Die US-Luftwaffe treibt einen Kulturwandel in ihrer Rüstungsbeschaffung voran. William D. Bailey, kommissarischer Staatssekretär der Air Force für Akquisition, Technologie und Logistik, forderte am 28.

Juli 2026 bei den Life Cycle Industry Days (LCID) 2026 in Dayton, Ohio, ein „Warfighter Mindset“. Diese Neuausrichtung ist Teil der „Acquisition Transformation Strategy“ des Department of the Air Force, die im November 2025 vorgestellt wurde. Ziel ist, kritische Fähigkeiten schneller an die Einsatzkräfte zu liefern.

Die Strategie legt den Schwerpunkt auf Geschwindigkeit, Flexibilität und die Bereitstellung operativer Fähigkeiten.

Die Initiative sieht vor, Führungskräfte auf unteren Ebenen zu stärken und Entscheidungsbefugnisse zu delegieren. Dadurch sollen bürokratische Hemmnisse abgebaut werden.

Strategische Neuausrichtung und Befugnisdezentralisierung

Bailey betonte in seiner Rede, dass die Strategie eine unternehmensweite kulturelle Veränderung erfordert. Er erklärte, man benötige ein „enterprise of integrated organizations and empowered personnel to seize opportunities and operate at the speed necessary to win“. Ein Ansatzpunkt ist, Zuständigkeiten schneller an die Einsatzkräfte zu übertragen.

„By pushing authorities lower through the ATS, we aim to ensure the proper engineering and coordination is done, but that it’s routed sensibly through the organization“, so Bailey.

Als Beispiel für operative Veränderungen wird in Berichten die Entwicklung eines SharePoint-Tools durch Sharlee Twarek genannt. Twarek ist als B-52 Testmanager-Praktikantin gelistet. Bailey verwies in seiner Rede darauf, dass Mitarbeiter im gesamten DAF-Akquisitionsbereich bereits Schritte unternommen haben, die das „acquisition warfighter mindset“ verkörpern.

Parallelen zur gesamtstaatlichen Initiative

Die Bestrebungen der US-Luftwaffe stehen nicht isoliert. Am 7. Januar 2026 erließ Präsident Trump die Executive Order „Prioritizing the Warfighter in Defense Contracting“ für das gesamte Verteidigungsministerium.

In Quellen wird dabei wiederholt die Bezeichnung „Department of War“ verwendet. Laut einer juristischen Analyse von Latham & Watkins LLP verfolgt die Order das Ziel, die Beschaffung zu beschleunigen und die Verteidigungsindustrie zu revitalisieren. Sie soll Prioritäten und Anreize von Auftragnehmern stärker auf Produktionseffizienz statt auf Investorengewinne ausrichten.

Die Order sieht vor, dass zukünftige Verträge Bestimmungen enthalten können, die Aktienrückkäufe und Dividendenausschüttungen von Auftragnehmern während Perioden schlechter Leistung oder unzureichender Produktion untersagen. Zudem verlangt die Order, dass Verträge Mechanismen vorsehen können, Managergehälter bei schlechter Leistung zu deckeln und die Vergütung an leistungsbasierte Metriken wie pünktliche Lieferung und erhöhte Produktion zu koppeln. Ein in einem Social-Media-Post genannter Vorschlag einer Obergrenze von fünf Millionen US-Dollar für Managergehälter wurde nicht in die formale Order übernommen.

Die Order erwähnt außerdem, dass der „Secretary of War“ die Unterstützung bei internationalen Foreign Military Sales (FMS) oder direkten kommerziellen Verkäufen für schlecht performende Auftragnehmer einstellen kann. Konkrete Kriterien für diese Maßnahmen werden in der Order nicht detailliert genannt.

Bedeutung für die Rüstungsindustrie und internationale Projekte

Die Order und die Acquisition Transformation Strategy enthalten Regelungen und Ziele, die Einfluss auf Auftragnehmer haben können. Für konkrete internationale Beschaffungsprojekte liegen bereits marktbezogene Planungen vor. Die Modernisierung der mexikanischen Kampfflugzeugflotte soll die Beschaffung von 12 modernen Kampfflugzeugen umfassen.

Analysten wie Juan Lopez von GovExec werden die Marktanalyse voraussichtlich bis 2028 bewerten. Als Top-Anwärter für diesen Auftrag werden Lockheed Martin, Saab und Leonardo genannt.

Das Global Combat Air Programme (GCAP) zwischen dem Vereinigten Königreich, Japan und Italien ist auf die Entwicklung eines Stealth-Kampfflugzeugs der sechsten Generation ausgerichtet. Für dieses Programm werden Ausgaben von 4,6 Milliarden Euro genannt. Ein fliegender Prototyp ist für 2027 geplant, operative Flugzeuge werden ab Mitte der 2030er Jahre erwartet.

Ausbildung und Kulturentwicklung im Militär

Das „Warfighter Mindset“ wird laut Berichten auch in der Ausbildung thematisiert. Die U.S. Air Force Academy führt ein 38-tägiges Basic Cadet Training (BCT) Programm durch.

Cadet 1st Class Sarah Price, BCT Cadet Group Commander, erklärte, das Training ziele darauf ab, die Kadetten an ihre Grenzen zu bringen und Vertrauen sowie Charakter zu stärken. Master Sgt. Kayla Welch, Master Military Training Instructor, ergänzte, das Training solle ein „Warfighter Mindset“ vermitteln, das die Kadetten in schwierigen Situationen tragen wird.

In den Dokumenten bleibt offen, wie genau Begriffe wie „schlechte Leistung“ definiert sind und wie die Mechanismen zur Deckelung von Managergehältern in der Praxis umgesetzt werden sollen. Diese Details sind für die konkrete Ausgestaltung von Verträgen und die Zusammenarbeit zwischen dem Department of the Air Force und der Industrie relevant. Marktbeobachter werden diese Entwicklungen weiter verfolgen.