Unstoppable Domains, ein Anbieter von Web3-Domainnamen, zieht seine Bewerbungen für neun eigene Web3-Top-Level-Domains (TLDs) bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) zurück. Betroffen sind .crypto, .wallet, .polygon, .nft, .bitcoin, .dao, .unstoppable, .zil und .blockchain. Das Unternehmen strebte zuvor eine Integration dieser Domains in das traditionelle DNS-System der ICANN an.

Als Gründe nennt CEO Matthew Gould hohe Kosten für Bewerbung und Compliance sowie die geringe Größe des Web3-Marktes.

Hohe Kosten und geringe Web3-Nachfrage: Strategiewechsel bei Unstoppable Domains

Unstoppable Domains (UD) begründet den Rückzug mit erheblichen Kosten. Eine einzelne ICANN-Anwendung kostet 227.000 US-Dollar. Für neun geplante Bewerbungen hätten sich die Grundgebühren somit auf über zwei Millionen US-Dollar summiert.

Zudem sind im Rahmen einer ICANN-Integration laufende Compliance-Kosten sowie jährliche Registrierungsgebühren im traditionellen DNS zu berücksichtigen. UD erklärt, man wolle solche Gebühren weder auf seine Nutzer abwälzen noch ihnen in Rechnung stellen.

Matthew Gould kommentiert diesen Schritt: „The cost of taking web3 domains through icann in both compliance and application and bidding is higher than what we believe we'd recover in sales.“ Er bezeichnet den Web3-Markt überdies als „small“ und „niche“.

Neben den neun eigenen TLD-Anträgen zieht UD auch fünf Partner-Erweiterungen zurück: .privacy, .brave, .anime, .agent und .twin. Damit sind nach Unternehmensangaben insgesamt 14 Erweiterungen betroffen. Das Unternehmen bietet betroffenen Kunden Rückerstattungen für Domain-Käufe an, die nach bestimmten Stichtagen erfolgten.

Für die meisten betroffenen Domains gilt demnach der 5. März 2025 als Stichtag für die Qualifikation zu Rückerstattungen. Für .blockchain variieren die Angaben in den Quellen.

Einige nennen den 5. Juni 2024, andere berichten von früheren Refund-Fenstern ohne eindeutigen Stichtag für .blockchain.

Web3-Namen ohne DNS-Integration

Unstoppable Domains hat nach eigenen Angaben über vier Millionen Web3-Namen ausgegeben. Im Juli 2022 waren es mehr als 2,5 Millionen registrierte NFT-Domains. Laut den von UD zitierten ICANN-Regularien würde eine vollständige Integration bedeuten, dass jeder Name innerhalb eines integrierten Namensraums im traditionellen DNS registriert und bezahlt werden müsste.

Dies würde auch die Offenlegung von Registrierungsdaten umfassen. UD erklärt hierzu: „We aren’t willing to force that on our users, or bill them for it.“

Die Ankündigung des Rückzugs erfolgte Ende August 2026, am 26. August 2026. Die Bewerbungsfrist für neue generische Top-Level-Domains war am 12. August 2026 geschlossen worden. Ein ICANN-Bericht mit Einschränkungen für Blockchain-basierte TLDs wurde wenige Tage vor Ablauf der Frist veröffentlicht.

UD bleibt nach eigenen Angaben weiterhin im ICANN-Prozess aktiv, allerdings in der Rolle eines Registry Service Providers für Partneranwendungen. Das Unternehmen unterstützt namentlich fünf Partneranträge, darunter .gram (für Telegram), .agi und .robot (im Zusammenhang mit dem 0G-Ecosystem), .hub (mit Hub Culture) sowie .xmr. Matthew Gould sagte im Februar 2027, dass traditionelle DNS-Domains mehr als 90 Prozent des Geschäfts von Unstoppable Domains ausmachen.

D3 positioniert sich als Alternative

Das Unternehmen D3, Hauptbeitragender zum Doma Protocol, positioniert sich als Alternative. D3 lancierte auf der Korea Blockchain Week das „Frontier“-Mitgliedschaftsprogramm. Dieses soll Krypto-Nutzern über Solana- und Hyperliquid-Vaults prioritären Zugang zu neuen ICANN-Domainnamen in der Runde 2026 ermöglichen.

Fred Hsu, CEO und Mitgründer von D3, bemerkt dazu: „Every cycle, the crypto industry goes looking for real assets with real history.“

Das Doma Protocol wird in den Quellen als DNS-konforme Blockchain beschrieben, die Domains zu programmierbaren und handelbaren digitalen Assets (DomainFi) machen soll. Partner wie die Solana Foundation und Hyperion DeFi unterstützen das Frontier-Programm. Die erste Phase des Programms läuft bis März 2027, die zweite bis September 2027.

Werdegang von Unstoppable Domains und Markteinschätzung

Unstoppable Domains schloss im Juli 2022 eine Series-A-Finanzierungsrunde über 65 Millionen US-Dollar ab und erreichte nach Unternehmensangaben eine Bewertung von einer Milliarde US-Dollar. Matthew Gould äußerte sich damals positiv zur Zusammenarbeit mit ICANN und zur Rolle von Web3 beim Schutz der Privatsphäre und bei der Kontrolle persönlicher Daten. Zu den Investoren der Series-A-Runde gehörten Pantera Capital und Mayfield sowie weitere Adressen, die sich in Berichten zu der Runde finden.

Die aktuellen Rückzüge stehen im Kontrast zu früheren, öffentlich geäußerten Erwartungen an eine Integration über ICANN. Sandy Carter, Chief Operating Officer von Unstoppable Domains, betonte im Juli 2024 in einem Statement den Nutzen von Web3-Domains für die Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit von Krypto-Transaktionen. Sie sagte, sie könnten lange Wallet-Adressen durch einfache Namen ersetzen.

Ausblick: Zwischen Web3-Ideal und DNS-Realität

Der Rückzug von Unstoppable Domains aus der Bewerbungsrunde für eigene Web3-TLDs macht die praktischen Hürden deutlich. Diese sind mit einer Integration dezentraler Domains in bestehende Internetstrukturen verbunden. Dazu zählen unmittelbare Bewerbungs- und Compliance-Kosten sowie regulatorische Vorgaben, die mit der bisherigen Nutzererwartung an dezentrale Namensräume kollidieren.

Die ICANN plant, am 14. Oktober 2026 die eingereichten Bewerbungsstrings zu veröffentlichen. Erste Erweiterungen aus der aktuellen Runde sollen laut verfügbaren Angaben 2027 live gehen.

Es bleibt offen, ob alternative Ansätze wie das Doma Protocol eine breitere Akzeptanz finden oder ob Web3-Domainmodelle außerhalb des traditionellen DNS eine Nischenexistenz bleiben.