Die nordamerikanischen Kinos erwirtschafteten im Sommer 2026 einen Rekordumsatz von 4,765 Milliarden US-Dollar. Zwischen dem 1. Mai und dem Labor Day am 7.
September übertrifft dieses Ergebnis den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2013 knapp. Trotz dieses monetären Erfolgs gingen die verkauften Kinotickets jedoch zurück. Erklärungen hierfür sind höhere Eintrittspreise und eine stärkere Nachfrage nach Premium-Formaten.
Mehrere Quellen deuten insgesamt auf einen Wandel im Geschäftsmodell der Filmindustrie hin und heben die Rolle der Generation Z hervor.
Erholung auf Premium-Niveau
Die Sommerperiode 2026 dauerte 130 Tage und war damit eine Woche länger als 2013 (123 Tage). Sie markiert den höchsten Bruttoumsatz in der Geschichte des Sommerkinos – nicht inflationsbereinigt. Inflationsbereinigt lagen die Einnahmen jedoch noch 17 Prozent unter dem Niveau von 2019.
Es wurden fast 249 Millionen Tickets weniger verkauft als 2019. Bis Mitte August belief sich die Zahl der verkauften Kinokarten auf 547,1 Millionen, während es im selben Zeitraum 2019 noch 795,9 Millionen waren.
Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich unter anderem durch höhere Ticketpreise und eine gestiegene Nachfrage nach Premium-Formaten. Der durchschnittliche Standard-Ticketpreis in den USA lag 2026 bei 12,75 US-Dollar, für Premium Large Format (PLF) bei 18,26 US-Dollar und für IMAX-Vorstellungen bei 20,57 US-Dollar. Zum Vergleich: 2019 kostete ein Ticket durchschnittlich 9,16 US-Dollar.
Kinobetreiber profitierten zudem von höheren Konzessionseinnahmen. Bei Cinemark stieg der Konzessionsumsatz pro Kinobesucher auf 8,70 US-Dollar, womit sich die Gesamtausgaben pro Besucher auf 19,53 US-Dollar erhöhten. Eric Wold, Equity Analyst bei Texas Capital Securities, fasst zusammen: Theater erzielen „eine höhere Rentabilität bei einer geringeren Anzahl verkaufter Kinokarten“.
Blockbuster und Überraschungserfolge definieren den Markt
Zwei Filme prägten den Sommer 2026 besonders: „Spider-Man: Brand New Day“ und „The Odyssey“. Zusammen trugen sie über 1,5 Milliarden US-Dollar – fast ein Drittel des Sommerumsatzes – zum Gesamtergebnis bei. „Spider-Man: Brand New Day“ erzielte weltweit zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden US-Dollar und wird in einigen Quellen als dritthöchster Film aller Zeiten hinter „Avatar“ und „Avengers: Endgame“ genannt.
„The Odyssey“ erreichte rund 1,6 Milliarden US-Dollar. „Toy Story 5“, „Michael“ und „The Super Mario Galaxy Movie“ überschritten ebenfalls die Milliarden-Dollar-Marke.
Parallel zu diesen Großproduktionen gab es Low-Budget-Erfolge. „Obsession“ von YouTuber Curry Barker wurde mit Produktionskosten von unter einer Million US-Dollar genannt und weist in manchen Quellen weltweite Einnahmen von über 1 Milliarde US-Dollar auf, während „Backrooms“ 394 Millionen US-Dollar einspielte. Paul Dergarabedian von Rentrak stellt dazu fest: „Das Publikum sagt dir, dass es eine Mischung aus diesem filmischen Fast Food und diesem filmischen Fine Dining will.“
Diese Mischung aus Blockbustern und kleineren, kreativen Titeln deutet auf eine Diversifizierung der Konsumentenwünsche hin.
Generation Z als treibende Kraft
Die Generation Z wird in mehreren Quellen als wichtige Zielgruppe beschrieben, die das Kinoerlebnis schätzt und bereit ist, für Premium-Formate mehr auszugeben. Verschiedene Umfragen liefern unterschiedliche Zahlen: Eine Erhebung zeigt, dass über 85 Prozent der Gen Z im vergangenen Jahr mindestens einen Film im Kino gesehen haben und im Schnitt sieben Filme sahen. Eine andere Studie nennt durchschnittlich 6,1 Kinobesuche pro Jahr (2025) gegenüber 4,9 im Vorjahr.
Paul Dergarabedian von Rentrak merkt an, die großen Sommerfilme hätten die jüngere Generation „auf eine sehr tiefgreifende Weise beeinflusst.“ Sanford Panitch von Sony Pictures ergänzt, diese Entwicklung zeige „Anzeichen von Lebendigkeit im Publikumsverhalten“. Dergarabedian weist zudem darauf hin, dass Filmemacher und Studios „querdenken“ und „hoffentlich jüngere Leute einstellen, die am Puls der Zeit sind und wissen, was jüngere Zuschauer wollen.“
„Backrooms“-Regisseur Kane Parsons ist 21 Jahre alt, „Obsession“-Regisseur Curry Barker 26 Jahre. Beide werden in den Berichten als Beispiele für jüngere Filmschaffende genannt, die aus digitalen Umfeldern kommen.
Ausblick auf eine sich wandelnde Branche
Analysten erwarten für das Gesamtjahr 2026, dass der Umsatz in den USA und Kanada erstmals seit der Pandemie wieder die Marke von 10 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Aktuell liegt der Jahresumsatz bei 7,384 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 20,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Prognosen stützen sich auf den starken Sommer und auf erwartete Dezember-Starttitel wie „Avengers: Doomsday“ und „Dune: Part Three“.
Die Studiostrategien haben sich verändert. Nach der Pandemie, als einige Filme direkt an Streamingdienste gingen oder nur sehr kurze Kino-Exklusivitätsfenster hatten, gelten wieder längere exklusive Auswertungsfenster von rund 45 Tagen. Daniel Loria von Boxoffice Pro betont, dies kommuniziere dem Kinobesucher, dass Filme nicht innerhalb weniger Wochen gestreamt werden.
Loria hebt zudem hervor, dass diese längere Kinoexklusivität, gepaart mit positiver Mundpropaganda, dazu beiträgt, dass Zuschauer Filme auch über das Eröffnungswochenende hinaus unterstützen.
Paul Dergarabedian bezeichnet den Sommer 2026 als „einen Bauplan für zukünftige Sommer“ und erklärt, dass eine Kombination aus Eventfilmen, Familienproduktionen, Überraschungserfolgen und Independent-Filmen zusammenwirken müsse, um Publikum kontinuierlich ins Kino zu bringen. Die Branche muss diese Diversifizierung nutzen, um langfristig erfolgreich zu bleiben.







