Volkswagen forciert die Batteriezellproduktion in Europa durch strategische Joint Ventures. Die Konzerntochter PowerCo treibt die Etablierung einer umfassenden Wertschöpfungskette voran. Zudem kooperiert Volkswagen mit dem chinesischen Partner Gotion High-Tech.
Diese Beteiligung dient nach Angaben von Volkswagen primär der Sicherung der Versorgung mit Lithium-Eisenphosphat-(LFP-)Zellen. Der Konzern bekräftigt das Ziel, einen Großteil seines europäischen Bedarfs an Batteriezellen selbst zu produzieren oder über Joint Ventures abzusichern.
Volkswagen strebt bis 2030 eine Produktionskapazität von 240 GWh in Europa an. Hierfür will der Konzern den Großteil seines Bedarfs an Batteriezellen für Elektrofahrzeuge eigenständig herstellen oder über gezielte Joint Ventures sichern. Der Fokus liegt auf dem Aufbau einer integrierten Batterie-Wertschöpfungskette, von der Zellproduktion bis zu Materialien und Recycling.
Europas Batterie-Strategie: Salzgitter als Zentrum
Im Zentrum der europäischen Batterieoffensive steht die 2022 gegründete Konzerntochter PowerCo SE mit Hauptsitz in Salzgitter. PowerCo verantwortet die Entwicklung und Produktion von Batteriezellen. Das Unternehmen soll die vertikale Integration der Wertschöpfungskette vorantreiben.
Die Gigafactory in Salzgitter, ursprünglich als Joint Venture mit Northvolt geplant, steht inzwischen vollständig unter der Leitung von PowerCo.
Volkswagen hat Northvolts Anteile an diesem Projekt übernommen. Die Fabrik soll die Produktion der neuen „Prismatic Unified Cell“ für das Hochvolumensegment des Konzerns ermöglichen. Der Produktionsstart, ursprünglich für Ende 2023 oder Anfang 2024 vorgesehen, ist nun für Ende 2025 oder Anfang 2026 geplant.
Die anfängliche Jahresproduktion liegt bei 16 GWh. Perspektivisch ist eine Erweiterung auf bis zu 40 GWh vorgesehen.
Salzgitter entwickelt sich damit zu einem Batteriezentrum, inklusive eines Center of Excellence Battery (CoE) und einer Batterie-Akademie.
Kooperationen sichern Rohmaterial und Technologie
Neben der Eigenproduktion setzt Volkswagen auf strategische Partnerschaften, um den Bedarf an Batteriezellen und -materialien zu decken. Eine Schlüsselrolle spielt Gotion High-Tech, an dem Volkswagen seit 2020 über ein Viertel der Anteile (26,47 Prozent) hält. Die Beteiligung belief sich auf rund 1,1 Milliarden Euro.
Volkswagen sieht die Beteiligung primär als Mittel zur Sicherung der Versorgung mit LFP-Zellen.
Volkswagen plant mit Gotion die Gründung von drei Joint Ventures in Europa. Diese sollen sich nach den vorliegenden Angaben auf Batteriezellen und Kathodenmaterial konzentrieren. Die genauen Standorte und detaillierten Produktionspläne dieser Partnerschaften sind bislang weniger präzise dokumentiert als bei anderen Projekten.
Eine weitere Zusammenarbeit besteht mit dem belgischen Unternehmen Umicore. Dieses Joint Venture zielt darauf ab, Kapazitäten für Precursor- und Kathodenmaterialproduktion in Europa aufzubauen. Die Produktion soll 2025 beginnen und anfänglich Material für das Werk in Salzgitter in einem Umfang von 20 GWh pro Jahr liefern.
Bis Ende des Jahrzehnts soll die jährliche Kapazität der Umicore-Partnerschaft auf bis zu 160 GWh anwachsen. Dies würde nach Angaben der Projektpartner für rund 2,2 Millionen Elektrofahrzeuge ausreichen. Die Zusammenarbeit sieht zudem eine nachhaltige Beschaffung von Rohstoffen vor. Elemente des Recyclings sollen später einbezogen werden.
Herausforderungen und die Rolle der Politik
Trotz dieser Strategie steht Volkswagen vor Herausforderungen. Die Kooperation mit Gotion wird von Umwelt- und Verkehrspolitik-Organisationen wie Transport & Environment (T&E) kritisch bewertet. T&E Deutschland bemängelt, dass bei der Gotion-Partnerschaft bislang kein langfristiger Kompetenztransfer vereinbart sei und Know-how kaum ausgetauscht werde.
Diese Kritik konfrontiert den Anspruch des Konzerns, Schlüsseltechnologien in Europa aufzubauen. Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland, fordert, dass die EU-Kommission sicherstellen muss, „dass nicht nur Kapital, sondern auch Wissen und Technologie in Europa bleiben.“
Volkswagen betont die Bedeutung von Diversifizierung der Batteriezell-Partnerschaften und eigener Produktion, um Abhängigkeiten von einzelnen internationalen Anbietern zu reduzieren und die Lieferketten für Elektrofahrzeuge in Europa zu stärken. Die ursprünglich geplante Anzahl an Gigafactories – sechs bis 2030 – sieht das Unternehmen als flexibel. Ob fünf oder sechs Werke nötig sind, hänge von den Förderstrategien der Länder ab, so Thomas Schmall.
Ausblick auf die europäische Batterie-Zukunft
Die Umsetzung der Batteriestrategie durch Volkswagen und PowerCo ist ein zentraler Baustein für die Elektromobilität in Europa. Die Inbetriebnahme der Gigafactory in Salzgitter und die Fortentwicklung der Joint Ventures mit Gotion und Umicore werden die europäischen Kapazitäten ausweiten. Ob der geplante Technologietransfer gelingt und Europa die angestrebte Souveränität bei der Batteriezellproduktion erreicht, hängt von der Umsetzung der Partnerschaften und den politischen Rahmenbedingungen ab.
Offen bleibt, wie die europäischen Regierungen auf die Kritik am mangelnden Technologietransfer reagieren und welche Anreize zusätzlich geschaffen werden, um eine umfassende Wertschöpfungskette in der Region zu etablieren. Beobachter richten ihren Blick insbesondere auf die Fortschritte bei den Gotion-Joint-Ventures, deren konkrete Umsetzung und Beitrag zum Technologieaufbau in Europa noch genauer zu beurteilen sind.







