World Network forciert weltweite Identitätsverifizierung – Regulierer bleiben skeptisch
Das Krypto-Projekt World Network, ehemals Worldcoin, intensiviert seine Bestrebungen zur globalen Verbreitung der biometrischen Identitätsverifizierung World ID. Nach einer Umbenennung und strategischen Ankündigungen erweitert das von OpenAI-Chef Sam Altman mitbegründete Unternehmen seine Präsenz. Zugleich konfrontieren World Network regulatorische Bedenken in verschiedenen Ländern.
Das Projekt verfolgt das Ziel, ein universelles „Proof of Human“-System zu etablieren, das Menschen im digitalen Raum von Bots unterscheidet.
Vom Iris-Scan zur digitalen Identität
Die Kerntechnologie von World Network basiert auf World ID. Dieses System verifiziert die menschliche Identität mittels eines Iris-Scans durch ein Gerät namens „Orb“. Dieser Vorgang generiert einen biometrischen Identifikator, den sogenannten „IrisCode“.
Der IrisCode dient als Nachweis der Einzigartigkeit einer Person und wird verschlüsselt auf dem Smartphone des Nutzers gespeichert und dort verwaltet.
Das System ist darauf ausgelegt, eine zentrale Datenbank mit individuellen Bildern zu vermeiden. IrisCodes werden anonymisiert und fragmentiert gespeichert; Originalbilder löscht das Unternehmen nach eigenen Angaben standardmäßig. Die Daten verbleiben verschlüsselt auf dem Gerät des Nutzers.
World ID soll Menschen und Bots in digitalen Interaktionen unterscheiden. So will World Network Betrug, Identitätsdiebstahl, Fälschungen und Desinformation reduzieren.
Mit World ID 4.0 führte World zudem ein neues Verifizierungstool namens „Selfie Check“ ein. Dieses stellt eine weniger strikte Verifizierungsstufe dar.
Partnerintegrationen und Technologieeinsatz
Verschiedene Partner setzen die Technologie bereits ein oder testen sie. Zoom kündigte an, World ID zur Bot-Abwehr zu nutzen; verifizierte Nutzer erhalten ein blaues Abzeichen. Im Unterhaltungsbereich können Künstler das „Concert Kit“ einsetzen.
Damit reservieren sie einen Teil ihrer Konzertkarten für World ID-verifizierte Personen. Tinder startete 2025 ein World ID-Pilotprogramm in Japan, das zu einem globalen Rollout führte; verifizierte Nutzerprofile zeigen ein World ID-Emblem. Okta führte zudem eine World ID-basierte Verifizierungsmethode in einer Beta-Version ein.
Wachstum und substanzielle Finanzierung
Das Technologieunternehmen hinter World ist Tools for Humanity (TFH). Im Oktober 2024 meldete Worldcoin 15 Millionen Nutzer, darunter 7 Millionen per Orb verifizierte Personen. Am 13. Januar 2025 gab World Network an, 10 Millionen „verifizierte Menschen“ erreicht zu haben.
Am 22. Mai 2025 berichtete die World Foundation von mehr als 26 Millionen Nutzern weltweit, davon 12,5 Millionen Orb-verifizierte World IDs. World Network gab am 17. April 2026 bekannt, dass mehr als 18 Millionen Menschen in 160 Ländern ihre „Menschlichkeit“ per Orb verifiziert hatten; die Orbs wurden über 450 Millionen Mal genutzt.
World hat zudem Finanzmittel eingesammelt: Die Gesamtfinanzierung liegt nach Angaben der Quellen bei über 250 Millionen US-Dollar. Eine Series-C-Finanzierungsrunde 2023 brachte 115 Millionen US-Dollar ein und wurde von Blockchain Capital angeführt. Die World Foundation nahm im Mai 2025 135 Millionen US-Dollar durch einen Token-Verkauf über World Assets Ltd. ein.
Zu den Investoren dieses Verkaufs zählen unter anderem Andreessen Horowitz (a16z) und Bain Capital Crypto. Zusätzlich wurden 52,5 Millionen US-Dollar zur Erweiterung der World ID-Infrastruktur genannt. Nach der Ankündigung des Token-Verkaufs stieg der Preis des WLD-Tokens um etwa 13 Prozent.
Expansion und regulatorische Hürden
Ende April 2025 begann World mit dem Aufstellen von Orb-Scannern in US-Städten wie Atlanta, Austin und San Francisco. Parallel dazu startete in Richardson, Texas, eine Produktionsstätte für die Orbs. Tools for Humanity-CEO Alex Blania nannte das Ziel, das World Network auf 1 Milliarde Nutzer zu skalieren.
Adrian Ludwig, Chief Architect von Tools for Humanity, betonte die praktische Relevanz von Identitätsverifizierung für aktuelle Anwendungen. Sam Altman, Mitbegründer von World und CEO von OpenAI, verwies auf die wachsende Zahl von KI-generierten Inhalten. Er hob hervor, wie schwierig es sei, zu unterscheiden, ob man mit einer KI oder einer Person interagiere.
Trotz des Wachstums und der Partnerschaften steht World Network vor regulatorischen Herausforderungen. Datenschutzbehörden weltweit äußerten Bedenken zur Einhaltung geltender Datenschutzgesetze. Am 19.
Dezember 2024 urteilte das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA), dass World nicht der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) entspricht. Das Amt forderte die Löschung von Daten. Auch Chile, die Dominikanische Republik, Spanien, Portugal, Hongkong, Kenia, Südkorea und Argentinien gehören zu den Ländern, in denen Untersuchungen oder Einschränkungen gegen World Network ergriffen wurden.
World betont, dass persönliche Daten zur Erstellung einer World ID ausschließlich auf dem Gerät der Person gespeichert würden. Weder die World App noch Dritte bewahren diese Daten auf; Regulierungsbehörden stehen dieser Darstellung kritisch gegenüber. World gab an, dass der WLD-Token in New York State nicht an dort ansässige Personen oder Unternehmen verfügbar ist.
Ausblick: Zwischen Adoption und Akzeptanz
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie World Network die Balance zwischen globaler Expansion und unterschiedlichen regulatorischen Anforderungen findet. Mit der Einführung von World ID 4.0, neuen Verifizierungsoptionen und der Ausweitung geografischer Präsenz unternimmt das Projekt Schritte zur breiteren Zugänglichkeit der Technologie. Die Auseinandersetzung mit Datenschutzbehörden bleibt ein zentraler Punkt der Entwicklung.
Später im Jahr 2025 ist die Einführung einer Visa-kompatiblen World Card geplant. Mit dieser könnten Kryptowährungen aus der World App Wallet online und in Geschäften ausgegeben werden. Beobachter richten ihr Augenmerk auf weitere Integrationen in populäre Dienste und auf Lösungen für die offenen regulatorischen Fragen.







