UniCredit forciert die Übernahme der Commerzbank. Aktuelle Entwicklungen zeigen, wie der italienische Bankkonzern seinen Anteil an der Commerzbank ausbaut. Berichte legen nahe, dass sich die Haltung der Bundesregierung ändern könnte.

UniCredits strategischer Anteilserwerb

UniCredit hat ihren Anteil an der Commerzbank sukzessive erhöht. Im September 2024 erwarb die italienische Großbank eine neunprozentige Beteiligung, davon die Hälfte vom Bund. Bis Juli 2025 stieg dieser Anteil auf 20,2 Prozent; im August 2025 lag er bei rund 26 Prozent.

Im März 2026 lancierte UniCredit ein freiwilliges Tauschangebot. Das Angebot sieht 0,485 UniCredit Aktien je Commerzbank Stück ohne Barkomponente vor. Es ist so strukturiert, dass die gesetzlich relevante Schwelle von 30 Prozent nach deutschem Übernahmerecht überschritten werden kann, ohne unmittelbar eine Kontrollmehrheit anzustreben.

Zum Angebotstag am 5. Mai 2026 notierte die Commerzbank Aktie über dem implizierten Angebotspreis von etwa 32,50 Euro. UniCredit verlängerte die Annahmefrist des Angebots bis zum 3. Juli 2026.

Am 19. Juni 2026 meldete UniCredit, dass nach Annahme des Tauschangebots für 12,51 Prozent der Papiere der rechnerische Anteil auf 39,28 Prozent gestiegen sei. Zuvor lag dieser bei 26,77 Prozent.

Zusammengenommen mit Kaufoptionen für mehr als drei Prozent der Aktien käme UniCredit auf rund 42,50 Prozent. Inklusive des geplanten Aktienrückkaufs der Commerzbank wären es bis zu 43,33 Prozent. Berichte aus Juli 2026 nannten einen maximalen Anteil von 47,6 Prozent.

FuW.ch berichtete zudem, UniCredit habe „gut die Hälfte der Commerzbank Anteile erworben“.

Widerstand gegen die Übernahme

Der Commerzbank Vorstand und der Bund lehnen das Angebot der UniCredit ab. Commerzbank Chefin Bettina Orlopp kritisierte, UniCredit versuche, „die Commerzbank zu einem Preis zu übernehmen, der den fundamentalen Wert und das Potenzial unserer Bank nicht angemessen widerspiegelt“. Auch Gewerkschaften, allen voran ver.di, äußern erhebliche Bedenken wegen möglicher Stellenverluste.

Schätzungen zu potenziellen Arbeitsplatzstreichungen variieren. Andrea Orcel nannte rund 7.000 wegfallende Stellen allein in Deutschland durch Synergien mit der HypoVereinsbank (HVB). ver.di spricht in der Gesamtschau von Commerzbank und HVB von bis zu 15.000 gefährdeten Arbeitsplätzen. Die Commerzbank selbst sprach im Zusammenhang mit dem Übernahmefall von bis zu 11.000 möglichen Stellenkürzungen.

Vertreter von ver.di lehnen eine Übernahme mit Blick auf die Auswirkungen auf Beschäftigte und die deutsche Wirtschaft ab.

UniCredit argumentiert, die Commerzbank entwickle sich „von einer attraktiven Finanzbeteiligung zu einer strategischen Transaktion mit substanziellem industriellen Wert“. UniCredit beziffert erwartete Einsparungen aus der Transaktion auf 1,4 Milliarden Euro. Primär sollen diese durch eine Reduzierung der internationalen Präsenz und den Abbau von Managementstellen erzielt werden.

Das Unternehmen plant gleichzeitig Investitionen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro, um die Commerzbank für eine neue Strategie umzubauen.

Das Bundeskartellamt hat UniCredit grünes Licht für den weiteren Erwerb von Commerzbank Aktien gegeben.

Markteinschätzung und Ausblick

Beobachter wie Filippo Alloatti vom Vermögensverwalter Federated Hermes kommentieren, UniCredit habe nun den „Matchball“. UniCredit rechnet mit einem Abschluss der Abwicklung (Settlement) der Übernahme Anfang 2027, vorbehaltlich aller regulatorischen Zustimmungen. Eine vollständige Fusion von Commerzbank und HypoVereinsbank wird frühestens 2028 möglich sein.

Die Commerzbank hat ihr Nettogewinnziel für 2025 nach oben korrigiert und beantragt Aktienrückkäufe von bis zu einer Milliarde Euro. Das Management kritisiert den Angebotspreis der UniCredit als zu niedrig. Einige Marktteilnehmer gehen davon aus, dass UniCredit mittelfristig eine Komplettübernahme anstreben könnte. Das Angebot könnte später gegebenenfalls mit einer Barkomponente ergänzt werden.

Die Commerzbank Aktie verzeichnete in den zwölf Monaten bis 2026 ein Plus von fast 38 Prozent und damit eine bessere Entwicklung als der DAX. Die annualisierte Volatilität des Papiers liegt bei rund 38 Prozent. Damit ist das Papier deutlich volatiler als der DAX. Für die kommenden vier Wochen nennen Analysten einen Kurskorridor zwischen 32 und 38 Euro.

Du kannst in den kommenden Monaten beobachten, wie sich die veränderte Eigentümerstruktur, die Reaktionen der Arbeitnehmervertretungen und die Haltung der Bundesregierung auf die strategische Ausrichtung der Commerzbank auswirken.