Die Zinswende in den USA prägt weiterhin die globalen Finanzmärkte und stellt Bitcoin vor eine Bewährungsprobe. Aktuell rücken steigende Renditen der US-Staatsanleihen in den Fokus. Sie ziehen Kapital in ertragsgenerierende Anlagen und üben somit Druck auf spekulative Vermögenswerte wie Bitcoin aus.
Analysten prognostizieren einen weiteren Anstieg der Renditen. Gleichzeitig hat das US-Finanzministerium seine Rückkäufe längerlaufender Anleihen verdoppelt. Die Kombination aus höheren Renditen und geänderten Liquiditätsbedingungen verändert die Marktbedingungen für Bitcoin.
Einem Marktbericht zufolge könnte die Rendite der zehnjährigen US-Treasury laut Rick Bensignor auf bis zu 6,07 Prozent steigen. Diesen Wert erreichte die Rendite zuletzt im April 2000, noch bevor Bitcoin existierte. Eine solche Entwicklung würde das Narrativ infrage stellen, Bitcoin primär als Absicherung gegen die Entwertung von Fiat-Währungen zu sehen.
Steigende Renditen traditioneller, ertragsgenerierender Anlagen ziehen Kapital an und lassen spekulative Assets unattraktiver erscheinen.
Renditeprognosen und Bitcoin-Realität
Rick Bensignor von Bensignor Investment Strategies nennt ein Mindest-„upside target“ für die zehnjährige Rendite von 5,6 Prozent und ein mögliches Ansteigen auf über 6 Prozent. Er verweist auf die historische Spanne: In den frühen 1980er Jahren erreichte die Rendite 15,8 Prozent. Das Rekordtief lag nahe 40 Basispunkten. Aktuell notiert die 10-jährige Rendite bei rund 4,78 Prozent.
Trotz einer US-Staatsverschuldung von über 40 Billionen US-Dollar liegt Bitcoin derzeit rund 37 Prozent unter seinem Rekordhoch. Dieses Szenario konfrontiert die Annahme, dass Bitcoin primär als Absicherung gegen fiskalische Überlastung und Inflation dient. BloFin Research sieht den sogenannten „Debasement-Handel“ in einer zweiten Phase.
Investoren beobachten dabei die staatliche Steuerung der Kreditkosten genauer.
Parallel zu den steigenden Renditen hat das US-Finanzministerium seine Rückkäufe von 10- bis 30-jährigen Anleihen mindestens verdoppelt. Ab dem 9. September bis zum 4.
November 2026 sollen pro Operation mindestens 4 Milliarden US-Dollar zurückgekauft werden. Zuvor waren es 2 Milliarden US-Dollar. Marktbeobachter interpretieren diese Maßnahme als eine Form der quantitativen Lockerung („QE Lite“).
Sie wird zudem mit einer Abschwächung des US-Dollars und einer Unterstützung als inflationsresistent angesehener Sachwerte in Verbindung gebracht.
Matt Mena, Senior Strategist bei 21Shares, nennt die Ankündigung des Finanzministeriums, den dadurch ausgelösten Druck auf Short-Seller sowie die anhaltende Nachfrage nach US-Spot-Bitcoin-ETFs als Faktoren, die zum Anstieg des Bitcoin-Kurses beigetragen haben. Bitcoin notierte zeitweise über 82.000 US-Dollar und erreichte damit ein neues Viermonatshoch.
Notenbankpolitik und Arbeitsmarktdaten
Die US-Arbeitsmarktdaten für August zeigten 162.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft, gegenüber einer Prognose von 55.000. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,1 Prozent. Die Daten befeuerten Spekulationen über eine mögliche Zinserhöhung der Federal Reserve.
Fed-Gouverneur Christopher Waller zeigte sich geneigt, die Zinsen stabil zu halten, falls die bevorstehenden Inflationsdaten auf eine Abschwächung des Preisdrucks hindeuten. Zugleich liegt der Preisindex für persönliche Konsumausgaben seit 65 aufeinanderfolgenden Monaten über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed. Laut dem FedWatch Tool der CME Group lag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf der Sitzung am 16.
September bei 58 Prozent. Ende August wurde in den Terminmärkten eine Wahrscheinlichkeit von rund 69 Prozent festgestellt.
Fed-Gouverneur Michael Barr stellte klar, dass die nächste Zinsentscheidung entscheidend von der Inflationsentwicklung abhängt. Er warnte, dass breitere Preisdrücke das Risiko erhöhen, dass spätere Zinssenkungen die Inflation nicht schnell genug zurückdrängen. Die Konsumnachfrage bezeichnete er als „weitgehend widerstandsfähig“.
Diese Aussagen deuten auf eine anhaltende Wachsamkeit der Fed hinsichtlich der Preisstabilität hin.
Regulatorische Unsicherheiten und Marktgeschehen
Abseits der Zinsentwicklung bleiben regulatorische Fragen für den Kryptomarkt bedeutsam. Paul Atkins, ehemaliger Vorsitzender der SEC, erwartet, dass der Senat am 15. September über den „Clarity Act“ abstimmen wird.
Der Entwurf zielt darauf ab, Klarheit im Umgang mit digitalen Vermögenswerten zu schaffen. Seine Verabschiedung hat sich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten, etwa zu Zinszahlungen bei Stablecoins oder dem Handel mit Kryptowährungen durch Politiker, verzögert. Atkins geht davon aus, dass der Entwurf im Falle einer Verabschiedung bis Ende September Präsident Donald Trump zur Genehmigung vorliegen könnte.
Der Bitcoin-Kurs hat sich in den vergangenen Wochen positiv entwickelt. Nach einem Tief von rund 64.928 US-Dollar am 24. Juli erreichte er Ende August wieder die 80.000 US-Dollar-Marke.
Zuletzt lag der Kurs bei etwa 79.200 US-Dollar. Für einen technisch bestätigten Bullenmarkt wäre ein Tagesschluss über 83.000 US-Dollar erforderlich. Der Widerstandsbereich liegt zwischen 81.000 und 86.000 US-Dollar.
In der vergangenen Woche realisierten langfristige Bitcoin-Halter Gewinne von rund einer Milliarde US-Dollar. Zudem wurden laut CoinGlass in 24 Stunden Kryptopositionen im Wert von rund 2,99 Milliarden US-Dollar liquidiert. Der Großteil betraf Short-Positionen.
Ausblick auf die Marktentwicklung
Die weitere Kursentwicklung von Bitcoin hängt von der Reaktion der Märkte auf die Zinspolitik der Fed und das Liquiditätsmanagement des US-Finanzministeriums ab. Eine weitere Straffung der Geldpolitik dürfte den Druck auf spekulative Anlagen erhöhen. Eine Fortsetzung der Anleihe-Rückkäufe oder eine Abschwächung des US-Dollars könnte dagegen stützend wirken.
Beobachter richten ihr Augenmerk auf die Fed-Sitzung am 16. September, die kommenden Inflationsdaten und die Entwicklung der Treasury-Renditen. Offen bleibt, wie sich das Debasement-Narrativ in einem Umfeld steigender Realzinsen und hoher Staatsverschuldung entwickelt und ob regulatorische Klarheit in den USA dem Markt neue Impulse geben kann.







