Trade Republic plant ein kostenfreies Altersvorsorgedepot und intensiviert damit den Wettbewerb um die künftige staatlich geförderte Rente. Ab dem 1. Januar 2027 will der Neobroker ein Depot anbieten, in dem 51 ausgewählte ETFs ohne Produktkosten bespart werden können.
Das Unternehmen gibt an, auch langfristig auf die laufenden Produktkosten (TER) zu verzichten und führt an, dass ETF-Anbieter diese Kosten übernehmen und die Erstattung reinvestiert werde.
Dieses Angebot positioniert Trade Republic als Vorreiter für das neue Altersvorsorgedepot (AVD), das die Riester-Rente ablöst.
Kostenfreies Angebot für die Altersvorsorge
Trade Republic plant, sein Altersvorsorgedepot komplett gebührenfrei zu gestalten. Dies umfasst Depotgebühren, Kosten für die Ausführung von Sparplänen sowie die laufenden Produktkosten (Total Expense Ratio, TER) für 51 ausgewählte ETFs.
Die Auswahl umfasst 39 Aktien-ETFs und zwölf Anleihenfonds von Anbietern wie BlackRock (iShares), DWS (Xtrackers) und Vanguard. Darunter befinden sich Standardfonds auf den Weltaktienindex MSCI World und den S&P 500. Monatliche Sparpläne sollen über die tägliche Schlussauktion an der Börse Xetra ausgeführt werden.
Dadurch entfällt nach Darstellung von Trade Republic die Spanne zwischen An- und Verkaufskursen für Anleger.
Mitgründer Christian Hecker betont, dass Trade Republic auch langfristig auf die Produktkosten verzichte. Nach Unternehmensangaben übernehmen ETF-Anbieter wie BlackRock die Fondskosten, und die Erstattung wird direkt reinvestiert.
Das neue Altersvorsorgedepot: Renditechancen ohne Garantien
Das Altersvorsorgedepot (AVD) ist ein staatlich subventioniertes Investmentkonto für die private Altersvorsorge. Es ersetzt die Riester-Rente und verfolgt einen renditeorientierten Ansatz. Anleger können Beiträge flexibel in breit gestreute ETFs, Fonds oder europäische Staatsanleihen investieren.
Einzelaktien, Kryptowerte, Krypto-ETPs und Hebelprodukte sind gesetzlich ausgeschlossen. Erlaubt sind Fonds bis Risikoklasse 5 von 7 (SRRI). Im Gegensatz zur Riester-Rente ist keine Beitragserhaltungsgarantie vorgeschrieben. Anbieter können daher Anlagen mit Aktienquoten von bis zu 100 Prozent anbieten.
Der Staat fördert das AVD mit Grundzulagen: Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr zahlt der Bund 50 Cent je Euro. Auf weitere 1.440 Euro Eigenbeitrag (360,01 Euro bis 1.800 Euro) beträgt die Förderung 25 Cent je Euro. Die maximale Grundzulage liegt bei 540 Euro pro Jahr bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro.
Hinzu kommen Kinderzulagen von bis zu 300 Euro je Kind und Jahr sowie ein einmaliger Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro für Personen unter 25 Jahren.
Während der Ansparphase fallen nach der Gesetzeslage keine Steuern auf Gewinne oder Dividenden an. Auch die Vorabpauschale entfällt. Erst die späteren Rentenzahlungen ab dem 65. Lebensjahr werden nachgelagert zum persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.
Einzahlungen sind ab 10 Euro pro Monat möglich. Maximal können jährlich 6.840 Euro in ein Altersvorsorgedepot eingezahlt werden. Bei paralleler Führung zweier Verträge lässt sich das Einzahlungsvolumen theoretisch verdoppeln, die staatliche Förderung erhöht sich dadurch jedoch nicht.
Wettbewerbsdruck auf dem deutschen Markt
Trade Republics Vorstoß verschärft den Preiskampf unter Anbietern für die staatlich geförderte private Rente. Scalable Capital hatte zuvor einen sogenannten „Rentenbonus“ angekündigt. Dieser erstattet ebenfalls Produktkosten ausgewählter Fonds, jedoch für 16 ETFs.
Die Gutschrift erfolgt dort quartalsweise. Scalable hat für sein Standarddepot null Prozent Gebühr für 2027 angekündigt (bis mindestens 31. Dezember 2027) und behält sich Anpassungen vor.
Smartbroker Plus kündigt ein gebührenfreies Altersvorsorgedepot an, das laut Angaben drei Jahre lang komplett gebührenfrei sein soll. Danach würden reguläre ETF-Kosten anfallen. Die Deka verlangt für ihr Standardmodell 0,1 Prozent pro Jahr. Für individuell zusammengestellte Depots werden nach Berichten rund 1,0 bis 1,5 Prozent angegeben.
Unterschiede der Angebote zeigen sich etwa in der Zahl der erstatteten ETFs. Trade Republic bietet 51, Scalable Capital 16. Auch die Häufigkeit der Kostenerstattung variiert: Bei Trade Republic ist sie monatlich geplant, bei Scalable quartalsweise.
Ausblick und offene Fragen
Das Altersvorsorgedepot soll offiziell am 1. Januar 2027 starten. Trade Republic plant, das Angebot von Beginn an bereitzustellen. Trade Republic hat nach eigenen Angaben mehr als 10 Millionen Kunden in 18 europäischen Ländern und unterliegt als Trade Republic Bank GmbH der Aufsicht der BaFin.
Analysten und Verbraucherschützer beobachten, inwieweit die angekündigte Gebührenfreiheit dauerhaft Bestand haben wird und welche weiteren Anbieter mit ähnlichen Konditionen in den Markt eintreten. Die gesetzliche Ausgestaltung des AVD sieht vor, dass Anbieter zwei Varianten bereitstellen müssen: ein Standarddepot mit zwei vorgegebenen Fonds (risikoärmer und risikoreicher) und einem Gebührendeckel von einem Prozent sowie ein selbst verwaltetes Depot. Bei einem Wechsel des AVD-Anbieters innerhalb der ersten fünf Vertragsjahre kann eine gesetzliche Wechselgebühr von bis zu 150 Euro erhoben werden.
Ab dem sechsten Jahr ist ein Wechsel kostenfrei. Bei Kostenanpassungen durch den Anbieter ist ein kostenfreier Wechsel jederzeit möglich.







