Ein Rückschlag für die Krypto-Branche: Der US-Senat hat den Digital Asset Market Clarity Act (H.R. 3633) am 15. September 2026 gestoppt. In einer prozeduralen Abstimmung verfehlte das Vorhaben die notwendige Mehrheit von 60 Stimmen. 49 Ja-Stimmen standen 50 Nein-Stimmen gegenüber.

Dieses Scheitern gilt als empfindlicher Rückschlag für die Krypto-Branche. Über Jahre hinweg hatte die Branche Hunderte Millionen US-Dollar in Lobbying investiert, um einen bundesweiten Regulierungsrahmen zu erreichen.

Regulierungs-Vakuum bleibt bestehen

Der Digital Asset Market Clarity Act zielte darauf ab, einen bundesweiten Regulierungsrahmen für digitale Vermögenswerte zu schaffen. Er sollte die Zuständigkeiten zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarktaufsicht CFTC klären. Der über 600 Seiten starke Kompromisstext wurde maßgeblich von Senatorin Cynthia Lummis vorangetrieben.

Er hätte der CFTC neue Befugnisse zur Aufsicht über Krypto-Spotmärkte eingeräumt. Kritiker befürchteten eine weniger strenge Regulierung, da die CFTC als kleinerer Regulator als die SEC gilt.

Mit der Ablehnung bleibt die regulatorische Unsicherheit in den USA bestehen.

Mehrere Quellen beschrieben den Entwurf als in seinen Anfängen von der Trump-Administration unterstützt. Ein zentraler Streitpunkt war die Ethikfrage. Demokraten forderten strengere Ethikregeln, etwa den Verkauf von Krypto-Beteiligungen durch Amtsträger.

Senator Thom Tillis deutete an, dass mangelnde Kompromissbereitschaft des Weißen Hauses in Bezug auf die Ethik-Sprache zum Scheitern beigetragen habe.

Bitcoin zeigt Resilienz inmitten des Absturzes

Die Nachricht vom Scheitern des CLARITY Acts führte zu Kursrückgängen am Kryptomarkt. Bitcoin verlor in den 24 Stunden nach der Abstimmung rund 2,8 Prozent und fiel von knapp 80.000 US-Dollar auf etwa 75.800 US-Dollar. XRP sank um mehr als neun Prozent. Ethereum und Solana verzeichneten Verluste im Bereich von etwa drei bis fünfeinhalb Prozent.

Kommentatoren werteten die relative Schwäche vieler Altcoins gegenüber Bitcoin als Hinweis darauf, dass Bitcoin weniger direkt von der Gesetzesdebatte betroffen war. Rachael Lucas von BTC Markets erklärte, die Gesetzgebung sei für Bitcoin „nie die bindende Beschränkung“ gewesen.

Bitcoin erreichte dabei nicht die tieferen Unterstützungslevels von 74.000 oder 72.000 US-Dollar. Ein nennenswerter Widerstandsbereich liegt nach Markteinblicken zwischen 83.000 und 86.000 US-Dollar. Die 90-Tage-Korrelation von Bitcoin mit Gold erreichte Anfang September 2026 etwa 0,50, den höchsten Wert seit 2020.

Die Korrelation mit dem Nasdaq‑100 fiel indes auf rund 0,30, den tiefsten Stand seit einem Jahr.

US-Spot-Bitcoin-ETFs, die etwa 6,35 Prozent des zirkulierenden Bitcoin-Angebots halten, verzeichneten am Tag der Abstimmung Abflüsse von rund 450 Millionen US-Dollar. Am 14. September hatten diese ETFs zuvor Nettozuflüsse von 160 Millionen US-Dollar verbucht.

Der Grayscale Bitcoin Mini Trust (BTC) weist ein verwaltetes Vermögen von rund 4,9 Milliarden US-Dollar auf und hält etwa 62.900 Bitcoins, rund 30 Prozent mehr als vor neun Monaten.

Ausblick: Fortgesetzte Unsicherheit und politische Verschiebungen

Das Scheitern des CLARITY Acts bedeutet eine Fortsetzung der regulatorischen Unsicherheit in den USA. Beobachter gehen davon aus, dass SEC und CFTC versuchen werden, die Lücke durch eigene Regelwerke zu schließen. CFTC‑Vorsitzender Michael Selig hat CFTC‑Mitarbeiter angewiesen, ein Marktstruktur-Regime unter bestehenden Gesetzen zu entwerfen.

Die SEC stellte im August einen Entwurf namens „Regulation Crypto Assets“ zur Kommentierung bereit. Agenturregeln sind anfälliger für Änderungen unter neuer Behördenleitung als ein verabschiedetes Gesetz.

Brad Garlinghouse, CEO von Ripple, äußerte seine Enttäuschung. Er schrieb, das Team habe alles gegeben, um den Clarity Act über die Ziellinie zu bringen. Garlinghouse ergänzte, dass dies eine Chance war, die größer als Ripple oder ein einzelnes Unternehmen gewesen sei.

Er sprach von einem Verfehlen der Chance für die Industrie, Konsumenten und die Festigung der Position der USA als Krypto-Hauptstadt und Leader in der Zukunft der Finanzwelt. Zudem betonte er, dass Konsumenten und die Wettbewerbsfähigkeit der USA dabei auf der Strecke blieben. Demnach sei eine Post-Mortem-Analyse nötig, um die Gründe für das Scheitern zu ermitteln.

Die Politik der Demokraten, die er als „Anti-Krypto-Armee“ bezeichnete, sei über eine gute Politik gestellt worden.

Garlinghouse sieht dennoch Grund für Optimismus für Krypto in den Vereinigten Staaten. SEC unter Vorsitz Atkins und CFTC unter Vorsitz Selig würden weiterhin daran arbeiten, Regeln zur Schließung der legislativen Lücke zu erlassen. Ripple werde sich weiterhin aktiv an diesem Regelsetzungsprozess beteiligen.

Er betonte, dass Ripples Geschäft noch nie stärker gewesen sei, mit realer Nachfrage im traditionellen Finanzwesen und dem Ökosystem digitaler Assets. Eine verpasste Abstimmung in Washington ändere nichts an Ripples Momentum, globaler Präsenz oder Kundenbasis.

Für die nächsten Schritte richtet sich der Blick auf die Midterm-Wahlen im November 2026. Sollten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen, könnte Elizabeth Warren den Bankenausschuss leiten. Bitcoin zeigte sich im Zuge des Scheiterns relativ widerstandsfähig.

Analysten und Marktteilnehmer werden die Reaktionen der Regulierungsbehörden und die politischen Verschiebungen vor den nächsten Wahlen genau beobachten.