Bitcoin auf dem Weg zum System-Kollateral: Eine Langzeitprognose bis 2046
Die Debatte um Bitcoin als „digitales Gold“ prägt weiterhin die Finanzmärkte. Jordi Visser, Head of AI Macro Nexus Research bei 22v Research, positioniert Bitcoin in dieser Diskussion klar als „collateral of the system“. Er ist überzeugt, Bitcoin sei die einzige Kryptotechnologie, deren Bestand er bis 2046 zusichern könne.
Visser argumentiert zudem, der „echte Kunde“ für Krypto sei bisher nicht am Markt präsent. Künftig identifiziert er KI-Agenten als relevante Nachfragequelle und konstatiert: „crypto is not made for humans“.
Im September 2026 erreichte der Bitcoin-Kurs rund 77.400 US-Dollar. Sein Rekordhoch verzeichnete er im Oktober 2025 bei 126.272 US-Dollar.
Bitcoins Rolle als Wertspeicher im Wandel
Die Bezeichnung „digitales Gold“ impliziert, dass Bitcoin als Absicherung gegen makroökonomische Unsicherheit und als Wertspeicher dient. Dies ähnelt der traditionellen Funktion von physischem Gold. Beide Vermögenswerte teilen Eigenschaften wie eine begrenzte Angebotsmenge und die Möglichkeit, sie außerhalb des traditionellen staatlichen Finanzsystems zu halten.
Die Wertbestimmung hängt wesentlich von der Erwartung ab, Kaufkraft zu bewahren.
Gleichzeitig unterscheiden sich Marktstrukturen und Risiken deutlich. Gold besitzt eine jahrtausendelange Geschichte als Wertspeicher und kann selbst ohne Finanzsystem als Tauschmittel dienen. Bitcoin ist hingegen ein rein digitales Gut, dessen Nutzen funktionierende Infrastruktur wie Strom und Internet voraussetzt.
US-Bitcoin-ETFs verwalten aktuell etwa 100 Milliarden US-Dollar. Seit ihrer Einführung verzeichneten sie Nettozuflüsse von rund 54,6 Milliarden US-Dollar und halten derzeit etwa 1,26 Millionen Bitcoin. Bloomberg-ETF-Analyst Eric Balchunas prognostiziert, dass Bitcoin-ETFs langfristig das Dreifache des Geldes von Gold-ETFs verwalten könnten.
Basierend auf einem Gold-ETF-Vermögen von 615 Milliarden US-Dollar würde dies rund 1,85 Billionen US-Dollar für Bitcoin-ETFs bedeuten. Dies könnte, je nach Anzahl der durch ETFs gehaltenen Bitcoin, zu einem Kurs von etwa 488.000 bis 732.000 US-Dollar führen.
Der Goldpreis lag im September 2026 bei etwa 4.431 US-Dollar pro Feinunze. Das Rekordhoch betrug 5.608 US-Dollar.
Steigende Korrelation zu Gold und makroökonomische Treiber
Anfang September 2026 erreichte die 90-Tage-Korrelation zwischen Bitcoin und Gold einen Wert von plus 0,50. Dies ist der höchste Stand seit 2020. Im gleichen Zeitraum sank die Korrelation mit dem Nasdaq 100 auf etwa plus 0,30, den niedrigsten Stand seit einem Jahr.
Diese Zahlen legen nahe, dass Anleger Bitcoin und Gold in bestimmten Phasen ähnlich bewerten. Bitwise weist jedoch darauf hin, dass eine Korrelation von plus 0,50 keine Aussage über die Stärke der Wertschwankungen oder entstandene Verluste macht.
André Dragosch, Head of Research bei Bitwise Europe, bezeichnet Bitcoin als den „Kanarienvogel in der Makro-Kohlemine“. Dieses Bild betont Bitcoins Rolle als Frühindikator für breitere Markttrends, ohne daraus einen automatischen „sicheren Hafen“ abzuleiten. Eine hohe Korrelation allein belegt keine strukturelle Verwandtschaft der Assets.
