Bitcoin als „Fiscal Fear Trade“: Wenn die Staatsfinanzen den Kurs diktieren

Der Bärenmarkt für Bitcoin ist beendet. So lautet die Einschätzung von Matt Cole, CEO von Strive, einer Investmentfirma mit großen Bitcoin-Beständen. Zuletzt stieg der Vermögenswert sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch gegenüber Gold an.

Diese Entwicklung hängt mit der Ankündigung des US-Finanzministeriums zusammen, seine Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen auszuweiten. Marktteilnehmer sehen darin einen wichtigen Auslöser für die Kursbewegungen.

Die jüngsten Kursanstiege von Bitcoin und Gold sind primär auf die Ankündigung des US-Finanzministeriums zurückzuführen. Die Behörde plant, ihre Rückkäufe längerlaufender Staatsanleihen deutlich zu erhöhen. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Liquidität im Anleihenmarkt zu stützen, den Druck auf langfristige Renditen zu mindern und die Finanzierung des Staatshaushalts zu verbilligen.

Das Wiederaufleben des „Dollar Debasement Trade“

Das US-Finanzministerium kündigte an, das Volumen der Rückkäufe von länger laufenden Anleihen – konkret von solchen mit einer Laufzeit von 10 bis 30 Jahren – von zuletzt 2 Milliarden US-Dollar auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Rückkauf zu verdoppeln. In der Woche nach der Ankündigung schwächte sich der US-Dollar-Index (DXY) um etwa 0,8 Prozent ab und erreichte ein Mehrmonatstief gegenüber anderen Währungen.

Diese Entscheidung belebte den sogenannten „Dollar Debasement Trade“. Investoren suchen Schutz vor einem schwächeren Dollar, indem sie unter anderem in Gold und Bitcoin investieren. Brian Huang, Mitbegründer von Glider, kommentiert die Marktreaktion: „Der Markt verarbeitet noch die vor zwei Tagen angekündigten Treasury-Rückkäufe.

Wenn die US-Regierung längerlaufende Staatsanleihen kauft, um die Zinsen künstlich zu dämpfen, drängt sie Investoren in Anlagen wie Bitcoin und Gold. Bedenke, dass das Finanzministerium jedes Jahr über 200 Milliarden US-Dollar an 30-jährigen Anleihen versteigert. Verglichen mit Bitcoins Marktkapitalisierung von 1,6 Billionen US-Dollar und geringerer Liquidität reicht bereits ein kleiner Impuls am Anleihenmarkt aus, um Bitcoin nach oben zu treiben.“

Bitcoin-Rallye

Bitcoin reagierte mit einer starken Kursrallye auf die Nachrichten aus Washington. Zwischen Mittwoch und Freitag der Vorwoche stieg der Kurs um etwa 21 Prozent und überschritt kurzzeitig die Marke von 79.000 US-Dollar. Im August 2026 legte Bitcoin gegenüber dem US-Dollar um mehr als 22 Prozent zu und verzeichnete einen Anstieg von 6,6 Prozent gegenüber Gold.

Vor der Ankündigung notierte Bitcoin bei rund 63.000 US-Dollar, stieg dann auf 68.000 US-Dollar und erreichte später über 70.000 US-Dollar. Innerhalb weniger Tage zog der Kurs von etwa 63.000 US-Dollar auf hohe 70.000 US-Dollar an und erreichte mit fast 80.000 US-Dollar den höchsten Stand seit Mai.

Ein wesentlicher Treiber waren Short-Squeezes: Short-Positionen im Wert von über 4 Milliarden US-Dollar wurden innerhalb von zwei Tagen liquidiert. William Stern, Gründer von Cardiff, kommentierte: „Ehrlich gesagt, füttert sich das an diesem Punkt selbst. Der Rückkauf und der Clarity Act brachten es in Bewegung, aber jetzt eliminiert jeder Aufwärtsschub weitere Short-Positionen, und diese Liquidationen sind es, die den Kurs in den Bereich von 79.000 US-Dollar drücken.“

Gleichzeitig verzeichneten Bitcoin-ETFs erhebliche Zuflüsse. Der iShares Bitcoin Trust ETF (IBIT) stieg in der vergangenen Woche um 22,6 Prozent, mit Zuwächsen von jeweils etwa sechs Prozent an drei einzelnen Tagen. Die Nettozuflüsse in Bitcoin-ETFs beliefen sich in der betreffenden Woche auf rund 1,6 Milliarden US-Dollar; die letzten Tage gehörten zu den zehn besten Tagen des Jahres 2026 für Nettozuflüsse.

