Thermondo, ein digitaler Cleantech-Anbieter aus Berlin, rechnet im Geschäftsjahr 2026 erstmals seit seiner Gründung mit einem operativen Gewinn. Das Unternehmen erwartet ein EBITDA-Plus von zwölf Millionen Euro bei einem Umsatz von 275 Millionen Euro. Die Erreichung der Gewinnzone führt Thermondo auf konsequente Kostendisziplin und einen klaren strategischen Fokus zurück.
Strategische Neuausrichtung trägt Früchte
Das 2013 in Berlin gegründete Unternehmen hat sein Geschäftsmodell grundlegend angepasst. Thermondo begann ursprünglich als Heizungsinstallateur und bot auch Gas- sowie Ölheizungen an. Im Februar 2024 stellte es den Verkauf fossiler Heizsysteme jedoch komplett ein. Seitdem konzentriert sich das Berliner Unternehmen ausschließlich auf die Installation von Wärmepumpen.
Felix Plog, seit Mai 2024 CEO von Thermondo, führt den Turnaround auf diese klare strategische Fokussierung und eine verbesserte Prozesseffizienz zurück. Für 2026 prognostiziert das Unternehmen die Installation von bis zu 8.000 Wärmepumpen, was einer Verdopplung innerhalb von zwei Jahren entspricht.
Die Neuausrichtung folgte auf die Energiekrise 2024 und die politischen Diskussionen um das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Nach einem herausfordernden Jahr 2023, geprägt durch politische Unsicherheiten rund um das GEG und einen Markteinbruch von 70 Prozent im Wärmepumpenmarkt, stabilisiert sich die Nachfrage wieder. Plog konstatiert: „Die politische Richtung ist klar.
Wir haben jetzt Anreize und die sind stark genug. Die Adaption der Wärmepumpe beschleunigt sich jeden Monat.“
Investitionen in Digitalisierung und Effizienz
Thermondo versteht sich als digitaler Cleantech-Anbieter. Das Unternehmen entwickelte eine eigene Technologieplattform, die Kunden und Partnerbetriebe nutzen, um die Prozesseffizienz zu steigern. Dies ermöglicht eine schnelle Implementierung von Änderungen, etwa bei angepassten Förderbedingungen.
Felix Plog erklärt: „Wir haben unsere Installationskosten signifikant reduziert, höhere Effizienz durch bessere Prozesse und klarere Arbeitsanweisungen erzielt und setzen auch unser Material effizienter ein.“
Im Jahr 2022 investierte Thermondo 2,42 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Ende 2023 beschäftigte Thermondo über 800 fest angestellte Mitarbeiter, darunter mehr als 500 Handwerker. Anfang bis Mitte 2026 lag die Mitarbeiterzahl nach Unternehmensangaben bei über 1.200, davon mehr als 600 fest angestellte Handwerker.
Finanzierungsmodelle und Marktwachstum als Treiber
Ein wichtiger Baustein für die Skalierung ist das Ratenfinanzierungsangebot „thermondo flex“. Dafür sicherte sich Thermondo im Juli 2025 eine Finanzierungslinie über 50 Millionen Euro. Das Produkt bietet eine Ratenfinanzierung von Wärmepumpen über 15 Jahre zu einem festen Zinssatz von sechs Prozent.
Die monatlichen Raten liegen vor Förderung unter 300 Euro und mit maximaler Förderung unter 100 Euro.
Der VP Strategic Finance, Jason Goldstein, betonte die Relevanz solcher Angebote: „Für die Energiewende brauchen wir Finanzierungslösungen, die für alle funktionieren.“ Im August 2025 schloss Thermondo zudem seine erste Verbriefung von Solar- und Wärmepumpenforderungen ab. Dietmar Helms, Partner bei Hogan Lovells, kommentierte diese Transaktion als „really the opening of a new asset class in Europe.“
Das Marktumfeld bleibt weiterhin dynamisch. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Wärmepumpenmarkt in Deutschland um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr, mit 194.500 Neuinstallationen. Thermondo hat seit 2013 über 55.000 Heizungsanlagen installiert. Bis August 2026 waren nach Angaben des Unternehmens über 13.000 davon Wärmepumpen.
Der Erwerb des PV-Installateurs FEBESOL GmbH im April 2024 erweiterte das Portfolio um Photovoltaikanlagen. Thermondo bietet damit nach eigenen Angaben Komplettlösungen für die Energieversorgung von Haushalten an, darunter Wärmepumpen, Solaranlagen, Speicher, Wallboxen und dynamische Stromtarife.
Ausblick: Profitable Zukunft unter neuen Rahmenbedingungen
Die Prognose für 2026 markiert das erste prognostizierte profitable Geschäftsjahr in der Thermondo-Geschichte. In den Vorjahren verzeichnete das Unternehmen Verluste, so etwa ein EBITDA-Defizit von 8,22 Millionen Euro im Jahr 2022. Zu den Investoren gehören unter anderem Brookfield, HV Capital und Vorwerk.
Im Juli 2026 beschloss der Bundestag das Gebäudemodernisierungsgesetz. Dies, zusammen mit dem Wachstum des Wärmepumpenmarkts, hält Thermondo in einem aktiven Marktumfeld. Die weitere Entwicklung hängt nun davon ab, ob das Unternehmen seinen Marktanteil ausbauen, die Prozesseffizienz weiter steigern und etablierte Finanzierungsmodelle nutzen kann, um die Nachfrage in Installationen umzusetzen.
Marktbeobachter werden verfolgen, ob die angestrebte Verdopplung der Installationen gelingt und die prognostizierten Margen erreicht werden.