Die aggregierte Schuldenquote der G7-Staaten lag 2026 im Schnitt bei über 123 Prozent des BIP. Zentralbanken kauften zwischen 2022 und 2025 durchschnittlich etwa 1.000 Tonnen Gold pro Jahr, was ungefähr dem Doppelten des Volumens im Jahrzehnt zuvor entspricht. Diese Entwicklungen werden in der Debatte um alternative Wertspeicher als relevante makroökonomische Faktoren genannt.
Volatilität, Langzeitprognosen und institutionelle Akzeptanz
Bitcoin weist eine historische annualisierte Volatilität von etwa 40 bis 50 Prozent auf. Frühere Kursrückgänge betrugen 70 bis 80 Prozent. Gold zeigte in den betrachteten Zeiträumen eine Volatilität von rund 12 bis 15 Prozent; Rückgänge von mehr als 30 Prozent sind in modernen Marktphasen selten.
Diese Unterschiede bleiben ein zentrales Argument gegen eine vollumfängliche Gleichsetzung von Bitcoin und Gold.
Langfristige Kursprognosen für Bitcoin variieren stark. Cathie Wood von ARK Invest erwartet bis 2030 eine Marktkapitalisierung von rund 16 Billionen US-Dollar. Bei voller Umlaufmenge entspräche dies etwa 760.000 US-Dollar pro Bitcoin.
In einem bullisheren Szenario hält sie mehr als 1 Million US-Dollar für möglich. Matt Hougan von Bitwise hält bis 2035 einen Kurs von 1,35 Millionen US-Dollar für erreichbar, sollte Bitcoin einen größeren Anteil am globalen Markt für Wertspeicher gewinnen. Raoul Pal argumentiert, dass Krypto und Technologiewerte die Abwertung von Fiatwährungen von etwa acht Prozent pro Jahr übertreffen könnten.
Diese Sichtweise findet in der Debatte um Renditeerwartungen Beachtung.
Die Rolle von KI-Agenten und die Zukunft des Finanzsystems
Mehrere Marktbeobachter sehen KI-Agenten als potenzielle Nachfragequelle für tokenisierte Werte. Charles Hoskinson, Mitgründer von Ethereum und Gründer von Cardano, erwartet KI-Agenten als künftig größte Nutzergruppe des Internets. Er prognostiziert bis 2030 rund 10 Billionen US-Dollar an tokenisierten Vermögenswerten sowie etwa eine Milliarde neue Nutzer auf öffentlichen Blockchains.
Jordi Visser identifiziert KI-Agenten als „real demand“ für Krypto und betont, dass der Markt designt sein müsse, um diese Nachfrage abzubilden.
Rauan Khassan, CGO von TradingView, prognostiziert für 2046 das Ende des klassischen Sparkontos zugunsten verwalteter, zielgebundener Konten. Diese Einschätzung verweist auf strukturelle Veränderungen im Finanzsystem.
Ausblick auf die kommenden Jahre
Die Diskussion um Bitcoin als „digitales Gold“ bleibt offen. Befürworter wie Robert Kiyosaki sehen Bitcoin neben Gold und Silber als Absicherung gegen einen Finanzcrash. Andere Marktbeobachter verweisen auf die kürzere Historie und die höhere Volatilität von Bitcoin.
Die hohe Staatsverschuldung der G7-Staaten und die gesteigerten Goldkäufe durch Zentralbanken bilden makroökonomische Rahmenbedingungen, die die Nachfrage nach alternativen Wertspeichern beeinflussen können.
Entscheidend für den weiteren Diskussionsverlauf werden die Entwicklung der Korrelation zwischen Bitcoin und Gold sowie die institutionelle Akzeptanz über ETFs sein. Offen bleibt, ob Bitcoin seine Funktion als Inflationsschutz und Wertspeicher in turbulenten Marktphasen konsolidiert und ob die prognostizierte Nachfrage durch KI-Agenten tatsächlich eintritt. Ebenso wird zu beobachten sein, ob sich die Volatilität von Bitcoin langfristig der von Gold annähert oder ob die digitale Währung ihre Eigenheiten behält.
Das nächste Bitcoin-Halving ist für 2028 prognostiziert und gehört zu den relevanten Ereignissen, die den Markt beeinflussen werden.







