Der US-amerikanische Luxus-Einzelhandel verzeichnet eine deutliche Verlangsamung bei Neueröffnungen. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Fläche neu eröffnender Luxusgeschäfte um 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung steht im Kontrast zu Europa, wo die Zahl der Luxus-Neueröffnungen im Jahr 2025 um 13 Prozent zunahm.
Trotz eines leicht rückläufigen Gesamtmarktes für persönliche Luxusgüter im Jahr 2025, mit einem Volumen von 358 Milliarden Euro, erweisen sich Schmuck- und Uhrenmarken als widerstandsfähig. Diese investieren weiterhin strategisch in ihre physische Präsenz, oft in Form größerer Boutiquen oder Flagship-Stores.
Strategische Konsolidierung statt Expansion
Im ersten Halbjahr 2026 erreichte die Gesamtfläche der Neueröffnungen im US-Luxus-Einzelhandel 123.000 Quadratfuß. Dies entspricht einem Rückgang von 46 Prozent gegenüber den 227.000 Quadratfuß im Vorjahreszeitraum. Nach einem Anstieg der Vermietungsaktivitäten auf über 500.000 Quadratfuß im Jahr 2025 verlangsamen sich die Neueröffnungen damit erheblich.
Marken optimieren ihre Netzwerke und setzen vermehrt auf weniger, dafür größere Flagship-Stores. Die durchschnittliche Flagship-Store-Größe stieg um mehr als 30 Prozent. Robert Travers, Head of EMEA Retail bei Cushman und Wakefield, beschreibt Geschäfte als zunehmend „kulturelle Statements“. Er verweist auf Investitionen in größere, immersivere Flächen und mehrstöckige Konzepte.
In Europa stieg die Zahl der Neueröffnungen 2025 auf 96 neue Luxusgeschäfte in 20 Top-Lagen, 16 Städten und 12 Ländern. Im Jahr 2024 waren es 85 Eröffnungen. Travers betont, dass Marken gezielt in ihre Präsenz an den besten Standorten investieren. Acht der 20 untersuchten Straßen wiesen 2025 eine Leerstandsquote von null Prozent auf, weitere sechs lagen unter fünf Prozent.
Schmuck und Uhren als Wachstumsmotor
Der globale Umsatz mit persönlichen Luxusgütern schrumpfte 2025 auf 358 Milliarden Euro, ein Rückgang von zwei Prozent gegenüber 2024. Das Schmuck- und Uhrensegment zeigt sich gleichwohl resilient. Der Schmucksektor wächst laut Quellen um vier bis sechs Prozent jährlich bei moderaten Preisentwicklungen.
Von den 96 Neueröffnungen in Europa entfielen 28 Boutiquen auf Schmuck- und Uhrenmarken. Einige Marken, darunter Cartier, haben großflächige Präsentationen eingeführt. Cartier erweiterte 2025 seinen Flagship-Store im Miami Design District.
LVMH steht für rund 30 Prozent der Neueröffnungen und liegt bei der durchschnittlichen Ladenfläche mit fast 9.000 Quadratfuß im oberen Bereich. Richemont ist ebenfalls für einen ähnlichen Anteil der Eröffnungen verantwortlich und bevorzugt laut Analyse kleinere, auf Schmuck und Uhren fokussierte Boutiquen mit breiterer geografischer Streuung.
Deutschlands Luxusmarkt im Fokus
Der deutsche Luxusmarkt entwickelte sich 2025 heterogen. In München und Düsseldorf sank die Zahl der Neueröffnungen in den Toplagen von acht auf drei. Die Leerstandsquote lag 2025 in der Münchner Maximilianstraße bei 1,8 Prozent, in der Düsseldorfer Königsallee bei 3,1 Prozent.
Andreas Siebert, Head of Retail Investment Germany bei Cushman und Wakefield, erklärt, dass Marken angesichts der angespannten Flächensituation kreativ werden, etwa durch die Nutzung oberer Etagen.
Die Spitzenmieten auf Europas Luxusstraßen stiegen 2025 im Schnitt um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegen laut Bericht rund sieben Prozent über dem Niveau von Ende 2018. Für Deutschland wird 2026 ein Luxus-Einzelhandelsumsatzvolumen von 15,2 Milliarden Euro prognostiziert. Dies entspricht einem erwarteten Wachstum von 1,5 Prozent.
Damit liegt Deutschland hinter Italien und Frankreich auf Platz drei in Europa.
Herausforderungen und Anpassungen im Gesamtmarkt
Der Markt für persönliche Luxusgüter durchläuft eine Phase der Anpassung. Laut Analyse schrumpfte der Pool aktiver Luxuskonsumenten zwischen 2022 und 2025 von 400 Millionen auf 330 Millionen. Rund 60 Millionen Käufer verließen den Markt.
Die Neukundengewinnung brach zwischen 2024 und 2025 um fünf Prozent ein. Analysen verweisen zudem auf kumulative Preissteigerungen von 40 bis 60 Prozent in den Jahren 2020 bis 2023.
Claudia D'Arpizio von Bain und Company bewertet den Wandel so, dass nach der „Shopping-Spree-Ära“ Erlebnisse und Emotionen zum Motor des Luxuswachstums geworden seien. Die verschobenen Kundenströme und stagnierenden Umsätze zwingen Händler zu strategischen Anpassungen.
Signet Jewelers, der weltweit größte Einzelhändler für Diamantschmuck mit Marken wie Kay Jewelers und Zales, plant im Geschäftsjahr 2026 rund 100 Filialschließungen. CFO Joan Hilson kündigte an, die E‑Commerce-Plattform JamesAllen.com im zweiten Quartal 2026 einzustellen und sich stärker auf Blue Nile zu konzentrieren.
Ausblick
Die Entwicklung der Ladenflächen verläuft regional unterschiedlich. Der US-Markt befindet sich laut Bericht in einer Phase der Konsolidierung, Europa verzeichnet 2025 mehr Neueröffnungen, insbesondere im Schmuck- und Uhrensegment. Die Fokussierung auf immersive Flagship-Stores und das Markenerlebnis bleibt ein zentrales Thema in den Analysen.
Analysten beobachten, inwieweit rückläufige Kundenzahlen und stagnierende Umsätze die Expansionspläne in den kommenden Jahren beeinflussen werden. Viele halten eine Anpassung der Vertriebsstrategien hin zu exklusiveren Erlebnissen für wichtig, um langfristig profitabel zu bleiben.







