Web3 im Profisport: Praktischer Nutzen löst Spekulationswelle ab

Nach einer Ära des Hypes und der Spekulation um Kryptowährungen und NFTs verlagert sich der Fokus von Web3-Projekten im Profisport auf praktische Implementierungen. Ziel ist es, kommerzielle Vorteile zu schaffen und reale Geschäftsprobleme zu lösen. Sportorganisationen suchen Wege, Web3-Technologien gezielt einzusetzen, um die Fanbindung zu vertiefen und neue Einnahmequellen zu erschließen.

Die Sportbranche steht unter dem Druck, direktere Interaktionskanäle mit ihrer Zielgruppe aufzubauen. Web3-Technologien bieten hierfür neue Möglichkeiten, indem sie digitale Token als Werkzeuge zur direkten Interaktion mit Fans nutzen, anstatt diese ausschließlich als Finanzanlagen zu vermarkten. Experten wie Kal Suurkask, CEO von Neobridge, betonen die Notwendigkeit, relevante Technologien zu identifizieren und schnell in praktische Lösungen zu überführen, um kommerzielle Vorteile zu erzielen.

Konsolidierung nach dem Krypto-Boom

Der Anstieg der Web3-Sponsorings im Fußball zeigt das wachsende Engagement der Branche. In den Top vier europäischen Fußballligen stieg das Sponsoring-Volumen von 1,25 Millionen Euro in der Saison 2018/19 auf 169,8 Millionen Euro. Diese Summe verteilte sich in der Saison 2022/23 auf 27 Vereine. Dieser Aufschwung fiel mit dem Krypto-Währungs-Bullrun der Jahre 2020 bis 2022 zusammen.

Der Zusammenbruch großer Kryptowährungen wie Luna und Terra im Mai 2022 markierte einen Wendepunkt. Auch die Insolvenz von FTX, einem früher prominenten Sponsor im Sportbereich, zeigte die Risiken einer starken Abhängigkeit von volatilen Krypto-Märkten. Inter Mailand ließ sein Trikot-Sponsoring offen, nachdem Zahlungen des Blockchain-Protokolls Digitalbits ausblieben.

Lehren aus dem NFT-Markt

Frühe NFT-Projekte im Sport zeigten die Probleme spekulativer Ausrichtungen. Die NFT-Kollektion „LFC Heroes Club“ des Liverpool FC verkaufte weniger als sechs Prozent ihres Bestands. Die Volatilität von Fan-Token während der FIFA-Weltmeisterschaft 2022 illustrierte Risiken für Fans: Der ARG-Fan-Token des argentinischen Verbands verlor innerhalb von zwei Stunden nach der Niederlage gegen Saudi-Arabien ein Drittel seines Wertes.

Der Floor Price einer NFT-Kollektion namens „The Saudis“ stieg dagegen um 52,6 Prozent.

Teodora Ivanova, VP of Football bei Dapper Labs, kommentiert diese Entwicklung. Sie sieht NFTs nicht als eigenständigen Markt oder Industrie, sondern als grundlegende Technologie. Diese Technologie besitze das Potenzial, die Art und Weise zu transformieren, wie Fans mit ihren Leidenschaften interagieren und wie Sport-IP kommerziellen Wert online generiert.

Potenziale jenseits der Spekulation

Erfolgreiche Web3-Anwendungen im Sport nutzen digitale Token als Technologie zur direkten Interaktion mit Fans. Beim Manchester-United-NFT-Drop wurden innerhalb von vier Tagen über 750.000 kostenlose NFTs beansprucht. Alle 7.777 der kostenpflichtigen „Red Devil“-NFTs waren innerhalb von Tagen ausverkauft. Der offizielle Discord-Kanal des Vereins zählte im Mai 2023 fast 100.000 Mitglieder.

NBA Top Shot, die Plattform für Basketball-Highlights, verzeichnete nach einem Höchststand von 184.000 Käufern im März 2021 einen Rückgang auf rund 10.000 verschiedene Käufer pro Monat. Diese Zahl liegt seit sechs Monaten relativ stabil. Sorare, ein französisches Einhorn-Unternehmen, bietet Fantasy-Sportspiele auf NFT-Basis an und verfügt über Lizenzabkommen mit über 200 europäischen Fußballvereinen sowie Partnerschaften mit der NBA und der MLB.

Neue Wege der Fan-Interaktion und Wertschöpfung

Die von Michael Jordan 2021 angekündigte Plattform Heir beschreibt sich als Blockchain-basierte soziale Plattform. Sie soll Mitgliedern exklusiven Zugang zu Athleten-generierten Inhalten und Merchandise bieten. Im Sportkartenmarkt nutzt Arena Club Web3-Technologien zur Authentifizierung, Eigentumsübertragung und für Sekundärmarkttransaktionen.

Die Entwicklung geht in Richtung immersiver Erlebnisse und direkter Beteiligung.

Das Schweizer Frauen-Nationalteam startete im Juli 2023 eine NFT-Kunstkollektion mit 756 Spielerinnen-NFTs, deren Preise von 150 Schweizer Franken bis 10.000 Schweizer Franken reichten. Die NFL arbeitet mit Strivr an der Entwicklung virtueller Trainingseinheiten. Orange realisierte in Zusammenarbeit mit Novelab und Fisheye Agency immersive Erlebnisse im Orange Vélodrome.

Die Schweizer Uhrenmarke Hublot launchte das „Hublot Loves Football Metaverse Stadium“.

Fans als zentrale Akteure

Jean-Charles Gaudechon, CEO von OneFootball Labs, betont die zentrale Rolle des Fans im Fußballökosystem. Wenn Fans durch Web3 echten Nutzen erfahren, kann die Technologie eine wichtige Rolle spielen. Sie bringt die verschiedenen Akteure im Fußball viel näher zusammen.

Web3-Technologien ermöglichen die Schaffung neuer digitaler Ökosysteme, die Fans direkter in das Geschehen einbinden und ihnen über rein passive Konsumangebote hinausgehende Interaktionsmöglichkeiten bieten.

Ausblick: Strategische Integration statt Hype-Investition

Die Herausforderung für Sportorganisationen besteht darin, geeignete Web3-Lösungen zu identifizieren und sie nicht als isolierte Projekte, sondern als Teil der digitalen Strategie umzusetzen. Die unklare Regulierungslandschaft für digitale Assets birgt finanzielle Risiken für Fans und erfordert eine umsichtige Vorgehensweise der Clubs. Die Umsetzung vieler früherer Web3-Projekte scheiterte laut Branchenbeobachtern an fehlender strategischer Ausrichtung und der Vernachlässigung der Fan-Perspektive.

Langfristig wird sich der Erfolg von Web3 im Profisport daran messen lassen, inwieweit echter Mehrwert für Fans geschaffen und stabile, nachhaltige Einnahmequellen generiert werden. Diese sollen weniger anfällig für die Volatilität der Krypto-Märkte sein. Die globale Sportindustrie wächst jährlich um 8,1 Prozent und soll bis 2024 voraussichtlich 253,465 Milliarden US-Dollar erreichen.

In diesem Markt bieten gezielte Web3-Anwendungen das Potenzial, Wachstum zu unterstützen, sofern die Integration strategisch und nutzerorientiert erfolgt.