Strive hält 20.246 BTC und rangiert damit unter den börsennotierten Unternehmen mit den größten Bitcoin-Beständen; der durchschnittliche Kaufpreis liegt bei 94.345 US-Dollar pro Bitcoin, wodurch auf der Position weiterhin ein unrealisierter Verlust besteht.

Gold im Aufwind

Parallel zu Bitcoin profitierte auch Gold von der bewegten Lage im Anleihenmarkt. Der Goldpreis stieg nach der Treasury-Ankündigung um mehr als drei Prozent und erreichte 4.527 US-Dollar pro Unze – ein Plus von 4,5 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss und das höchste Niveau seit Anfang Juni. Mitte Juli notierte Gold noch bei rund 4.000 US-Dollar je Unze und stieg bis Mitte August auf etwa 4.394 US-Dollar je Unze, ein 10-Wochen-Hoch.

Später notierte Gold bei etwa 4.600 US-Dollar je Unze, auf einem Niveau, das zuletzt im Mai erreicht worden war.

Die Nachfrage nach Gold wird zudem durch Zentralbanken gestützt: 89 Prozent der Zentralbanken weltweit erwarten, ihre Goldreserven im kommenden Jahr zu erhöhen; 45 Prozent planen eine aktive Aufstockung. Im zweiten Quartal 2026 kauften Zentralbanken insgesamt 289 Tonnen Gold; allein die chinesische Zentralbank fügte im Juli rund 20 Tonnen hinzu. Gold-ETFs verzeichneten im Juli weltweit Zuflüsse von 3 Milliarden US-Dollar, was einem Bestandsanstieg von 23 Tonnen entspricht.

Bloomberg erfasste an einem Donnerstag Zuflüsse von rund 18 Tonnen in Gold-ETFs, den stärksten Tageszuwachs seit fast einem Jahr.

Die Schuldenlast der USA und ihre Folgen

Die US-Staatsverschuldung überschritt am 18. August 2026 die Marke von 40 Billionen US-Dollar. Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, warnte am 21.

August 2026 vor einer möglichen US-Schuldenkrise innerhalb von drei Jahren. Analysten weisen darauf hin, dass die jährlichen Zinskosten für die USA sich der Marke von etwa 1 Billion US-Dollar nähern, während der Refinanzierungsbedarf bei rund 10 Billionen US-Dollar liegen soll.

Die Maßnahmen des Finanzministeriums werden unterschiedlich interpretiert. Offiziell dienen sie der Marktstabilisierung; einige Beobachter sehen in den Rückkäufen eine Form der „finanziellen Repression“, um langfristige Renditen zu drücken. George Saravelos von der Deutschen Bank sprach von einer „Soft-Form Financial Repression“, Steve Englander von Standard Chartered von einer möglichen „Panic Response“ des Finanzministeriums.

Ausblick: Volatilität und makroökonomische Faktoren

Die Nachhaltigkeit der Rallye bleibt offen. Terence McMenamin, CEO und Mitbegründer von Techdollar, sagte: „Dass Bitcoin auf etwa 79.500 US-Dollar steigt, ist keine reine Krypto-Geschichte, es ist eine Liquiditätsgeschichte.“ Marktkommentare betonen, dass nach der Liquidation von Milliarden an Short-Positionen nun substanzieller Kaufdruck erforderlich ist, da frische gehebelte Long-Positionen und ETF-Zuflüsse allein möglicherweise nicht ausreichen, um die Rallye dauerhaft zu stützen.

Ein Teil der Anleger in US-Bitcoin-ETFs wartet noch auf den Break-even ihrer Positionen.

Für den Goldpreis sind die Entwicklungen rund um die US-Zinspolitik relevant: Sinkende Fed-Zinserwartungen und ein schwächerer US-Dollar begünstigen Gold. Allerdings könnten steigende Ölpreise – WTI bei rund 84,77 US-Dollar und Brent bei rund 93,26 US-Dollar – die Inflation anheizen und den Druck auf die Fed erhöhen, die Zinsen zu straffen; das würde Gold belasten. Marktteilnehmer achten auf die Veröffentlichung der Fed-Protokolle vom Juli und das Jackson Hole Symposium vom 27. bis 29.

August 2026 als mögliche kurzfristig Einflussfaktoren.

Analystenprognosen unterscheiden sich: Das Wells Fargo Investment Institute revidierte seine Goldziele für Ende 2026 auf 4.900 bis 5.100 US-Dollar je Unze, ein Hinweis auf die Bandbreite der Erwartungen für die weitere Entwicklung.