Die Krypto-Plattform World Liberty Financial, an der die Trump-Familie 38 Prozent hält, sieht sich Kritik ausgesetzt. Auslöser ist eine Kooperation mit WorldClaw, einer KI-Plattform aus Hongkong. WorldClaw bietet Zugang zu einer Reihe von KI-Modellen, deren Nutzung unter anderem mit dem Stablecoin USD1 von World Liberty Financial bezahlt werden kann.
Die Zusammenarbeit wirft Fragen auf, da ein erheblicher Teil der angebotenen KI-Modelle von chinesischen Unternehmen stammt. Die US-Regierung stufte diese zuvor als nationale Sicherheitsrisiken ein oder äußerte Bedenken hinsichtlich geistigen Eigentums.
Fragwürdige Allianz mit chinesischer KI
World Liberty Financial ist ein Kryptowährungs-Venture. Die Trump-Familie hält 38 Prozent der Anteile. Das Unternehmen erzielt Einnahmen aus der Nutzung der World-Liberty-Token, darunter dem USD1-Stablecoin.
Über die Plattform WorldClaw werden auch KI-Modelle chinesischer Unternehmen wie Alibaba und Baidu angeboten. Das US-Verteidigungsministerium stuft beide als „chinesische Militärunternehmen“ ein.
Auf WorldClaw finden sich zudem Modelle von Z.ai (ehemals Zhipu AI), das auf der „Entity List“ des US-Handelsministeriums steht. Auch DeepSeek und Moonshot sind vertreten; US-Beamte werfen ihnen Technologiediebstahl von US-KI-Firmen vor. Von den 90 auf WorldClaw gelisteten Modellen stammen 43 von chinesischen Unternehmen.
Experten sehen in dieser Konstellation einen potenziellen Interessenkonflikt. Die Nutzung und Bewerbung chinesischer KI-Technologien durch ein Unternehmen mit Verbindungen zur Trump-Familie steht im Widerspruch zur offiziellen Haltung früherer Trump-Administrationen gegenüber chinesischer Technologie. Sam Bresnick, Fellow am Center for Security and Emerging Technology der Georgetown University, äußert: „Während die US-Regierung versucht, auf den Aufstieg und die Bedrohung durch chinesische KI zu reagieren, scheint es heuchlerisch, diese Tools aus China über WorldClaw zu nutzen, um damit viel Geld zu verdienen.“
Die Rolle der Trump-Familie
Die Verbindungen zwischen World Liberty Financial und der Trump-Familie sind eng. Neben dem Besitzanteil sind Donald Trump Jr. und Eric Trump Mitbegründer von World Liberty. Beide bewarben WorldClaw auf der Social-Media-Plattform X.
Ein leitender Angestellter von World Liberty war als Berater für WorldClaw tätig, insbesondere bei der Einführung des USD1-Stablecoins und bei Partnerschaften. Diese Verflechtung steht im Kontrast zur Aussage von David Wachsman, Sprecher von World Liberty: „WorldClaw ist ein unabhängiges Unternehmen. Große US-Firmen bieten KI sowohl von chinesischen als auch amerikanischen Technologieunternehmen an.
Dies ist ein gängiger und weithin akzeptierter Ansatz.“
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, erklärt: „Es gibt keine Interessenkonflikte in der Beziehung zwischen World Liberty und WorldClaw, und Präsident Trump handelt nur im besten Interesse der amerikanischen Öffentlichkeit.“ Diese offizielle Positionierung steht im Kontrast zu den Sicherheitsbedenken einiger Experten.
WorldClaw verteidigt sein Geschäftsmodell mit der Aussage: „Das Unternehmen hilft amerikanischen KI-Firmen, internationale Nutzer zu erreichen. Die Bereitstellung eines Modells stellt keine Billigung seines Entwicklers dar.“
Rechtliche Grauzone und offene Fragen
Formal ist die Zusammenarbeit zwischen World Liberty und WorldClaw sowie die Vermarktung chinesischer KI-Modelle durch WorldClaw nicht illegal. Peter Jeydel, Anwalt und Leiter des Sanktions- und Handelskontrollteams bei Troutman Pepper Locke in Washington, bewertet die Lage als ambivalent. Er sagt: „Einerseits könnten die Leute sagen, dies sei eine China-feindliche Regierung, und es gibt eine Spannung mit dieser Art von geschäftlicher Zusammenarbeit.
Andererseits kann argumentiert werden, dass diese Trump-Präsidentschaft weniger aggressiv war, wenn es darum ging, chinesische Unternehmen ins Visier zu nehmen, zugunsten eines Business-First-Ansatzes. Diese Zusammenarbeit würde damit übereinstimmen.“
Die genauen finanziellen Vereinbarungen zwischen World Liberty und WorldClaw bleiben unklar. Reuters konnte die Höhe der Erlöse, die die Trump-Familie aus Krypto-Zahlungen auf der Plattform generiert, nicht ermitteln. Das US-Handels- und Verteidigungsministerium reagierten nicht auf Anfragen von Reuters zu WorldClaw.
Alibaba bestreitet die Einstufung als militärisches Unternehmen und kündigte an, rechtlich dagegen vorgehen zu wollen. Andere betroffene chinesische Firmen wie Baidu bestreiten ebenfalls die Einstufung. Zu den Vorwürfen des Technologiediebstahls gegenüber DeepSeek und Moonshot liegen laut Reuters keine Stellungnahmen vor.
Es ist unklar, ob US-Regulierungsbehörden angesichts der öffentlichen Debatte tätig werden. Ebenso offen bleibt, welche Auswirkungen dies auf ähnliche Kooperationen im Krypto- und KI-Sektor haben könnte. Der Markt beobachtet die Entwicklung genau, um potenzielle regulatorische Risiken für zukünftige Geschäftsmodelle einschätzen zu können.







