Die Verlagerung erheblicher Bitcoin-Beträge aus seit Langem ruhenden Wallets, die nordkoreanischen Cyberkriminellen zugeschrieben werden, rückt die Notwendigkeit robuster Sicherheitsprotokolle im Web3-Sektor erneut in den Fokus. Jüngste Transaktionen im Wert von insgesamt 19,4 Millionen US-Dollar in Bitcoin (BTC) aus solchen schlafenden Wallets haben Besorgnis ausgelöst. Darunter befanden sich zehn BTC, die aus einem Wallet bewegt wurden, das seit 2011 inaktiv war.

Diese Vorfälle unterstreichen die Notwendigkeit strenger Compliance- und Sicherheitsmaßnahmen bei Krypto-Börsen und anderen Web3-Akteuren.

Schwachstellen im Web3-Ökosystem

Web3-Technologie basiert auf dezentralen Datenbanken, die Änderungen über Mehrheitskonsens regeln und Daten unveränderlich speichern. Dies kann in vielen Fällen höhere Sicherheit als Web2 bieten. Zugleich ergeben sich spezifische Risiken, etwa durch die Interaktion von Web3- und Web2-Architekturen sowie die Schwierigkeit, Schwachstellen in konsensbasierten Netzwerken zu beheben.

Im dritten Quartal 2024 beliefen sich die Gesamtverluste durch Hacks, Phishing-Betrug und Rug Pulls auf 730 Millionen US-Dollar. Fast 42 Prozent dieser Summe – rund 305 Millionen US-Dollar – resultierten aus der Kompromittierung privater Schlüssel. Dies war damit die verlustreichste Angriffsart nach Summe.

Phishing-Betrug verursachte in diesem Quartal Verluste von 295 Millionen US-Dollar; Social-Engineering-Angriffe waren mit 238 Millionen US-Dollar ebenfalls eine relevante Ursache.

Weitere Schwachstellen betrafen Vertragsschwachstellen, Reentrancy-Angriffe und Business-Logik-Fehler. Im dritten Quartal 2024 betrafen die größten Verluste zentralisierte Börsen (CEX). Vier Angriffe verursachten hier Verluste von 297 Millionen US-Dollar.

Nutzer-Wallets erlitten durch acht Phishing- und Social-Engineering-Angriffe Schäden von 295 Millionen US-Dollar. Nach Blockchains waren Ethereum mit 348 Millionen US-Dollar Verlusten aus 21 Angriffen und die Bitcoin-Blockchain mit 238 Millionen US-Dollar, unter anderem durch einen Social-Engineering-Angriff auf eine Wal-Adresse, am stärksten betroffen.

Diese Zahlen stammen aus dem „2024 Q3 Global Web3 Security Report“ von Beosin und Footprint Analytics. Sie zeigen die Bandbreite der Angriffsvektoren im dezentralen Ökosystem auf.

Regulierungsdruck und institutionelle Anforderungen

Parallel zu den Sicherheitsvorfällen verstärkt sich der Regulierungsdruck auf den Krypto-Sektor. Das US-Finanzamt (IRS) intensiviert Ermittlungen im Krypto-Bereich, auch im Web3 und Metaverse. Jim Lee, Leiter der Steuerfahndung des IRS, erklärte, dass die Behörde den Kriminellen ins Darkweb gefolgt sei und dies nun auch im Metaverse tue.

Die zunehmende Präsenz institutioneller Akteure wie JPMorgan oder Citi unterstreicht die Relevanz von Compliance-Standards. JPMorgan hat den JPMD (JPMorgan Deposit Token) auf der öffentlichen Base-Blockchain eingeführt. Das Token ist als genehmigter Einlagentoken konzipiert.

Viele Banken nutzen Blockchain-Infrastrukturen bevorzugt in genehmigten (permissioned) Umgebungen statt in offenen Systemen. Gründe sind vorrangig Datenschutz und regulatorische Vorgaben.

Robinhood Europe erhielt im Mai 2025 die erste MiCA-Autorisierung in Litauen. Das Auslaufen alter Krypto-Registrierungen in Litauen zum 1. Januar 2026 stellt Anbieter vor die Aufgabe, MiCA-Konformität herzustellen.

Innovationen und Gegenmaßnahmen

Unternehmen und Startups im Web3 entwickeln verstärkt Sicherheitsprotokolle und Compliance-Lösungen. Ein Beispiel ist Coinbase X402, ein offener Standard für sichere, wallet-bewusste KI-Agenten, die große Sprachmodelle (LLMs) mit Blockchain-basierter Identität oder Zahlungen integrieren. Solche Ansätze zielen darauf ab, die Schnittstelle zwischen Künstlicher Intelligenz und Krypto abzusichern und Missbrauch vorzubeugen.

Auch Offshore-Regulierer reagieren. Die Anjouan Offshore Financial Authority (AOFA) in Moroni, Komoren, die Lizenzen für Krypto-Casinos vergibt, schreibt strenge AML/KYC-Anforderungen für internationale Spieler vor. Das verweist darauf, dass digitale Compliance auch in bestimmten Offshore-Jurisdiktionen eine Rolle spielt.

Ausblick auf die weitere Entwicklung

Die Bekämpfung von Kriminalität und Geldwäsche im Web3 bleibt eine zentrale Aufgabe für Regulierungsbehörden, Krypto-Börsen und Technologieentwickler. Im dritten Quartal 2024 verblieben rund 78,9 Prozent der gestohlenen Gelder in den Adressen der Angreifer; 16,9 Millionen US-Dollar konnten im selben Zeitraum eingefroren oder wiederhergestellt werden.

Analysten erwarten, dass der Druck auf Web3-Unternehmen, umfassende Compliance-Rahmenwerke zu implementieren, weiter zunimmt. Bei der Einführung neuer DeFi-Produkte oder der Integration von Web3-Technologien in traditionelle Finanzsysteme werden Regulierungsbehörden verstärkt auf KYC und AML achten. Die Entwicklung von On-Chain-Analyse-Tools sowie die Zusammenarbeit zwischen privaten Sicherheitsfirmen und staatlichen Ermittlungsbehörden werden dabei eine Rolle spielen.

Die Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen an die Geschwindigkeit technologischer Innovation bleibt eine politische Herausforderung.