Die U.S. Air Force hat mit der Vergabe der ersten Serienproduktionsverträge für Collaborative Combat Aircraft (CCA) einen Meilenstein in der militärischen Luftfahrt erreicht. General Atomics und Anduril Industries sind die ausgewählten Unternehmen, die nun die Produktion der sogenannten „Loyal Wingman“-Drohnen übernehmen.
Diese Entscheidung markiert den Übergang von der Prototypenentwicklung zur Serienfertigung. Sie ist zudem ein Schritt zur engeren Integration autonomer Systeme neben bemannten Kampfflugzeugen.
Strategische Ergänzung der Luftwaffe
Die „Loyal Wingman“-Drohnen, auch als CCAs bekannt, sind strahlgetriebene, semi-autonome Flugzeuge. Sie sollen an der Seite bemannter Jäger wie der F-35 Lightning II und der geplanten F-47 operieren. Ihr Ziel ist es, die Größe der Flotte zu erhöhen und „bezahlbare Masse“ sowie neue Fähigkeiten zu liefern.
Dies gelingt, da sie günstiger als bemannte Jäger sein sollen. Mark Gunzinger vom Mitchell Institute of Aerospace Studies betont, dass CCAs dazu dienen können, Risiken von bemannten Flugzeugen zu verlagern.
Die Air Force plant, insgesamt etwa 1.000 CCAs zu beschaffen. Sie will damit „bezahlbare Masse und dramatisch erhöhte Kosteneffizienz“ erreichen. Dieses Ziel wurde 2023 kommuniziert und 2024 bekräftigt. Im Jahr 2024 kündigte der damalige Air Force Secretary Frank Kendall an, bis zum Ende des Jahrzehnts 100 CCAs zu kaufen.
Angesichts der geplanten Beschaffung von mehr als 185 F-47-Jägern ergibt sich ein Verhältnis von 5,4 „Loyal Wingmen“ pro F-47.
Technologischer Fortschritt und Kostenstrukturen
Die Kosten für Loyal Wingman-Drohnen variieren stark. Berichte nennen Spannen von etwa 5 Millionen bis 10 Millionen US-Dollar bis zu 40 Millionen US-Dollar oder mehr pro Einheit. Die Kandidaten für CCA Increment 1 streben einen Zielpreis von rund 20 Millionen US-Dollar an.
Zum Vergleich: Eine F-35C kostet rund 102 Millionen US-Dollar. Das Navy-Tankflugzeug MQ-25 liegt bei etwa 150 Millionen US-Dollar.
Diese Preisdifferenz ist ein Faktor für das angestrebte Ziel der „bezahlbaren Masse“.
General Atomics, verantwortlich für die FQ-42A, begann im August 2025 mit Flugtests seines CCA-Prototyps. Das Unternehmen meldete im Februar 2026 den ersten operativen Flug mit missionsautonomer Software. Anduril Industries, Hersteller der FQ-44A „Fury“, hatte seinen Erstflug im Oktober 2025. Die Fury nutzte beim Erstflug Softwaremodule von Shield AI Hivemind und Anduril Lattice.
Northrop Grumman erhielt in der ersten Phase (Increment 1) keine Auswahl. Das Unternehmen stellte anschließend den Project Talon Demonstrator vor, der auf Kostenreduzierung und schnellere Produktion ausgelegt ist.
Funktionsweise und Einsatzszenarien
CCAs sind dafür konzipiert, bemannte Kampfflugzeuge zu ergänzen. Sie sollen vielfältige Aufgaben übernehmen: Erweiterung der Sensorabdeckung, Waffentransport, Aufklärung, elektronische Kampfführung, Täuschfunktionen und Funkrelais. Ein zentraler Zweck ist die Reduzierung des Risikos für menschliche Piloten in umkämpften Umgebungen.
Die Drohnen können autonome Entscheidungen treffen und Befehle von bemannten Flugzeugen wie dem F-22 ausführen. Konzepte sehen auch eine Integration mit der geplanten F-47 vor. Die Air Force setzt auf fortgeschrittene Autonomie, um die kognitive Belastung der Piloten zu reduzieren und Manöver zu ermöglichen, die für bemannte Jets aus physiologischen Gründen schwierig sind.
In den Konzepten fungiert das bemannte Kampfflugzeug als „Quarterback“, die Drohnen folgen den „Spielzügen“ des Menschen.
CCAs sind als „attritable“ ausgelegt – also entbehrlich genug, um risikoreiche oder einmalige Einsätze übernehmen zu können.
Offene Fragen und Marktausblick
Die Einführung der Loyal Wingman-Drohnen wirft weiterhin Fragen zur Operationalisierung und zum Betriebskonzept auf. Vertrauen zwischen Mensch und Maschine soll durch viele Flugstunden und Erfahrungen aufgebaut werden. Die Air Force betont zudem, dass sie Maßnahmen trifft, um „Terminator“-ähnliche Szenarien zu vermeiden.
Kritiker zweifeln an der tatsächlichen Kosteneffizienz. Ein Loyal Wingman muss bestimmte Leistungen, Nutzlasten und Überlebensfähigkeiten erreichen, was die Kosten erhöhen kann. Auch die Annahme, dass weniger Personal benötigt wird, wird infrage gestellt. Unbemannte Systeme können komplexe logistische und Wartungsanforderungen nach sich ziehen.
Analysten, darunter Michael Horowitz von der University of Pennsylvania, sehen in den jüngsten Entscheidungen einen Wendepunkt für die Air Force. Die Herausforderung bleibt, die angekündigte „bezahlbare Masse“ zu erreichen und gleichzeitig die ethischen sowie operativen Fragen in der Praxis zu klären.







