Ein bevorstehender Winter und stark gestiegene Gas-Großhandelspreise lassen Verivox einen Anstieg der Gaspreise für Haushalte erwarten. Das Vergleichsportal prognostiziert für Bestandskunden Erhöhungen zwischen 10 und 20 Prozent zum Jahreswechsel. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten, insbesondere der Krieg im Iran, gelten als Haupttreiber und wirken sich ebenfalls auf den Ölmarkt aus.
Geopolitische Lage belastet Energiepreise
Gegenseitige Angriffe zwischen den USA und dem Iran sowie Attacken der Huthi-Rebellen auf saudische Ölanlagen belasten die Energiemärkte. Diese Entwicklungen steigern die Unsicherheit über die Rohstoffversorgung und treiben die Großhandelspreise für Gas und Rohöl nach oben. Brent-Rohöl überschritt zeitweise die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel und notierte am 9.
September bei 101,21 US-Dollar. Daan Struyven von Goldman Sachs sieht in einem Upside-Szenario mit ausgeweiteten Versorgungsunterbrechungen die Möglichkeit, dass Brent bis auf 120 US-Dollar klettern könnte.
Deutschland und die Europäische Union sind stark von Gasimporten abhängig. Sie sind daher anfällig für Preisschocks. Malte Küper vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) betont, dass die deutsche Wirtschaft wegen ihrer Abhängigkeit von Erdgas besonders betroffen ist. Verivox verweist zudem auf geringe Gasspeicherfüllstände in Deutschland.
Verivox-Prognose: Zweistellige Anstiege für Gas-Bestandskunden
Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, erklärt, dass Neukundenpreise für Gas die Großhandelspreise besonders schnell abbilden. Sie sind seit Februar um über ein Drittel gestiegen. Bestandskundentarife reagieren langsamer, werden laut Storck jedoch früher oder später ebenfalls anziehen. Beim aktuellen Preisniveau nennt Storck mögliche Erhöhungen zwischen 10 und 20 Prozent zum Jahreswechsel.
Parallel spiegeln sich die höheren Rohölpreise in den USA in gestiegenen Kraftstoffpreisen wider. In Kalifornien lagen Dieselpreise bei etwa 7,98 US-Dollar pro Gallone. Vereinzelt wurden bis zu 9,999 US-Dollar berichtet.
Die US-Raffinerieauslastung erreichte in der Woche bis zum 4. September 97,8 Prozent. Die Energy Information Administration (EIA) prognostiziert für 2026 einen durchschnittlichen Dieselpreis von 5,07 US-Dollar pro Gallone.
Benzinpreise stiegen im August um 3,9 Prozent. Dies machte über ein Drittel des monatlichen Anstiegs des Konsumentenpreisindex aus.
Zentralbanken unter Druck: Kampf gegen die Inflation
Die Inflation im Euroraum lag im August bei 3,3 Prozent, in Deutschland bei 2,9 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte, die Inflation werde in den aktuellen Prognosen bis Ende 2026 weiter steigen. Sie werde „schlimmer, bevor sie besser wird“. Die EZB hob den Einlagenzins zum zweiten Mal in diesem Jahr auf 2,5 Prozent an.
In den USA stiegen die Konsumentenpreise im August um 0,4 Prozent. Die Jahresrate betrug 3,4 Prozent. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichten zuletzt ein 52-Wochen-Hoch von etwa 4,841 Prozent.
Die Federal Reserve steht ebenfalls unter Druck, angemessen zu reagieren. Bei der Fed-Sitzung Mitte September geht es um eine mögliche weitere Zinsanpassung. Umfragen und Marktpreise zeigen unterschiedliche Erwartungen.
Eine Reuters-Umfrage unter Ökonomen rechnet überwiegend mit stabilen Zinsen. Händler preisen mit dem CME-FedWatch-Tool circa 60 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ein. Nach dem CPI-Bericht stiegen diese Wahrscheinlichkeiten kurzfristig auf rund 90 Prozent.
Ausblick: Weitere Preissteigerungen und geldpolitische Straffung möglich
Marktentwicklungen deuten auf anhaltende Volatilität und höhere Kosten für Verbraucher sowie Unternehmen hin. Verivox führt die prognostizierten Gaspreisanstiege auf die internationalen Großhandelspreise und die geopolitische Lage zurück. Analysten wie Mark Wall von der Deutschen Bank warnen, dass höhere Energiepreise die Gesamtinflation stützen und eine weitere Zinserhöhung der EZB im Dezember wahrscheinlicher machen könnten.
Wall weist zugleich darauf hin, dass steigende Energiepreise das Wachstum belasten dürften.
Sollten Angriffe auf Schifffahrt und Energieinfrastruktur weiter zunehmen, sehen Marktteilnehmer Szenarien, in denen Brent-Preise bis auf 120 US-Dollar pro Barrel steigen können. Höhere Energiepreise könnten damit die Inflationsraten länger hoch halten. Die Fed-Sitzung in der kommenden Woche wird zeigen, wie die US-Notenbank auf diese Herausforderungen reagiert und welche Folgen das für die Finanzmärkte hat.







