Der deutsche Tech-Unternehmer Wanja Oberhof wurde in den USA wegen mutmaßlichen Betrugs festgenommen und anschließend gegen eine Kaution von zwei Millionen US-Dollar freigelassen. Die US-Behörden werfen dem Mitgründer und ehemaligen CEO der insolventen The Social Chain AG vor, einen Investor um 2,5 Millionen US-Dollar betrogen zu haben. Die Investorengelder, bestimmt für sein Startup The Healing Company, soll Oberhof für persönliche Zwecke verwendet und dies durch gefälschte Unterlagen verschleiert haben.
Schwerwiegende Vorwürfe der US-Justiz
Die US-Staatsanwaltschaft erhebt den Vorwurf des Betrugs gegen Oberhof. Er soll einen Investor – dem Vernehmen nach den ehemaligen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld – um 2,5 Millionen US-Dollar betrogen haben. Die Gelder waren dem Investor zufolge für geschäftliche Zwecke innerhalb von Oberhofs Gesundheits- und Wellness-Startup The Healing Company vorgesehen.
Stattdessen soll Oberhof einen Großteil der Summe für private Ausgaben genutzt und erhebliche Beträge auf ein Auslandskonto überwiesen haben.
Die Anklageschrift listet konkrete Beispiele auf: Demnach verwendete Oberhof rund 25.000 US-Dollar der Investitionsmittel, um die Miete für sein Penthouse in Manhattan zu begleichen. Über 57.000 US-Dollar sollen zur Rückzahlung eines privaten Darlehens gedient haben. Den größten Posten bildet eine Überweisung von 1,8 Millionen US-Dollar auf ein von Oberhof kontrolliertes Bankkonto außerhalb der USA, namentlich der WAOW Entrepreneurship GmbH.
Diese Handlungen soll Oberhof durch die Fälschung von Unterlagen verschleiert haben. Die mutmaßlichen Verfehlungen erstrecken sich demnach über den Zeitraum 2022 bis 2026.
Festnahme am Flughafen und strenge Auflagen
Wanja Oberhof wurde vergangene Woche am Flughafen Newark im US-Bundesstaat New Jersey festgenommen, als er mit seiner Frau nach Deutschland zurückreisen wollte. Ihm drohen bei einer Verurteilung wegen elektronischen Betrugs („Wire Fraud“) bis zu 20 Jahre Haft. Nach seiner Vorführung vor Bundesrichterin Ona T.
Wang in New York stimmte ein Gericht seiner Freilassung gegen eine Kaution von zwei Millionen US-Dollar zu.
Als Bürgen traten Oberhofs Schwiegervater, der Berliner Anwalt Hans-Georg Oelmann, sowie ein weiterer Berliner Unternehmer auf. Die ursprünglich angesetzte Barkaution von 100.000 US-Dollar erhöhte sich auf eine Million US-Dollar, weil beide Bürgen aus Deutschland stammen. Nach seiner Freilassung am Montag, dem 21.
September 2026, gelten für Oberhof Auflagen: Hausarrest, eine GPS-Überwachung, die Abgabe seines Reisepasses und eine räumliche Beschränkung auf New York City, Long Island und angrenzende Counties.
Der Fall Wanja Oberhof und The Healing Company
Oberhof, bekannt als Mitgründer und ehemaliger CEO der inzwischen insolventen The Social Chain AG, war an der Gründung von The Healing Company beteiligt. Dieses Startup sollte Anteile an Gesundheits- und Wellnessunternehmen erwerben und ging im Oktober beziehungsweise November 2021 Zeichnungsverträge mit Seed-Investoren über insgesamt zehn Millionen US-Dollar ein.
Die Aktien von The Healing Company wurden unter dem Ticker HLCO an den OTC Markets gehandelt. Der Quartalsbericht vom September 2023 äußerte „erhebliche Zweifel“ an der weiteren Existenz des Unternehmens. Im Januar 2022 wurde Oberhofs Frau, Bella Oelmann, in den Vorstand von The Healing Company berufen.
Im März 2022 erwarb The Healing Company eine deutsche Firma, die Oelmann gehörte, für 25.000 Euro.
Im August 2022 schloss The Healing Company eine Kreditfazilität über bis zu 75 Millionen US-Dollar mit einer Investmentfirma ab. Über diese Fazilität wurden unter anderem ein Superfood-Unternehmen für drei Millionen US-Dollar und weitere Vermögenswerte einer Wellnessfirma für rund 1,582 Millionen US-Dollar erworben. Im August 2024 reichte ein weiterer Kreditgeber von The Healing Company eine Zivilklage wegen zivilrechtlichem Betrug und Verletzung der Kreditverpflichtungen ein.
Zitate und Reaktionen
Jamie McDonald, US-Staatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York, kommentierte den Fall: „Investoren haben ein Anrecht darauf zu erfahren, dass ihr Geld für die ihnen zugesagten Zwecke verwendet und nicht für die persönlichen Ausgaben eines Managers abgezweigt wird.“ James C. Barnacle Jr., Leiter des New Yorker FBI-Büros, ergänzte: „Das FBI und seine Partner werden weiter gegen mutmaßlich betrügerisch handelnde Personen ermitteln, um die Fortsetzung solcher Machenschaften zu verhindern.“
Ein Sprecher von Klaus Kleinfeld gab zu Protokoll: „Bei solchen Sachen hört für meinen Klienten der Spaß auf.“ Die weiteren gerichtlichen Schritte in den USA bleiben abzuwarten, ebenso mögliche Reaktionen weiterer Investoren auf die öffentlich gewordenen Vorwürfe.







