Die US-Börsen verzeichneten in den vergangenen Sitzungen mehrere Rekordhochs. Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq Composite und der Nasdaq 100 kletterten auf neue Bestmarken. Eine anhaltende Nachfrage im Bereich Künstliche Intelligenz und Halbleiter sowie die Beobachtung von Inflationsdaten und geopolitischen Spannungen treiben den Markt an.

Auch die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten stützt die Stimmung.

KI-Boom treibt Tech-Werte an die Spitze

Ein wichtiger Motor der Rally ist die Künstliche Intelligenz. Konsensprognosen deuten laut Berichten auf ein Gewinnwachstum im Technologiesektor von rund 38 Prozent in diesem Jahr und 25 Prozent im Jahr 2027. Diese Erwartungen spiegeln sich in den Kursbewegungen bei Chipherstellern und großen Tech-Firmen wider.

Sandisk und Micron Technology stiegen laut Berichten um 13,7 Prozent beziehungsweise 4,2 Prozent. Der Nasdaq 100 erreichte erstmals per Tagesschluss die Marke von 20.000 Punkten. Der breiter gefasste Nasdaq Composite legte in einer Sitzung um etwa 1,6 Prozent zu und kletterte auf über 24.000 Punkte. Unternehmen wie Super Micro Computer sprangen um rund 13 Prozent, AMD gewann etwa vier Prozent.

Einige Marktbeobachter sehen Parallelen zum Tech-Boom der späten 1990er-Jahre, warnen aber nicht vor Übertreibungen. Jay Hatfield, CEO von Infrastructure Capital Advisors, bezeichnete die Entwicklung als „Earnings boom, not a bubble“. Mehrere Unternehmen meldeten zuletzt stärkere Quartalsergebnisse als erwartet.

Der S&P 500 verzeichnete in diesem Jahr bereits Dutzende Rekordschlüsse. Laut einer Quelle waren es 32 Rekorde zum Zeitpunkt eines Berichts. Seit seinem Tief im Oktober 2022 ist der Index nach Berechnungen um mehr als 16 Billionen US-Dollar im Wert gestiegen.

Sinkende Ölpreise und Fed-Erwartungen stabilisieren das Sentiment

Neben dem Tech-Sektor wirken sich weitere Faktoren stützend aus. Wenn sich Ölpreise stabilisieren oder fallen, reduziert das nach Einschätzung von Oliver Pursche, Manager bei Wealthspire Advisors, die Sorge vor einer energiegetriebenen Inflation.

Berichte nennen unterschiedliche Ölpreisstände. In einem Bericht schlossen Brent-Futures rund zwei Prozent tiefer bei 87,07 US-Dollar pro Barrel. Andere Meldungen notierten Brent bei etwa 96,5 US-Dollar und WTI bei etwa 92,5 US-Dollar. Diese Abweichungen spiegeln unterschiedliche Zeitpunkte und Quellen wider.

Erwartungen an die US-Notenbank dämpfen ebenfalls Sorgen vor weiteren Zinserhöhungen. Trader preisen laut einem Marktindikator eine rund 63-prozentige Chance ein, dass die Fed die Zinsen bei ihrer nächsten Sitzung unverändert lässt. Andere Preiseinschätzungen sehen eine Wahrscheinlichkeit von etwa 61,5 Prozent für eine erste Senkung im September.

Fed-Chef Jerome Powell deutete Signale in Richtung eines disinflationären Pfads an. Tim Ghriskey, Stratege bei Ingalls & Snyder, erwartet keine Maßnahme der Fed bei der nächsten Sitzung, sieht die Notenbank aber in einem schrittweisen Zyklus.

Berichtssaison liefert solide Zahlen

Die Berichtssaison verläuft nach Angaben von Datenanbietern bislang besser als erwartet. Analysten erwarten für die S&P-500-Unternehmen ein aggregiertes Gewinnwachstum von rund 30,6 Prozent für das dritte Quartal. Dies wird unter anderem von einem erwarteten starken Beitrag des Energiesektors und des Technologiesektors getragen. Hier werden deutlich höhere Gewinnanstiege erwartet.

Einzelne Banken meldeten starke Gewinne. Die Bank of America gab Gewinnzahlen von 8,6 Milliarden US-Dollar an, ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch Morgan Stanley berichtete bessere Ergebnisse als erwartet. Adam Crisafulli von Vital Knowledge hebt hervor, dass die zugrunde liegenden wirtschaftlichen Aktivitäten auf Konsumenten- und Unternehmensseite bisher resilient wirkten.

US-Handelsdaten zeigen anhaltende Aktivität. Importe von Investitionsgütern stiegen im August um 4,4 Prozent. Gleichzeitig wuchs das Handelsdefizit um etwa 13,7 Prozent, da die Einfuhren ein Rekordhoch erreichten. Das Handelsvolumen an den US-Börsen lag in einer Sitzung bei rund 16,1 Milliarden gehandelten Aktien und damit leicht unter dem Durchschnitt der vorangegangenen Sitzungen.

Geopolitische Entspannung beflügelt die Zuversicht

Die Aussicht auf eine Stabilisierung im Nahen Osten trägt zur Marktstimmung bei. Obwohl eine erste Gesprächsrunde zu keiner Einigung führte, äußern Analysten wie Alan McIntosh von Quilter Cheviot Europe die Hoffnung auf eine baldige Lösung. US-Präsident Donald Trump deutete an, dass Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden bis Ende der Woche wieder aufgenommen werden könnten.

Analysten wie Alan McIntosh erwarten, dass die wirtschaftlichen Schäden für Inflation und Wachstum begrenzt bleiben könnten, sollten die Feindseligkeiten relativ schnell enden und Öllieferungen wieder aufgenommen werden. Der Internationale Währungsfonds senkte seine Prognose für das globale Wachstum 2026 auf 3,1 Prozent. Russ Mould von AJ Bell beschrieb die Erholung seit dem Tief Ende März teilweise als einen Short Squeeze, bei dem Leerverkäufer ihre Positionen deckten.

Ausblick: Fokus auf Gewinnentwicklung und Fed-Politik

Die weitere Richtung der US-Märkte dürfte wesentlich von der Fortsetzung des Gewinnwachstums und von den Entscheidungen der Fed abhängen. Die Konsenserwartungen für den Technologiesektor bleiben hoch. Kommende Quartalsberichte werden zeigen, ob sich das Gewinnwachstum in der Breite fortsetzt. Lori Calvasina von RBC Capital Markets erhöhte ihr Jahresendziel für den S&P 500 auf 5.700 Punkte.

Du solltest in den kommenden Wochen insbesondere die Veröffentlichung wichtiger US-Arbeitsmarktdaten beobachten, die der Fed weitere Hinweise für ihre Zinsentscheidungen liefern werden. Strategen der Deutschen Bank erwarten für das zweite Quartal einen überdurchschnittlichen Anstieg der US-Gewinne um etwa 13 Prozent. Die Märkte bewegen sich weiterhin in einem Spannungsfeld zwischen der Nachfrage nach KI-bezogenen Anlagen und den geopolitischen sowie inflationären Risiken.