Der deutsche Wohnungsbau verschlechtert sich weiter. Aktuelle Ifo-Daten zeigen ein anhaltend niedriges Stimmungsniveau in der Branche. Hohe Finanzierungskosten und zunehmende Stornierungen belasten den Sektor.

Diese Entwicklung beeinträchtigt die Bauwirtschaft direkt. Zugleich birgt sie konjunkturelle Risiken für die Gesamtwirtschaft und verschärft den bestehenden Wohnungsmangel.

Stimmungstief und sinkende Fertigstellungen

Das Geschäftsklima im Wohnungsbau fiel im April 2026 auf minus 28,4 Punkte. Im Vormonat lag es bei minus 19,3 Punkten. Laut Ifo-Institut markiert dies den stärksten Rückgang seit April 2022. Im September registrierte der Index minus 25,1 Punkte.

Im Juli 2026 verbesserte sich der Index leicht auf minus 29,3 Punkte, nach minus 30,6 Punkten im Vormonat. Das Niveau bleibt jedoch weiterhin niedrig.

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Dies entspricht einem Rückgang von 18,0 Prozent gegenüber 2024 und dem niedrigsten Stand seit 2012. Das Ifo-Institut erwartet für 2026 einen weiteren Rückgang auf 185.000 Wohnungen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert 215.000 Einheiten.

Für die Jahre 2027 und 2028 prognostiziert das Ifo-Institut 205.000 beziehungsweise 215.000 Fertigstellungen. Damit liegen die Zahlen weiterhin unter dem Niveau von 2024.

Auftragsmangel und Stornierungswelle

Die schwache Auftragslage ist ein wesentlicher Grund für die pessimistische Einschätzung. Im September meldeten 41,3 Prozent der Unternehmen Auftragsmangel. Im Juli 2026 lag dieser Anteil bei 41,2 Prozent, nach 43,7 Prozent im Juni.

Gleichzeitig nehmen Projektstornierungen zu. Im September berichteten 14,1 Prozent der Unternehmen von abgesagten Aufträgen. Im Juli 2026 lag der Anteil bei 13,1 Prozent, nach 11,4 Prozent im Juni.

Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, hebt hervor: „Die entscheidende Herausforderung bleibt die schwache Auftragslage. Für eine nachhaltige Erholung müssen mehr Bauvorhaben tatsächlich umgesetzt werden.“

Materialengpässe spielen weiterhin eine Rolle. Im September waren 4,2 Prozent der Unternehmen betroffen. Im April 2026 meldeten 9,2 Prozent Einschränkungen bei der Materialversorgung.

Die Bauzeiten haben sich zudem verlängert. Von der Genehmigung bis zur Fertigstellung vergehen durchschnittlich 26 Monate. Bei Mehrfamilienhäusern sind es 34 Monate. Im Jahr 2020 lagen diese Zeiten noch bei durchschnittlich 20 Monaten.

Akuter Wohnungsmangel und wirtschaftliche Folgen

Der Rückgang im Wohnungsbau verschärft den bereits bestehenden Wohnungsmangel. Aktuell fehlen bundesweit schätzungsweise 1,35 Millionen Wohnungen. Das Pestel-Institut schätzt ein Defizit von mindestens 58.000 Wohnungen in Berlin und 23.000 Wohnungen in Hamburg. Diese Knappheit trägt zu steigenden Mieten bei und erschwert die Wohnraumversorgung.

Die Bau- und Immobilienwirtschaft stellt einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Sie umfasst laut einer Quelle rund 22 Prozent aller Unternehmen, beschäftigt 10 Prozent aller Erwerbstätigen und generiert 8 Prozent der Umsätze (Angabe aus 2006). Der aktuelle Einbruch kostet Deutschland Schätzungen zufolge 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und führt zu einem Wohlstandsverlust von mindestens 1 Prozent.

Dem Staat entgehen nach einer Berechnung 5,1 Milliarden Euro Umsatzsteuer und 1,9 Milliarden Euro Grunderwerbsteuer im letzten Jahr. Dies ergibt sich im Vergleich zu einer stabilen Fertigstellungszahl von 300.000 Wohneinheiten.

Handlungsbedarf und politische Diskussion

Das Verbändebündnis Wohnungsbau warnt: „Deutschland steckt in einer tiefen strukturellen Wohnbaukrise.“ Bundesbauministerin Verena Hubertz bezeichnete die Fertigstellungszahlen als „schlecht“. Sie stellte fest: „Rund 206.000 gebaute Wohnungen im vergangenen Jahr sind zu wenig.“ Zugleich betont sie, die Baupolitik setze auf Investitionen, Beschleunigung und die Reduzierung der Baukosten.

Im Vorfeld der Wahlen 2025 diskutieren die Parteien verschiedene Maßnahmen. CDU/CSU fordern etwa Beschleunigungen der Planungsprozesse, Kostensenkungen und erhöhte Sonderabschreibungen. Die SPD setzt unter anderem auf die Förderung seriellen und modularen Bauens sowie einen Deutschland-Fonds für den Wohnungsbau.

Die Grünen plädieren unter anderem für Erleichterungen bei Aufstockungen und Verdichtungen sowie eine Ausweitung des kommunalen Vorkaufsrechts. Die FDP fordert sogenannte „Presumed Approvals“ und eine Bundes-Länder-Offensive für einheitliche Bauvorschriften. Die AfD fokussiert auf den Ausbau des Wohngeldes und die Bevorzugung von Wohnungsgenossenschaften.

Die Branche beobachtet zudem die Entwicklung der Bauinflation und geopolitische Risiken. Ifo-Experte Ludwig Dorffmeister warnte, dies könne „die vor Ort beobachtete moderate Belebung größtenteils abwürgen.“ Die Auswirkungen politischer Initiativen und makroökonomischer Rahmenbedingungen auf den Wohnungsbau bleiben offen und werden von Marktteilnehmern weiter beobachtet.