Fed-Chef Warsh setzt Preisstabilität an erste Stelle
Der neue Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Kevin Warsh, signalisiert Handlungsbedarf im Kampf gegen die Inflation. Auf dem jährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole positionierte sich Warsh klar für Preisstabilität. Das könnte die Politik von US-Präsident Donald Trump, der Warsh berief, infrage stellen.
Parallel dazu lenken Rekordergebnisse des Chipherstellers Nvidia und eine optimistische Prognose für das KI-Geschäft die Aufmerksamkeit der Märkte.
Warshs Kurs: Kampf gegen die Inflation
Kevin Warsh, im Mai 2026 von US-Präsident Donald Trump an die Spitze der Fed berufen, hielt seine mit Spannung erwartete erste Grundsatzrede als Fed-Chef in Jackson Hole am 28. August 2026. „Die Stabilität der Preise bleibt das wichtigste Ziel der US-Notenbank Fed“, erklärte er.
Zudem stellte er klar, dass die Fed aktiv handeln müsse, sollte die hohe Inflation nicht zügig auf das Ziel von zwei Prozent zurückgehen.
Der PCE-Index für Juli 2026 weist eine Inflationsrate von 3,7 Prozent aus. Andere Angaben nennen für Juli 2026 eine Rate von 3,4 Prozent. Die Inflation liegt damit seit mehr als fünf Jahren oder rund 65 Monaten über dem Zielwert der Fed.
Warshs Äußerungen stehen im Kontrast zu den Erwartungen und Positionen Trumps, der Warsh berufen hatte und zuvor niedrigere Zinsen favorisierte. Warsh erklärte: „Wir müssen zuversichtlich sein, dass sich die zugrunde liegende Inflation klar und mit ausreichender Geschwindigkeit auf unser Ziel zubewegt. Andernfalls haben wir noch Arbeit vor uns.“
Weiterhin betonte er: „Das Inflationsziel von zwei Prozent ist ein fester, unverrückbarer Wert.“
Märkte reagieren auf hawkische Töne
Die Finanzmärkte reagierten auf Warshs Rede. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September stieg laut einer Quelle von 35 Prozent auf rund 60 Prozent. Andere Quellen nennen nach der Rede Wahrscheinlichkeiten von etwa 47 bis 48 Prozent. Vor Warshs Rede lag die Wahrscheinlichkeit bei rund einem Drittel.
George Curtis, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management, kommentierte: „Mit seiner Rede hat er sich in eine Lage manövriert, in der ein Verzicht auf eine Zinserhöhung im September, sofern sich die Datenlage nicht wesentlich verbessert, zu einem großen Glaubwürdigkeitsverlust führen könnte.“
Kurzfristig zeigten sich Marktbewegungen: Der Goldpreis verlor über drei Prozent und fiel unter die Marke von 4.500 US-Dollar. Bitcoin gab ebenfalls deutlich nach. Der US-Dollar wertete auf; ein Euro kostete anschließend knapp 1,158 US-Dollar, nach fast 1,17 US-Dollar zuvor. Gleichzeitig erreichten Dax und ATX Rekordhochs; der Dax markierte ein neues Allzeithoch bei 26.615 Punkten.
Notenbank-Autonomie in der Diskussion
Warshs klarer Kurs zur Inflationsbekämpfung könnte eine direkte Konfrontation mit der US-Regierung unter Trump bedeuten. Auch Warshs Vorgänger Jay Powell war von Trump kritisch kommentiert worden. Finanzminister Scott Bessent geriet zudem in die Schlagzeilen, weil er in die Autonomie der Notenbank eingriff und langlaufende Staatsanleihen aufkaufte.
In seiner Jackson-Hole-Rede äußerte sich Warsh nicht zu Bessents Maßnahmen. Zuvor hatte Warsh angekündigt, die 1951 getroffene Vereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen Finanzdepartement und Fed überarbeiten zu wollen. Dieses Ausbleiben eines Kommentars bewerteten einige Analysten als Brüskierung Warshs durch Bessent.
Warsh stellte außerdem klar, dass er sich von der Praxis der „Forward Guidance“ abgrenzen will, mit der seine Vorgänger den Märkten Orientierungshilfen zum Zinskurs gaben. Er äußerte: „Je stiller eine Notenbank, desto besser.“ Er plädierte dafür, dass sich Anleger stärker an Fundamentaldaten und weniger an Notenbanker-Äußerungen orientieren sollten.
Die Praxis der „Forward Guidance“ habe ihre Zeit überlebt.
Nvidia und die KI-Wirtschaft als weiterer Markttreiber
Parallel zu den geldpolitischen Entwicklungen lenkte Nvidia die Aufmerksamkeit auf den Technologiesektor. Das Unternehmen meldete Rekordergebnisse für das zweite Quartal 2026 und prognostizierte ein Umsatzwachstum von 70 Prozent. Die Entwicklung des KI-Sektors gilt in der Berichterstattung als wichtiger Faktor für die Märkte und die künftige Wirtschaftsentwicklung.
Warsh erkannte das Potenzial der Künstlichen Intelligenz an, warnte jedoch zugleich, dass KI kurzfristig inflationäre Effekte durch steigende Nachfrage nach Ressourcen auslösen könnte. Langfristig könnten Produktivitätsgewinne infolge von KI den Preisdruck senken, so seine Einschätzung.
Ausblick: Glaubwürdigkeitsprobe für Warsh
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie Kevin Warsh seine Ankündigungen umsetzt. Die Finanzmärkte richten ihren Blick auf die nächste Fed-Sitzung, bei der über den Leitzins entschieden wird. Ein Ausbleiben von Taten, die zu seiner Rhetorik passen, könnte laut Kritikern zu einem Glaubwürdigkeitsverlust führen.
Dies gilt umso mehr, als bereits Diskussionen darüber bestehen, warum trotz anhaltend hoher Inflation bislang keine Zinsanhebungen erfolgt sind.
Analysten beobachten zudem das Verhältnis zwischen Warsh und Finanzminister Scott Bessent, insbesondere in Fragen der Autonomie der Fed. Die Reaktion der Inflation auf Warshs Worte und die Entwicklung rund um Nvidia werden die Marktstimmung in den nächsten Monaten beeinflussen.







