Wabi vollzieht Strategiewechsel: Vom App-Builder zur KI-Agenten-Plattform
Das KI-Startup Wabi vollzieht einen strategischen Pivot und wandelt seinen prompt-basierten App-Builder in eine persönliche KI-Agenten-Erfahrung namens Wabi 2.0 um. Die neue Iteration des Angebots ist als Messenger-ähnliche Anwendung konzipiert. Ziel ist es, Konversation und Produktivitätsaufgaben in einer Oberfläche zu vereinen.
Dieser Schritt positioniert Wabi in einem Marktsegment, in dem auch Tech-Riesen wie Meta mit eigenen KI-Agenten agieren.
Wabi 2.0: Ein persönlicher Agent, der Schnittstellen dynamisch erstellt
Gründerin Eugenia Kuyda, bekannt für ihr vorheriges KI-Begleiter-Startup Replika, beschreibt Wabi 2.0 als „einen persönlichen Agenten, der Dinge für dich erledigt und die benötigte Benutzeroberfläche im Moment erstellt“. Diese Vision zielt darauf ab, die Schwächen reiner Chat-Agenten zu adressieren. Kuyda erklärt: „Je mehr du einen reinen Chat-Agenten verwendest, desto schlechter wird die Erfahrung.
Deine Historie und laufende Aufgaben enden in einem endlosen Scrollen.“
Kuyda betont, dass Nutzer nicht nur tippen wollen, sondern auch scrollen und schauen möchten. „Menschen wollen nicht nur tippen, tippen, tippen; sie wollen tippen, tippen, tippen, scrollen und schauen. Sie lieben, was Agenten tun können, aber sie mögen auch Software.“ Nach ihrer Einschätzung „wird der mächtigste Agent derjenige sein, der beides kombiniert.“
Wabi positioniert sich als „die erste persönliche Softwareplattform“, die Nutzer mit kleinen, spezifischen Mini-Apps versorgt, statt eine „Mega-App“ zu sein. Diese Mini-Apps werden als „Funktionsfragmente“ bezeichnet und sollen spezifische Aufgaben für kurze Lebensphasen des Nutzers erfüllen. Die Plattform ermöglicht Anwendern, diese Mini-Apps durch natürliche Sprachbeschreibung zu erstellen.
Das Unternehmen beschreibt das Konzept in Anlehnung an User-Generated Software (UGS) und zieht Parallelen zu User-Generated Content (UGC).
Wabi versteht sich als „persistent layer“ für Gewohnheiten, Präferenzen und den Kontext des Nutzers. Mini-Apps sollen so auf ein gemeinsames „Du“ zugreifen können – jeweils mit Zustimmung des Nutzers. Das Unternehmen hat in einer Pre-Seed-Runde 20 Millionen US-Dollar erhalten, unter anderem von a16z (Andreessen Horowitz), die Wabi als „The first personal software platform“ bezeichnen.
Marktdynamik und Wettbewerbsumfeld
Der Markt für KI-Agenten entwickelt sich rasant. Große Technologieunternehmen wie Meta treiben die Entwicklung eigener KI-Agenten wie „Muse“ und „Instinct“ voran. Auch OpenAI aktualisiert seine ChatGPT-Plugins, die interaktivere Erlebnisse innerhalb der Konversationsschnittstelle ermöglichen. Wabi 2.0 tritt somit in ein Umfeld ein, das von Innovation und zunehmendem Wettbewerb geprägt ist.
Tech-Medien und Investoren beschreiben Wabi teils als „The YouTube of apps“. Tencent News nannte die These von Wabi „the last blue ocean for creators in the next five years“. Aktuell ist Wabi 2.0 nur über Einladungscodes zugänglich, die auf X verteilt werden.
Dieser selektive Start dient dem Unternehmen laut eigenen Angaben dazu, das Produkt iterativ zu entwickeln und frühes Nutzerfeedback zu sammeln, bevor eine breitere Markteinführung erfolgt.
Es besteht ein Namenskonflikt: Wabi (wabi.ai) ist die hier beschriebene Consumer-Plattform. Andere als „Wabi AI Chatbot“ bezeichnete Produkte sind B2B-Tools für Kundensupport und damit getrennt zu sehen. Die genaue Abgrenzung und Definition der „Mini-Apps“ als „Funktionsfragmente“ gegenüber traditionellen Apps oder Plugins ist in den Quellen noch nicht vollständig geklärt.
Dies bleibt ein zentrales Thema der weiteren Produktkommunikation.
Ausblick: Skalierung und Marktetablierung im Fokus
Der Pivot von Wabi hin zu einer persönlichen KI-Agenten-Plattform ist ein Richtungswechsel, der das Unternehmen mit etablierten und aufstrebenden KI-Akteuren in Beziehung setzt. Offene Fragen sind unter anderem, wie Wabi das Invite-only-Modell skaliert, ob das Konzept der „Funktionsfragmente“ bei Nutzern Anklang findet und wie sich Wabi im Markt der KI-Agenten positionieren wird. Die Fähigkeit, Konversation und dynamisch generierte Software-Schnittstellen zu verbinden, ist eines der Merkmale, das über Nutzerakzeptanz und Marktposition mitentscheiden dürfte.
Investoren und Marktbeobachter werden verfolgen, ob und wie Wabi seine Vision einer „persönlichen Softwareplattform“ realisiert.







