Travis Kalanick verlegt seinen primären Wohnsitz nach Texas und entgeht damit einer drohenden Sonderabgabe für Superreiche in Kalifornien. Der Mitgründer und ehemalige Chef des Fahrdienstvermittlers Uber vollzieht den Schritt exakt zwei Wochen vor dem Stichtag einer geplanten Vermögenssteuer, die sein Vermögen mit rund 180 Millionen US-Dollar belastet hätte. Der Umzug reiht sich in eine wachsende Abwanderungswelle von Tech-Milliardären ein und verschärft den Druck auf den kalifornischen Staatshaushalt.

Wohnsitzwechsel kurz vor dem Stichtag

Der Umzug nach Austin erfolgt am 18. Dezember 2025. Das Datum besitzt erhebliche steuerliche Brisanz: Die kalifornische Volksinitiative „Proposition 40“ setzt den 1.

Januar 2026 als Stichtag an. Wer an diesem Tag seinen Hauptwohnsitz im Bundesstaat führt, unterliegt der geplanten Sonderabgabe. Kalanick bestätigt den Schritt am 13.

März 2026 im Podcast TBPN mit dem Hinweis, er sei bewusst vor Januar umgezogen.

Das Magazin Forbes schätzt Kalanicks Nettovermögen für das Jahr 2026 auf rund 3,6 Milliarden US-Dollar. Ein Anwesen am Lake Austin besitzt der Unternehmer bereits seit 2021. In Texas leitet er zudem als CEO das Robotik- und Großküchenprojekt Atoms, ehemals bekannt als CloudKitchens und City Storage Systems.

In das Vorhaben flossen mindestens 300 Millionen US-Dollar aus Kalanicks Privatvermögen sowie rund 400 Millionen US-Dollar aus dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF. Durch den Wegzug spart der Unternehmer die geschätzte Einmalabgabe von rund 180 Millionen US-Dollar ein.

Fünf Prozent auf das weltweite Nettovermögen

Proposition 40 sieht eine einmalige Abgabe von fünf Prozent auf das weltweite Nettovermögen vor. Ausgenommen sind direkt gehaltene Immobilien und die meisten Vorsorgekonten. Nach den zentralen Entwürfen greift die Steuer ab einem Vermögen von einer Milliarde US-Dollar, was in Kalifornien etwa 200 Personen betrifft.

Einzelne Fassungen setzen den Schwellenwert bei 1,1 Milliarden US-Dollar an. Die Abgabe wird 2027 fällig, wobei Betroffene die Summe gegen einen Zinsaufschlag über fünf Jahresraten strecken können.

Die Initiatoren der Maßnahme, darunter US-Senator Bernie Sanders und der Kongressabgeordnete Ro Khanna, wollen die Einnahmen überwiegend für das staatliche Gesundheitsprogramm Medi-Cal reservieren. Rund 90 Prozent des Aufkommens sollen dort einspringen, da Medi-Cal durch Kürzungen auf Bundesebene eine Finanzierungslücke von bis zu 30 Milliarden US-Dollar droht.

Kapitalabflüsse bedrohen die erwarteten Einnahmen

Zwischen der formalen Einreichung der Gesetzesinitiative im Oktober 2025 und dem Stichtag am 1. Januar 2026 kehren mehrere prominente Milliardäre dem Westküstenstaat den Rücken. Schätzungen zufolge ziehen die Abwanderer rund 540 Milliarden US-Dollar an Vermögen aus Kalifornien ab. Das entspricht knapp 30 Prozent der gesamten potenziellen Steuerbasis der Vorlage.

Während Befürworter mit Einnahmen von rund 100 Milliarden US-Dollar kalkulieren, zeichnen Ökonomen ein skeptischeres Bild. Eine Untersuchung von Benjamin Jaros und Joshua Rauh an der Stanford University prognostiziert inflations- und abwanderungsbereinigt lediglich Bruttoeinnahmen von rund 30 Milliarden US-Dollar. Rechnet man die dauerhaft wegfallenden Einkommensteuern der abgewanderten Spitzenverdiener ein, errechnen die Autoren für die Staatskasse einen durchschnittlichen Nettoverlust von rund 38,9 Milliarden US-Dollar.

Gespaltene Reaktionen im Silicon Valley

Die Steuerpläne spalten die Tech-Elite des Bundesstaats. Neben Kalanick verlegen unter anderem Peter Thiel und David Sacks ihren Wohnsitz nach Austin. Larry Page zieht nach Miami, während Mark Zuckerberg umfangreiche Immobilienkäufe in Florida tätigt.

Gleichzeitig formiert sich politischer und finanzieller Widerstand innerhalb des Staates. Google-Mitgründer Sergey Brin spendet mehr als 100 Millionen US-Dollar an die Kampagnenorganisation Build a Better California, um Proposition 40 abzuwehren. Seine persönliche Steuerlast im Rahmen der Initiative läge bei schätzungsweise 13,3 Milliarden US-Dollar.

Dagegen zeigt sich Nvidia-Chef Jensen Huang offen für die Abgabe. Er bezeichnet die Aussicht als akzeptabel, obgleich seine Belastung auf rund acht Milliarden US-Dollar taxiert wird.

Widerstand formuliert auch Gouverneur Gavin Newsom. Er lehnt Proposition 40 ab und warnt vor einer Schwächung des Innovationsstandorts sowie vor irreversiblen Steuerausfällen durch Kapitalflucht. Newsom plädiert stattdessen für eine koordinierte Milliardärssteuer auf Bundesebene, um den Steuerwettbewerb zwischen den US-Bundesstaaten zu entschärfen.

Steuerprüfungen und offener Wahlausgang

Mit dem physischen Umzug ist das Verfahren für Kalanick und andere Abwanderer juristisch nicht zwingend abgeschlossen. Die kalifornischen Finanzbehörden prüfen routinemäßig den tatsächlichen Lebensmittelpunkt von Spitzenverdienern zum Stichtag am 1. Januar 2026.

Sollten Prüfer feststellen, dass persönliche oder geschäftliche Schwerpunkte weiterhin überwiegend in Kalifornien liegen, drohen Nachforderungen und langwierige Gerichtsverfahren.

Die Entscheidung über die Vorlage fällt am 3. November 2026 an den Wahlurnen. Eine Erhebung des Public Policy Institute of California vom September 2026 sieht Proposition 40 bei 52 Prozent Zustimmung unter wahrscheinlichen Wählern.

Zugleich finden zwei Gegenentwürfe breite Unterstützung: Proposition 41, die neue Steuern an strikte Ausgabenlimits bindet, erreicht 51 Prozent. Proposition 42, die Vermögenssteuern abseits von Immobilien sowie rückwirkende Abgaben gänzlich untersagen will, kommt auf 54 Prozent. Sollten die Konkurrenzentwürfe mehr Stimmen als Proposition 40 erhalten, zeichnet sich eine verfassungsrechtliche Anfechtung der Milliardärssteuer ab.