Die bayerische Staatsregierung warnt vor einer wachsenden Bedrohung durch hochprofessionelle Cyberattacken. Ziele sind staatliche Strukturen, kritische Infrastrukturen und Unternehmen in Bayern. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) konstatiert: Die hybride Bedrohung durch Spionage, Sabotage, Desinformation und Cyberangriffe hat ein nie gekanntes Niveau erreicht.

Herrmann benennt Russland, China und Nordkorea als die Hauptverursacher politisch motivierter Angriffe. Finanzminister Albert Füracker (CSU) ergänzt, die Angriffe seien spürbar schneller und komplexer geworden.

Eskalierende Cyberbedrohung in Bayern

Die bayerische Polizei registriert im Jahr 2025 insgesamt 49.468 Fälle von Cyberkriminalität. Dies entspricht einem Anstieg von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bearbeitete 6.000 sicherheitsrelevante Vorfälle, ein Zuwachs von zehn Prozent.

Die Behörden geben an, dass 72 Prozent der Täter bei Cyberangriffen auf bayerische Ziele im Ausland sitzen.

Künstliche Intelligenz (KI) spielt nach Angaben der Staatsregierung eine immer wichtigere Rolle bei der Vorbereitung und Durchführung von Attacken. Die Behörden melden zudem 105 DDoS-Angriffe auf staatliche Webseiten und 230 Ransomware-Attacken in Bayern. Letzteres markiert einen Anstieg von 18 Prozent. Zur Abwehr wertet der Freistaat täglich rund 2,7 Milliarden Datensätze aus.

Bundesweite Entwicklungen und Täterprofile

Die bayerischen Befunde stimmen mit bundesweiten Erhebungen des Branchenverbands Bitkom überein. Bitkom berichtet, dass 96 Prozent der deutschen Unternehmen in den letzten zwölf Monaten von Cyberangriffen betroffen waren. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 97 Prozent.

Der gesamtwirtschaftliche Schaden beläuft sich auf 211 bis 270,8 Milliarden Euro; 76 Prozent dieser Summe sind direkt auf Cyberattacken zurückzuführen.

In der Bitkom-Studie ordnen 37 Prozent der betroffenen Unternehmen Angriffe ausländischen Geheimdiensten zu. Im Vorjahr waren es 28 Prozent, im Jahr 2023 lediglich sieben Prozent. Bitkom-Präsident Dr.

Ralf Wintergerst erklärt, das Dunkelfeld bei Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage werde größer. Fast alle Unternehmen sind nachweislich betroffen oder vermuten dies. Ausländische Nachrichtendienste agieren dabei deutlich häufiger als Täter.

Nachrichtendienste arbeiten professioneller und verdeckter und stellen die angegriffenen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Zugleich erhalten auch weniger professionelle Angreifer durch KI neue Möglichkeiten.

Die geografische Zuschreibung in der Bitkom-Studie nennt China mit 52 Prozent und Russland mit 49 Prozent an erster Stelle. Weitere Nennungen betreffen unter anderem Osteuropa ohne EU, die USA und EU-Länder (ohne Deutschland). Sinan Selen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, ordnet ein: Die Ergebnisse der Bitkom-Studie fügen sich nahtlos in das Bild der aktuell hohen Bedrohungslage ein.

Sie zeigen erneut, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland im Zielspektrum von Cyberoperationen staatlicher sowie nichtstaatlicher Akteure steht. Ausländische Nachrichtendienste intensivieren ihre hybriden Aktivitäten und sind zunehmend für Angriffe auf die deutsche Wirtschaft verantwortlich. Sowohl der anhaltende Angriffskrieg Russlands als auch die voranschreitende, verschleierte Nutzung von KI bei Cyberangriffen stellen Unternehmen vor große Herausforderungen.

Häufig nehmen Angreifer ganze Branchen ins Visier, stehlen sensible Daten und stören Abläufe des alltäglichen Lebens. Die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft bildet zudem eine besonders attraktive Zielfläche für ausländische Dienste. Der Verfassungsschutz fokussiert sich auf Detektion, Disruption und Prävention von Angriffen auf die Wirtschaft.

Kooperationsansätze und offene Fragen

Das KRITIS-Dachgesetz trat im März 2026 in Kraft. Parallel dazu geben Behörden an, dass 48 Prozent der Betreiber kritischer Infrastrukturen noch keine Angriffserkennungssysteme besitzen. In der Bitkom-Studie heißt es weiter, dass nur noch 67 Prozent der Angriffe sicher nachweisbar seien.

Im Vorjahr lag dieser Wert demnach bei 87 Prozent. Außerdem stieg der Anteil der Unternehmen, die Angriffe vermuten, ohne sie nachweisen zu können, von zehn auf 29 Prozent.

Justizminister Georg Eisenreich (CSU) betont die Bedeutung nationaler und internationaler Zusammenarbeit. Er erklärt, es sei umso wichtiger, dass auf nationaler und internationaler Ebene eng mit Kooperationspartnern wie Interpol, Eurojust, Europol und Nachrichtendiensten kooperiert wird. Die Zentralstelle Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, die seit 2015 für große Cyberkriminalitätsfälle zuständig ist, wird in den Berichten als relevante Einrichtung genannt.

Auf Länderebene berichtet etwa Sachsen über die Einrichtung einer behördenübergreifenden Cyberabwehr. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum dient als Kooperationspartner auf Bundesebene.

Dr. Ralf Wintergerst fordert, Angriffe frühzeitig zu erkennen und abzuwehren, Beweise zu sichern und Erkenntnisse schnell mit den Sicherheitsbehörden zu teilen. Nur so lassen sich Spionage und Sabotage wirksamer begrenzen.

Wintergerst warnt zudem, dass die Grenzen zwischen organisierter Kriminalität und Geheimdiensten in vielen Ländern fließend seien. Die vorliegenden Zahlen und Stellungnahmen aus Bayern und aus Bitkom-Studien beschreiben eine steigende Zahl schwerer Vorfälle, eine größere Zuschreibung an ausländische Nachrichtendienste sowie zunehmende Herausforderungen durch den Einsatz von KI. Vertreter aus Politik und Verbänden fordern eine engere Zusammenarbeit zwischen Behörden und Unternehmen sowie eine verbesserte Erkennung und Reaktion auf Angriffe.

Dies dürfte für Unternehmen in Deutschland bedeuten, ihre Investitionen in Cybersicherheit weiter zu erhöhen und die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen aktiv zu suchen, um den wachsenden Bedrohungen zu begegnen.