Till Großmaß, einst Partner bei McKinsey, führt den Sprachschulbetreiber Berlitz als CEO in das digitale Zeitalter. Nach 13 Jahren in der Unternehmensberatung wechselte Großmaß in das Management, um die digitale Transformation des Traditionsunternehmens voranzutreiben. Quellen beschreiben Berlitz als unflexibel und altmodisch.
Die Berufung von Großmaß erfolgte im Zuge einer Sanierungsphase, nachdem ein Finanzinvestor die Mehrheit an Berlitz übernommen hatte.
Von der Beratung in die operative Verantwortung
Dr. Till Großmaß ist seit 2024 CEO der Berlitz Corporation und verantwortet die digitale Neuausrichtung des 147 Jahre alten Sprachkurs-Anbieters. Zuvor war Großmaß von 2019 bis 2024 Partner bei McKinsey & Company. Er beriet Berlitz bereits zwei Jahre lang in der Transformation des Unternehmens.
Dieser Einblick in die internen Prozesse und die strategischen Herausforderungen trug zu seinem Wechsel in die operative Führung bei. Großmaß betont den Reiz, eine Strategie über Jahre zu begleiten und die volle Verantwortung zu tragen, anstatt nur als Berater tätig zu sein.
Die Berufung von Großmaß erfolgte auf Wunsch des Mehrheitsgesellschafters, eines Finanzinvestors namens Dan. Dieser bat Großmaß, den damaligen CEO Curt abzulösen. Für Großmaß bot der Wechsel die Gelegenheit, nicht länger als externer Berater zu agieren.
In seiner Rolle als CEO trägt Großmaß die strategische Gesamtverantwortung für die digitale Transformation von Berlitz. Der Fokus liegt dabei auf Wachstum sowie der Marketing- und Vertriebstransformation.
Die digitale Herausforderung einer Traditionsmarke
Berlitz, vor 147 Jahren gegründet, galt lange als etablierter Anbieter im Offline-Geschäft mit Sprachzentren. Quellen beschreiben das Unternehmen als unflexibel und altmodisch, insbesondere im Vergleich zu Wettbewerbern wie Rosetta Stone. Großmaß konstatiert, Berlitz habe die Digitalisierung verschlafen und hole diese nun nach.
Die digitale Rückständigkeit zeigte sich in einer schwächeren Performance. Andere Anbieter setzten bereits auf digitale Lernformate. Die Transformation zielt darauf ab, ein primär Offline-Geschäftsmodell mit rund 50 Sprachzentren in ein digitales Angebot zu überführen. Nach Angaben der Quellen umfasst die Strategie auch die Integration von KI-gestützten Tools.
Der Wandel betrifft sowohl das Produktangebot als auch die Organisation. Berlitz operiert international über ein Franchise-Modell in 75 Ländern. Deutschland ist heute der wichtigste Markt für das Unternehmen. Großmaß stellt den Aufbau einer globalen Struktur in den Vordergrund und betont die Notwendigkeit, Kunden und Belegschaft bei diesem Prozess mitzunehmen.
Führungsansatz in Zeiten des Wandels
Großmaß unterstreicht, dass die Überführung einer globalen Organisation in die digitale Ära Geduld erfordert. Er musste seinen Führungsstil an die neuen Gegebenheiten anpassen. Während in der McKinsey-Welt Anweisungen oft als umgesetzt gelten, funktioniert dies in größeren Unternehmen mit vielfältigen Mitarbeitern im Umbruch nicht.
Er setzt auf intensive Kommunikation, um Mitarbeiter abzuholen und die Notwendigkeit der Veränderung zu vermitteln. Großmaß erklärt immer wieder die Unternehmensziele über Slack, LinkedIn, Videobotschaften und Mitarbeiterversammlungen. Dieses Überkommunizieren musste er sich demnach erst aneignen.
Ausblick auf die digitale Zukunft
Die Sanierung und der digitale Umbau von Berlitz sind Teil einer laufenden Transformationsphase. Für Großmaß und sein Team besteht die Herausforderung darin, die Marke im Wettbewerb um digitale Sprachlernangebote neu zu positionieren und die internationale Organisation zu modernisieren. Offen bleibt, wie schnell und in welchem Umfang Berlitz konkrete KI-gestützte Tools implementieren wird.
Die Auswirkungen dieser Strategie auf Kundenbindung und Wachstum sind entscheidend. Es bleibt abzuwarten, ob die von Großmaß initiierte Strategie Berlitz wieder stärker im Markt positionieren wird. Künftige Quartalsberichte und die Entwicklung der Nutzerzahlen könnten erste Indikatoren für den Erfolg der Transformation liefern.
Beobachter erwarten, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Berlitz maßgeblich von der zügigen und erfolgreichen Umsetzung der Digitalisierungsstrategie abhängen wird.







