Die US-Gesetzgebung treibt die Etablierung einer strategischen Bitcoin-Reserve voran. Am 16. September 2026 billigte der Finanzausschuss des Repräsentantenhauses den „American Reserve Modernization Act“ (ARMA), registriert unter H.R. 8957, mit 28 zu 21 Stimmen.

Das Gesetz soll einen bereits bestehenden Executive Order von Präsident Donald Trump aus dem März 2025 in Gesetzesform überführen. Ziel ist es, die US-Regierung zur langfristigen Haltung ihrer Bitcoin-Bestände zu verpflichten.

Strategische Reserve im Fokus des US-Kongresses

Der Entwurf des American Reserve Modernization Act (ARMA) festigt die Haltung der US-Regierung zu ihren Bitcoin-Beständen. Kern des Gesetzes ist die Vorgabe, alle bereits im Besitz der Regierung befindlichen Bitcoins für mindestens 20 Jahre in einer strategischen Reserve zu verwahren. Das betrifft insbesondere Bitcoins aus Beschlagnahmungen; diese sollen zukünftig nicht verkauft, sondern der Reserve zugeführt werden.

Eine Bestimmung des ARMA verlangt zudem eine Studie, die innerhalb von 180 Tagen budgetneutrale Wege für den Erwerb zusätzlicher Bitcoins prüfen soll. Die Regierung wird dabei nicht direkt zum Kauf von Bitcoin ermächtigt. Ursprünglich sah ein Entwurf im Mai 2026 noch den Kauf von bis zu einer Million Bitcoins über fünf Jahre durch das Finanzministerium vor.

Dieser Passus wurde in der überarbeiteten Version entfernt.

Aktuell hält die US-Regierung Schätzungen zufolge etwa 328.000 BTC. Dieser Bestand wird bei einem Kurs von 84.000 US-Dollar pro Coin auf rund 27,6 Milliarden US-Dollar beziffert. Damit machen die staatlichen Bitcoin-Bestände etwa 1,6 Prozent der gesamten Bitcoin-Marktkapitalisierung von rund 1,68 Billionen US-Dollar aus.

Politischer Ursprung und prominente Fürsprecher

Die Initiative zur strategischen Bitcoin-Reserve geht auf einen Executive Order von Präsident Donald Trump aus dem März 2025 zurück. Diese Anordnung richtete bereits eine solche Reserve und einen „US Digital Asset Stockpile“ ein. Ferner untersagte sie bereits den Verkauf von beschlagnahmten Bitcoins.

Repräsentant Nicholas Begich (R-AK) brachte den ARMA-Gesetzentwurf am 21. Mai 2026 zusammen mit Repräsentant Jared Golden (D-ME) ein und gilt als treibende Kraft hinter der Initiative.

Begich betont, die fragmentierte Verwahrung von Bitcoin durch die Regierung berge inakzeptable Cybersicherheitsrisiken. Er sieht die Reserve als Bestandteil der nationalen Versicherungspolice und als strategischen Vorteil für die Staatsbilanz. Weitere Unterstützer sind Senatorin Cynthia Lummis (R-WY), die mit dem „BITCOIN Act“ (S.954) eine Initiative mit aktiven Bitcoin-Käufen verfolgte, sowie Personen aus dem Umfeld der Trump-Administration.

Finanzminister Scott Bessent bestätigte, dass die Pläne für eine Bitcoin-Reserve voranschreiten. David Sacks, Trumps „Krypto-Zar“, bezeichnete die Reserve als „digitales Fort Knox“ für das „digitale Gold“. Bo Hines, Krypto-Politikdirektor des Weißen Hauses, verwendete die gleiche Analogie.

Patrick Witt, Geschäftsführer des Präsidialrats für digitale Assets, nannte den ARMA eine „Version 2.0“ des Projekts zur strategischen Bitcoin-Reserve.

Unterschiedliche Ansätze bei der Akkumulation

Der ARMA unterscheidet sich in seiner Herangehensweise an die Bestandsakkumulation von früheren Vorschlägen. Während der ursprüngliche BITCOIN Act von Senatorin Lummis aktive Käufe von 200.000 BTC pro Jahr über fünf Jahre vorsah, finanziert durch eine Neubewertung der föderalen Goldreserven, setzt der jetzige ARMA auf eine „neutrale Reserve“. Diese beinhaltet das Halten der bereits vorhandenen Bitcoins, den Verkaufsstopp von beschlagnahmten Kryptowerten und die weitere Akkumulation überwiegend durch zukünftige Beschlagnahmungen.

Angesichts der aktuellen Beschlagnahmungsrate von geschätzten 15.000 bis 30.000 BTC pro Jahr durch Bundesbehörden erscheint das Erreichen eines Bestands von einer Million Bitcoins allein durch Beschlagnahmungen als ein langfristiges Unterfangen. Die Diskussion um den ARMA ist parteipolitisch geprägt. Zwar wird der Entwurf als „bipartisan“ beschrieben, Jared Golden ist jedoch der einzige Demokrat unter den 23 Co-Sponsoren.

Die Ausschussabstimmung erfolgte entlang der Parteilinien mit 28 Republikanern gegen 21 Demokraten. Kritiker wie Senatorin Elizabeth Warren bezeichneten die Reserve im Februar 2026 als „Geschenk für Krypto-Spekulanten“.

Ausblick auf den Gesetzgebungsprozess und Marktauswirkungen

Nach der Billigung durch den Finanzausschuss steht der ARMA dem gesamten Repräsentantenhaus zur Abstimmung bevor. Die Verabschiedung eines Gesetzes erweist sich in den USA oft als langwieriger Prozess. Insbesondere im Senat werden in vielen Fällen 60 Stimmen benötigt, um einen Filibuster zu überwinden.

Die Republikaner halten derzeit 53 Sitze im Senat, was die Aussichten für ein eigenständiges Gesetz erschwert.

Eine mögliche Route für die dauerhafte Verankerung der Reserve ist die Aufnahme in das jährliche National Defense Authorization Act (NDAA) im Herbst 2026. Für den Bitcoin-Markt hätte die Umsetzung des ARMA langfristige, eher indirekte Auswirkungen. Da der Gesetzentwurf keine direkten Käufe autorisiert, ist ein sofortiger, automatischer Preisanstieg nicht zu erwarten.

Die Festlegung, die bereits vorhandenen Bestände für mindestens 20 Jahre zu halten und beschlagnahmte Bitcoins nicht zu verkaufen, reduziert das verfügbare Angebot am Markt. In Verbindung mit der möglichen Akkumulation durch Beschlagnahmungen könnte das strukturell unterstützend für den Bitcoin-Kurs wirken. Kurzfristige Kursschwankungen, etwa der Rückgang von Bitcoin um 3,3 Prozent am Tag der Ausschussabstimmung, sind typisch für den Markt und müssen nicht zwingend die Wirkung der Gesetzesinitiative widerspiegeln.

Analysten werden die weiteren Schritte im Kongress sowie die Marktreaktion im Blick behalten, insbesondere mit Blick auf die langfristige Positionierung der US-Regierung in diesem Segment.