Die Google-Tochter Waymo plant, Ende 2027 einen regulären fahrerlosen Fahrdienst in München zu starten. Dies wäre die erste Stadt innerhalb der Europäischen Union, in der der Robotaxi-Service kommerziell und ohne Sicherheitsfahrer agiert. Waymo startet in einem Land, das 2021 eine gesetzliche Grundlage für Level‑4-Autonomie geschaffen hat.

Erste Fahrzeuge sollen in den kommenden Wochen auf Münchens Straßen unterwegs sein. Sie werden zunächst manuell gesteuert, um das lokale Straßennetz zu kartieren und das autonome System „Waymo Driver“ an die spezifischen Verkehrsbedingungen anzupassen. Waymo bezeichnet München als einen Top‑Standort für Mobilität und Technologie.

Deutschland als Vorreiter für autonomes Fahren

Deutschland hat bereits 2021 als erstes EU-Land die gesetzliche Grundlage für den Regelbetrieb fahrerloser Fahrzeuge auf Level 4 geschaffen. Diese regulatorische Klarheit gilt als ein Faktor, der internationale Anbieter anzieht. Waymo arbeitet nach eigenen Angaben mit dem Kraftfahrt‑Bundesamt (KBA) sowie mit Landes‑ und Kommunalbehörden zusammen, um die notwendigen Zulassungen für den kommerziellen Betrieb zu erhalten.

Parlamentarischer Staatssekretär Christian Hirte wertet die Ankündigung als Beleg dafür, dass reguläre autonome Mobilitätsdienste in Deutschland im Regelbetrieb möglich sind. Er bezeichnet autonomes Fahren als Schlüssel zur Mobilität der Zukunft. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sagte, die ersten Testfahrzeuge würden in den kommenden Wochen zunehmend im Münchner Stadtbild sichtbar sein.

Waymo verweist auf seine Erfahrungen aus den USA: Das Unternehmen gibt an, dort mehr als 350 Millionen Kilometer ohne menschliche Steuerung zurückgelegt und über 20 Millionen bezahlte Fahrten durchgeführt zu haben. Aktuell ist Waymo in elf US‑Metropolregionen aktiv und verzeichnet nach Unternehmensangaben mehr als 500.000 kommerzielle Fahrten pro Woche. Ziel ist eine Steigerung auf eine Million Fahrten pro Woche bis Jahresende.

Waymo selbst weist zudem auf eine bessere Sicherheitsbilanz seiner Fahrzeuge hin. Unternehmenseigene Auswertungen zeigen beispielsweise 16-mal weniger schwere Unfallverletzungen, 14-mal weniger Unfälle mit Fußgängerverletzungen und sechsmal weniger mit Radfahrer‑Verletzungen. Diese Zahlen stammen von Waymo; eine unabhängige deutsche Bewertung steht noch aus.

Strategische Expansion und lokale Infrastruktur

Waymo registrierte im Juni 2026 die „Waymo Germany GmbH“ in München. Berichte deuten an, dass die geplante globale Expansion durch eine Finanzierungsrunde von 16 Milliarden US-Dollar im Februar unterstützt wurde. Diese Runde bewertete Waymo mit 126 Milliarden US-Dollar.

München wäre nach London und Tokio der dritte internationale Markt und der erste Markt innerhalb der Europäischen Union für Waymo.

Tekedra Mawakana, Co‑CEO von Waymo, unterstreicht die Relevanz des Standorts: „München zählt weltweit zu den absoluten Top‑Standorten für Mobilität und Technologie. Dass wir nun Teil dieser Stadt werden, ist ein bedeutender Schritt beim Ausbau unserer weltweiten Präsenz.“ Für die Kartierungsfahrten in München plant Waymo den Einsatz von Elektroautos auf Basis des Jaguar I‑Pace, ausgestattet mit der fünften Generation der Waymo‑Technik.

Für den späteren kommerziellen Rollout ist der „Gen6 Driver“ vorgesehen, der in Elektromodellen wie dem Hyundai Ioniq 5 und dem Zeekr RT zum Einsatz kommen soll. Das Unternehmen plant zudem Investitionen in einen lokalen Flottenbetrieb und die Schaffung hoch qualifizierter Arbeitsplätze.

Dr. Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, verwies auf die Standortstärke Bayerns mit Automobilherstellern, Zulieferern und einer KI‑Landschaft. Er kündigte an, regulatorische Hürden abbauen und die Rahmenbedingungen verbessern zu wollen.

Waymo sagt, der Dienst solle den bestehenden Nah‑, Rad‑ und Fußverkehr ergänzen und zu einer integrierten Mobilität beitragen.

Wettbewerb und offene Fragen im Münchner Markt

Waymo tritt in München nicht in ein Vakuum. Andere Akteure haben Programme angekündigt oder führen Tests durch. Uber plant ein gemeinsames Robotaxi‑Programm mit dem israelischen KI‑Unternehmen Autobrains in München.

Mobileye und Volkswagen sind in Deutschland mit Level‑3‑Zulassungen oder Testgenehmigungen aktiv. Der chinesische Anbieter Baidu beabsichtigt, sein autonomes Fahrzeug RT6 im Laufe des Jahres 2026 über die Lyft‑App einzuführen, und konkurriert in London um Marktanteile. Diese Aktivitäten positionieren Deutschland als Hotspot für autonomes Fahrzeugtesting.

Trotz Waymos Ankündigung für Ende 2027 müssen Genehmigungen durch das KBA und lokale Behörden noch erfolgen. Waymo besitzt nach den vorliegenden Angaben noch keine Testgenehmigung in Deutschland. Die vom Unternehmen präsentierten Sicherheitsdaten beruhen auf unternehmenseigenen Auswertungen; eine unabhängige deutsche Prüfung steht aus.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zeitpläne der Wettbewerber entwickeln und welche Definition von „regulärem fahrerlosen Fahrdienst“ sich am Markt durchsetzt. Die Formulierung „planned for 2027“ wird in der Berichterstattung als potenziell flexibel eingeschätzt.