischen Unwägbarkeiten in Übersee sorgen Berichte über erneute US-Militärschläge im Nahen Osten für frische Risikoaufschläge. Nachdem am Vortag diplomatische Signale und eine Genehmigung des iranischen Obersten Führers Modschtaba Chamenei für Verhandlungen gemeldet worden waren, griffen US-Streitkräfte nach übereinstimmenden Quellen Ziele auf der Insel Gheschm in der Straße von Hormus an.

„Die Lage im Iran eskaliert erneut“, kommentiert Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners. Am Montag verhalf ein Einbruch der Rohölpreise, bei dem die Sorte Brent zeitweise um fünf bis acht Prozent auf 105 bis 106,60 US-Dollar je Barrel nachgab, dem DAX noch zu einem Schlussstand von rund 25.981 Zählern.

Die Berichte über die Angriffe dämpfen die zuvor aufgekommene Entspannungshoffnung nun spürbar. Sichere Häfen bleiben gefragt: Der Goldpreis notiert bei etwa 3.903 bis 3.908 US-Dollar je Feinunze. Zugleich gerät der Kryptomarkt unter Druck.

Der Kurs des Bitcoin fällt am Morgen um rund 3,6 Prozent unter die Marke von 77.000 US-Dollar, nachdem börsengehandelte Krypto-Fonds am Vortag Nettoabflüsse von 398,6 Millionen US-Dollar verzeichneten.

Tech-Schwäche und Bilanzsaison erhöhen den Verkaufsdruck

Zusätzlicher Abwärtsdruck kommt von der Wall Street, wo der technologielastige Nasdaq 100 am Vorabend um 1,4 Prozent nachgab und der Philadelphia Semiconductor Index den tiefsten Stand seit Mai 2026 markierte. Nach enttäuschenden Zahlen und massiven Investitionen mehrerer Tech-Konzerne wachsen an den Märkten Zweifel an der kurzfristigen Rentabilität dieser Ausgaben.

Apple meldet für das zurückliegende Quartal zwar einen Rekordumsatz und einen Überschuss von mehr als 30 Milliarden US-Dollar. Allerdings belasten eine vorsichtige Margenprognose des neuen Konzernchefs John Ternus und gestiegene Speicherkosten den Kurs, der im kurzfristigen Handel um bis zu 4,9 Prozent nachgibt.

Überdies sorgt Oracle für Unruhe. Das Unternehmen kündigt eine kombinierte Kapitalmaßnahme über insgesamt 20 Milliarden US-Dollar an, aufgeteilt in zehn Milliarden US-Dollar an neuen Aktien mit einem Abschlag von 11,2 Prozent sowie zehn Milliarden US-Dollar an Anleihen. Die Aktie bricht daraufhin um rund neun Prozent ein.

Oracle weist in den Bilanzen Kredite von 125,34 Milliarden US-Dollar und Leasingverpflichtungen von 288 Milliarden US-Dollar aus. Der Schritt unterstreicht den enormen Refinanzierungsbedarf großer Software- und Cloud-Konzerne.

Gemischte Unternehmensmeldungen und charttechnische Tests

Auf dem deutschen Parkett verarbeiten Marktteilnehmer Quartalsberichte mehrerer DAX- und MDAX-Konzerne. Bei der Deutschen Lufthansa steigt der operative Gewinn im Dritteljahr um 30 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Zugleich senkt das Management das obere Ende der Zielspanne für das bereinigte Betriebsergebnis 2026 von 2,2 auf 2,0 Milliarden Euro.

Schaeffler kündigt unterdessen einen umfassenden Konzernumbau an. Netto fallen in Europa 3.460 Arbeitsplätze weg, davon 2.660 in Deutschland, zudem schließt das Unternehmen vier Standorte. Die Einmalkosten belaufen sich auf rund 480 Millionen Euro, ab 2030 peilt der Vorstand jährliche Einsparungen von etwa 300 Millionen Euro an.

Evonik vermeldet ein Umsatzplus von 13 Prozent auf 3,83 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes operatives Ergebnis von 629 Millionen Euro im dritten Quartal, was einem Zuwachs von 40 Prozent entspricht. Der Spezialchemiekonzern strebt für 2026 das obere Ende der EBITDA-Prognose an.

Charttechnisch rückt für den DAX die Verteidigung der Unterstützungszone zwischen 25.700 und 25.785 Punkten in den Fokus. Ein nachhaltiger Bruch dieser Spanne könnte den Weg in Richtung der 50-Tage-Linie ebnen, die derzeit bei rund 25.576 Zählern verläuft. Unmittelbar darunter liegt die 100-Tage-Linie bei etwa 25.512 Punkten.

Marktbeobachter rechnen erst mit einer Beruhigung des Handels, sobald im Verlauf der Nacht zum Mittwoch belastbare Ergebnisse der US-Kongresswahlen eintreffen und Klarheit über die künftigen Machtverhältnisse in Washington herrscht.