Wero, die europäische PayPal-Alternative, ringt zwei Jahre nach ihrem Start mit geringer Bekanntheit und zögerlicher Händlerakzeptanz. Das Gemeinschaftsprojekt der European Payments Initiative (EPI), getragen von führenden europäischen Banken, erreicht die erhoffte Nutzerbasis bisher nicht. Während erste Handelspartner den Dienst integrieren, zeigen sich viele Unternehmen abwartend und bremsen damit die ambitionierten Ziele.

Die EPI wird von 16 europäischen Banken und Zahlungsdienstleistern getragen und zählt mehr als 50 Institute. Zu den beteiligten Instituten gehören Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, die Deutsche Bank, Commerzbank, BNP Paribas und ING. Wero entstand als Antwort auf die Dominanz US-amerikanischer Zahlungsdienstleister wie PayPal, Visa und Mastercard.

Das Ziel ist, Geldtransfers und Einkäufe direkt über das Girokonto zu ermöglichen und die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsnetzwerken zu verringern. Wero basiert auf SEPA-Echtzeitüberweisungen (SCT Inst) und ermöglicht Konto-zu-Konto-Transaktionen binnen weniger Sekunden, rund um die Uhr.

Nutzer verwenden Wero über die Banking-App ihrer teilnehmenden Bank oder eine separate Wero-App. Für Privatnutzer fallen keine Gebühren an. Ein angeführter Vorteil ist der höhere Datenschutz, da die Datenverarbeitung nach Angaben der Anbieter gemäß europäischem Datenschutzrecht erfolgt.

Geringe Bekanntheit und Nutzung in Deutschland

Trotz des Ziels, eine europäische Alternative zu etablieren, bleibt Wero in Deutschland weithin unbekannt. Umfragen von Verivox und Innofact zeigen, dass rund 60 Prozent der Bundesbürger zwei Jahre nach dem offiziellen Marktstart noch nie von Wero gehört haben. Knapp 23 Prozent kannten den Begriff, konnten ihn aber nicht zuordnen.

Nur 39 Prozent der Befragten konnten Wero im Juli korrekt als Zahlungsdienst identifizieren. Die Bekanntheit stieg im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozentpunkte.

Die Nutzerzahlen spiegeln dieses Bild wider: Lediglich rund sieben Prozent der Befragten haben Wero für Online-Käufe oder Überweisungen genutzt. Knapp 65 Prozent der Personen, die Wero kennen, haben den Dienst noch nie ausprobiert.

Diese Zahlen stehen im Gegensatz zu den von der EPI angegebenen 57 Millionen registrierten Wero-Nutzern in Belgien, Frankreich und Deutschland, davon neun Millionen in Deutschland. Zum Vergleich: PayPal gibt für Deutschland 35 Millionen aktive Kundenkonten an. PayPal benötigte nach Berichterstattung rund zwölf Jahre, um 16 Millionen Nutzerkonten aufzubauen.

Für die Migration der Nutzer nationaler Dienste plant Wero, bis 2027 mindestens 15 Millionen Verbraucher aus den Niederlanden (iDEAL) und Luxemburg (Payconiq) zu übernehmen.

Zögerliche Händlerakzeptanz als Kernproblem

Ein entscheidender Faktor für die geringe Verbreitung ist die zögerliche Akzeptanz im Handel. Das Forschungsinstitut EHI in Köln stellt fest, dass deutsche Händler bei Wero überwiegend abwartend agieren. Drei von vier Händlern beobachten die Entwicklung zunächst; eine konkrete Einführung ist demnach oft nicht geplant.

Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, betont, der Zahlungsdienst biete erst dann einen echten Mehrwert, wenn Verbraucher ganz selbstverständlich nahezu überall und möglichst sowohl online als auch offline an der Ladenkasse mit Wero bezahlen können.

Gleichzeitig gibt es erste Integrationen: Der dm-Onlineshop führte Wero am 4. September 2026 als Bezahloption ein. Weitere Händler wie Lidl und Eventim akzeptieren Wero in ihren Online-Shops; auch Decathlon und Amazon werden in Berichten als Akzeptanzstellen genannt.

In Frankreich bietet Orange die Marke Sosh Wero für Rechnungszahlungen an. Martina Weimert, CEO von EPI, und Thomas Spreitzer, CEO Nexi DACH, bewerten die Einführung bei dm als wichtiges Signal für die Etablierung einer europäischen Bezahllösung.

Diese Integrationen reichen nach Angaben der Branchenbeobachter bislang nicht aus, um eine breite Akzeptanz sicherzustellen. Rewe lehnte die Nutzung von Wero mit der Begründung ab, es gebe zu wenige Nutzer.

Finanzierung und Zukunftsperspektiven

Die Entwicklung von Wero ist mit erheblichen Investitionen verbunden. Ein Kommentar beziffert die in den Dienst geflossenen Mittel auf fast 700 Millionen Euro. Vor dem Hintergrund der bisherigen Akzeptanz ergibt sich daraus die Frage nach dem Return on Investment.

Wero plant eine Ausweitung des Angebots: Zahlungen im stationären Handel sollen 2026 angeboten werden, dm strebt eine Einführung am Point of Sale bis 2027 an. Weitere Services wie die Integration von Händler-Loyalitätsprogrammen sowie Funktionen für wiederkehrende Zahlungen und Abonnementverwaltung sind vorgesehen. Österreich soll im Laufe des Jahres 2027 hinzukommen.

In Luxemburg und den Niederlanden ersetzt Wero schrittweise die nationalen Bezahldienste Payconiq und iDEAL.

Analysten und Beobachter sind bezüglich des langfristigen Erfolgs geteilt. Fast 58 Prozent der Befragten zweifeln daran, dass es gelingen wird, Wero zum beliebtesten Bezahldienst Europas auszubauen. Nur in der Altersgruppe der 18 bis 29-Jährigen glaubt eine Mehrheit an einen langfristigen Erfolg gegenüber etablierten Anbietern.

Für Verbraucherschützer wie Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern liegt der größte Vorteil von Wero im höheren Datenschutz. Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern fasst die Händlerperspektive zusammen: Der Kunde stimmt mit den Füßen ab.

Die Herausforderung für Wero bleibt, über die Unterstützung der Banken und die anfängliche Integration bei einigen Händlern hinaus eine kritische Masse an Nutzern und Akzeptanzstellen zu gewinnen. Ohne eine deutliche Steigerung der Bekanntheit und der Nutzung im Handel dürfte es schwer werden, etablierte Wettbewerber substanziell herauszufordern.