Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland stiegen im August dieses Jahres um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies ist der stärkste Anstieg seit Sommer 2023. Diese Entwicklung setzt den Wohnungsbau, der bereits unter hohen Zinsen und Zurückhaltung bei Investoren leidet, zusätzlich unter Druck.

Experten warnen, dass sich die Wohnraumknappheit weiter verschärft und der Bau bezahlbarer Einheiten erschwert. Das betrifft dich als Mieter, Bauherrn oder Investor.

Preisspirale dreht sich weiter

Die Teuerung lag im Mai 2026 noch bei 5,0 Prozent im Jahresvergleich. Bis August stieg sie auf 5,5 Prozent an. Von Mai auf August 2026 erhöhten sich die Baupreise um 1,0 Prozent. Der Zuwachs von Februar auf Mai betrug 2,4 Prozent. Alle Preisangaben beziehen sich auf Leistungen am Bauwerk inklusive Mehrwertsteuer.

Rohbauarbeiten verteuerten sich im August um 5,4 Prozent. Dachdeckungsarbeiten sowie Zimmer- und Holzbauarbeiten verzeichneten mit 7,6 Prozent beziehungsweise 7,2 Prozent die stärksten Zuwächse. Erdarbeiten lagen bei plus 6,1 Prozent. Ausbauarbeiten zogen im Schnitt um 5,7 Prozent an, insbesondere Heizanlagen und zentrale Wassererwärmungsanlagen verzeichneten höhere Preise.

Die Entwicklung im Wohnungsbau steht nicht isoliert. Der Neubau von Bürogebäuden verteuerte sich um 5,7 Prozent, gewerbliche Betriebsgebäude um 5,5 Prozent und der Straßenbau um 6,9 Prozent im Jahresvergleich. Historisch stiegen die Baupreise von 2000 bis 2019 um 45 Prozent. Der technische Ausbau verzeichnete seit 2000 das größte Plus von 146 Prozent.

Engpässe und externe Faktoren treiben die Kosten

Die Ursachen der anhaltenden Preisdynamik sind vielfältig. Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, kommentiert: „Diese Preisanstiege hängen auch mit den deutlich spürbaren Kapazitätsengpässen im Bereich Handwerk zusammen.“ Er ergänzt, die Kapazitätsauslastung sei insgesamt höher als im Bauboom der Nachwendezeit.

Hinzu kommen gestiegene Material- und Personalkosten. Der Anteil der Personalkosten an den gesamten Produktionskosten im personalintensiven Wohnungsbau liegt bei etwa der Hälfte. Von 2015 bis 2025 stiegen die Tariflöhne im Bauhauptgewerbe in Westdeutschland um 38 Prozent und in den neuen Bundesländern um 48 Prozent.

Der Tarifabschluss 2024 erhöhte die Stundenlöhne je nach Lohngruppe zwischen 6,7 Prozent und 13,2 Prozent.

Externe geopolitische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Beobachtet werden die Auswirkungen des anhaltenden Irankriegs auf die Energiemärkte. Philipp Lane, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, stellt fest: „Ein Anstieg der Energiepreise übt tendenziell Inflationsdruck aus, insbesondere kurzfristig.“

Die Preise für Rohöl und Gas sind infolge der Situation gestiegen, was die Kosten für den Bau belastet. Diesel, der einen Anteil von 41 Prozent am Energieverbrauch im Baugewerbe hat, verteuerte sich im Juli 2026 um 16,8 Prozent. Bitumen verzeichnete im April 2026 einen Anstieg von 25,4 Prozent.

Energieintensive Baumaterialien wie Zement, Metalle, Kunststoffe und Glas liegen weiterhin auf hohem Preisniveau, teils deutlich über dem Stand von Januar 2021.

Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt

Die steigenden Baukosten verschärfen die Lage auf dem deutschen Wohnungsmarkt. 2024 gingen die Baufertigstellungen auf rund 252.000 Einheiten zurück, nach etwa 295.000 im Jahr 2022. Der GdW befürchtet für 2026 nur 200.000 fertiggestellte Wohnungen bundesweit bei einem geschätzten Bedarf von 320.000 Einheiten pro Jahr.

Hans Maier, Verbandsdirektor des Verbandes bayerischer Wohnungsunternehmen, erklärt: „Die Baukosten bleiben das zentrale Problem für den Wohnungsbau. Die Kosten sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, verharren auf einem zu hohen Niveau und die nächste Preisspirale ist vor der Tür.“

Weniger Neubau führt auch zu steigenden Mieten, besonders in Ballungsräumen. In Berlin lagen die Neubaumieten Mitte 2024 15,6 Prozent höher als im Vorjahr. Der soziale Wohnungsbau ist betroffen, da mit begrenzten öffentlichen Fördermitteln weniger Einheiten gebaut werden können.

Ausblick auf kommende Herausforderungen

Die nächste Runde der Entgeltverhandlungen im Bauhauptgewerbe ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen und könnte weitere Kostenimpulse auslösen. Auch die Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise, insbesondere von Öl und Gas, hängt von der geopolitischen Lage ab. Analysten und Branchenverbände beobachten, welche politischen Maßnahmen ergriffen werden, um dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum entgegenzuwirken.

Die Bundesregierung hatte sich das Ziel gesetzt, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen; dieses Ziel wurde bislang nicht erreicht.

Ob in kurzer Frist Entspannung eintritt, hängt von der weiteren Entwicklung der wichtigsten Kostentreiber ab – Material, Personal und Bauland.