Die Zinswende lenkt die Aufmerksamkeit von Investoren verstärkt auf das Festzinssegment. Aktuell bieten neue Unternehmensanleihen solider Emittenten Renditechancen von über vier Prozent. Dieser Trend ist eine Folge gestiegener Renditen langlaufender Staatsanleihen und einer teilweisen Normalisierung an den Anleihemärkten.

Für Privatanleger eröffnen sich dadurch neue Anlageoptionen. Einige Unternehmensanleihen sind bereits ab einer Stückelung von 1.000 Euro direkt handelbar. Sie bieten oft höhere Zinsen als Tages- oder Festgelder und mehr Planbarkeit als Aktien.

Zinswende treibt Renditen in die Höhe

Das Marktumfeld für Unternehmensanleihen hat sich in den vergangenen zwei Jahren grundlegend verändert. Die Renditen langlaufender Staatsanleihen in den USA, Deutschland und Japan erreichen Niveaus, die zuletzt in der Finanzkrise verzeichnet wurden. Eine robustere Wirtschaftsentwicklung als erwartet, gestiegene Energiepreise und weiterhin erhöhte Inflationsraten gelten als Hauptursachen für diese Entwicklung.

Diese Faktoren nähren die Erwartung weiterer Leitzinsanhebungen durch Zentralbanken. Eine zweijährige deutsche Staatsanleihe rentiert beispielhaft bei über 3,2 Prozent. Die zehnjährige US-Staatsanleihe erreichte zeitweise die Fünf-Prozent-Marke und liegt aktuell bei rund 4,17 Prozent.

Unternehmensanleihen stehen nach Einschätzung mehrerer Quellen weniger stark unter Druck als Staatsanleihen. Dies wird durch eine robuste Konjunktur und verbesserte Unternehmensbilanzen gestützt. Der durchschnittliche Risikoaufschlag (Credit Spread) von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen betrug im März 2024 etwa 1,1 Prozent.

Wolfgang Zemanek von Erste Asset Management beschreibt das Umfeld als „konstruktiv“, solange es keine große Überraschung oder Rezession gibt.

Vier Emissionen im Überblick

Eine Marktanalyse des Handelsblatts beleuchtet vier Unternehmensanleihen, die Privatanlegern Renditen von über vier Prozent ermöglichen können:

Toyota: Solide Bonität, attraktive Rendite

Der japanische Automobilkonzern Toyota emittierte Mitte September eine Anleihe mit einer Restlaufzeit von knapp sechseinhalb Jahren. Der Zinskupon beträgt 4,2 Prozent. Für Anleger, die die Anleihe bis zur Fälligkeit halten, ergibt sich eine aktuelle Rendite von gut 4,4 Prozent.

Die Ratingagenturen S&P, Fitch und Moody’s bewerten Toyota mit „A+“ beziehungsweise „A1“, der fünfbesten Note, und einem stabilen Ausblick. Die Nettoliquidität der Autosparte lag zuletzt bei über 69 Milliarden Euro. Toyota hat seine Prognose für das Geschäftsjahr bis März 2027 angehoben und erwartet ein Nettoergebnis von über 18 Milliarden Euro.

Sixt: Autovermieter mit „BBB“-Rating

Sixt wird seit Januar 2024 von S&P mit „BBB“ bewertet. Ein Anfang Juli emittierter Bond mit noch gut vier Jahren Restlaufzeit bietet einen Zinskupon von 3,75 Prozent. Die Rendite für Neukäufer ist seit der Emission auf knapp 4,4 Prozent gestiegen.

Sixt berichtet von steigenden Umsätzen in Deutschland, Europa und den USA. Das EBITDA im ersten Halbjahr stieg um 18 Prozent auf knapp 260 Millionen Euro. Analysten bewerten die Kreditwürdigkeit im Vergleich zu Wettbewerbern wie Hertz oder Avis deutlich besser.

RWE: Grüne Anleihen

RWE refinanziert sich über grüne Anleihen, deren Erlöse Projekte für erneuerbare Energien finanzieren. Eine Anfang Juli gehandelte Anleihe mit knapp sechs Jahren Restlaufzeit hat einen Coupon von 3,375 Prozent. Die aktuelle Rendite liegt bei rund 4,3 Prozent.

Fitch bestätigte RWE im Juli mit „BBB+“, Moody’s stuft das Unternehmen mit „Baa2“ ein, eine Stufe niedriger. Die Nettoverschuldung stieg seit Ende des Vorjahres um 4,1 Milliarden Euro auf 15 Milliarden Euro im ersten Halbjahr. RWE plant Investitionen von über 40 Milliarden Euro bis 2031, ohne laut Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit einzubüßen.

Das Unternehmen erwartet steigende operative Ergebnisse.

Fresenius: Konzernumbau und Ratingausblick

Fresenius platzierte Anfang Juli eine Anleihe über 500 Millionen Euro mit einer Laufzeit von knapp fünf Jahren und einem Coupon von 3,375 Prozent. Die Rendite liegt aktuell bei knapp 4,3 Prozent. Fitch bewertet Fresenius mit „BBB-“ und hat den Ausblick im August auf „positiv“ angehoben.

Moody’s stuft das Unternehmen mit „Baa3“ und einem stabilen Ausblick ein, S&P mit „BBB“ und einem bereits im April auf „positiv“ geänderten Ausblick. Der Konzern hat die Verschuldung durch die Abspaltung von Fresenius Medical Care und Beteiligungsverkäufe reduziert. Die Nettoschulden lagen zuletzt beim 2,6-fachen EBITDA.

Fresenius verfolgt das explizite Ziel, das Investment-Grade-Rating zu halten.

Ausblick auf den Anleihemarkt

Mehrere Marktteilnehmer beschreiben die aktuelle Lage als Phase der Normalisierung. Einige Umfragen und Prognosen sehen ein stabiles Zinsniveau in der Eurozone bis 2026, während in den USA größere Chancen für Zinssenkungen erwartet werden. Analysten wie Karin Kunrath von Raiffeisen Capital Management prognostizieren weiterhin einen positiven Mehrertrag von Unternehmensanleihen und eine attraktive absolute Performance, mit einem Fokus auf Papiere guter Bonität.

Ein Risiko besteht darin, dass bei weiteren Kursrückgängen die Renditen noch höher ausfallen könnten. Dies würde zu späteren Einstiegschancen führen. Grundsätzlich gilt: Steigende Marktzinsen bewirken fallende Kurse bestehender Anleihen. Umgekehrt würden Rückgänge der Leitzinsen die Kurse festverzinslicher Papiere stützen.

Entscheidend für die weitere Dynamik sind die Entwicklung der Inflation und die Reaktion der Zentralbanken auf neue Wirtschaftsdaten. Für Privatanleger bleibt die sorgfältige Analyse der Bonität und der spezifischen Konditionen der Emittenten wichtig, um Anlageentscheidungen einzuordnen.