Ein Schweizer ETH-Spin-off namens Winduction entwickelt ein kabelloses Ladesystem für Elektrobusse, das die Energieübertragung über die Räder realisiert. Die Technologie soll die Betriebskosten von Busflotten signifikant senken, indem sie kleinere Batterien und das Laden während des Betriebs ermöglicht. Ein Pilotprojekt mit Fahrgästen ist für 2028 geplant.
Das neue Ladesystem des ETH-Spin-offs Winduction lädt Busse während der Fahrt an Haltestellen über die Räder. Dabei verlegten die Entwickler den Stromempfänger vom Fahrzeugboden in das Rad. Diese Verlagerung integriert die Energieübertragung in die rotierenden Teile des Fahrzeugs.
Das junge Unternehmen erhielt 1,15 Millionen Schweizer Franken an Pre-Seed-Finanzierung. Ein erster Pilotbetrieb auf einer öffentlichen Buslinie ist für 2028 vorgesehen.
Induktives Laden im Rad: Effizienz und Konstruktion
Winduction, dessen Name für „Wheel-based Induction“ steht, adressiert eine zentrale Herausforderung der Elektromobilität: die effiziente Energieübertragung. Die Gründer Sonam Bhuka und Sylvain Fricker sowie CEO Laurin Schwitter verlegten die Ladespule vom Fahrzeugboden in das Rad. Sylvain Fricker, verantwortlich für die technologische Entwicklung, erklärt: „Das Einzige, was bei jedem Fahrzeug immer Kontakt mit dem Boden hat, ist das Rad.“
Diese Anordnung verkürzt die Übertragungsdistanz zwischen der im Straßenbelag eingelassenen Ladeplatte und dem Fahrzeug. Das System erreicht nach Angaben von Winduction eine Effizienz von über 90 Prozent für die Energieübertragung von der Bodenplatte in das Fahrzeug. Weniger als zehn Prozent des eingespeisten Stroms gehen demnach verloren.
Diese Angabe bezieht sich auf die Übertragung zwischen Straße und Fahrzeug, nicht auf die gesamte Kette vom Stromnetz bis zur geladenen Batterie. Winduction arbeitet zudem mit Partnern an der Entwicklung eines stahlfreien Reifens, der für die Integration der Ladespulen optimiert ist.
Wirtschaftliche Vorteile und Netzstabilität
Die Kernidee hinter Winduction ist eine Kostensenkung im Betrieb von Buslinien. Laurin Schwitter, CEO von Winduction, argumentiert: „Wir glauben, dass Elektrobusse viel billiger betrieben werden können, wenn man sie ohne Kabel und regelmäßig während der Fahrt auflädt.“ Schwitter betont, dass die Technologie auch bei kurzen Haltestopps wirksam sein soll.
Busse könnten dadurch mit kleineren Batterien auskommen.
Kleinere Batterien bedeuten nach den Argumenten des Startups geringeres Gewicht, weniger Verschleiß und mehr Platz für Passagiere. Eine Machbarkeitsstudie in Zusammenarbeit mit Verkehrsunternehmen soll die genauen Einsparungen quantifizieren. Erste Berechnungen deuten laut Winduction auf Vorteile gegenüber klassischen Ladesystemen mit großer Batterie und zentralen Ladestationen im Depot hin.
Für eine 24 Haltestellen umfassende Busroute, wie sie etwa zwischen Zürich Flughafen und Oerlikon existiert, wären Ladeplatten an zwei Haltestellen ausreichend. Damit würden sich über einen 16-Stunden-Betriebstag rund drei Stunden Ladezeit akkumulieren. Dies steht im Vergleich zu rund fünf Stunden nächtlicher Depotladung für bestehende E-Busse.
Das Laden über den Tag verteilt entlastet zudem das Stromnetz.
Realisierung und Marktpotenzial
Ein Prototyp, eingebaut in ein Postauto, lud an einer Testplatte bis zu 30 Prozent Batteriekapazität nach. Der Bau eines Labors in Winterthur läuft aktuell. Das Pre-Seed-Funding in Höhe von 1,15 Millionen Schweizer Franken, das unter anderem von der Swiss Climate Foundation und dem Schweizerischen Bundesamt für Verkehr unterstützt wird, fließt in die Realisierung des ersten Prototyps.
Für 2028 ist ein erster Pilotbetrieb unter Alltagsbedingungen mit Fahrgästen auf einer öffentlichen Buslinie geplant. Verhandlungen mit Transportbetreibern in der Region Zürich Flughafen laufen.
Winduction ist ein ETH-Spin-off. 2024 erkannte die ETH Zürich 37 neue Ausgründungen an. Die Berichtsdaten weisen außerdem hohe Überlebensraten für ETH-Spin-offs aus. Der Erfolg von Winduction hängt wesentlich von der weiteren Entwicklung und Standardisierung im Bereich des kabellosen Hochleistungsladens ab.
Für diesen Bereich wird die Veröffentlichung des SAE-Standards J2954-2 Ende 2025 oder Anfang 2026 erwartet. Die unabhängige Verifikation der angegebenen Effizienzwerte sowie die Langzeithaltbarkeit der stahlfreien Spezialreifen unter realen Betriebsbedingungen bleiben offene Fragen. Ebenso müssen die prognostizierten Kosteneinsparungen durch unabhängige Flottendaten bestätigt werden, um Verkehrsbetriebe von den Vorteilen der Technologie zu überzeugen.
Die Ergebnisse des Pilotprojekts 2028 werden wichtige Erkenntnisse zur Praxistauglichkeit liefern.







