Der jüngste Y Combinator Demo Day präsentierte eine Kohorte, die stark zu Deep Tech tendiert. Neun der Startups stufen mindestens zwei Venture Capitalists als die meistbeachteten ein. Sie bieten Lösungen in Bereichen von der Energieversorgung von Rechenzentren bis zur Automatisierung im Alltag. Beobachtern zufolge fallen die Bewertungen dieser Kohorte jedoch geerdeter aus als in früheren Zyklen.
Deep Tech dominiert die neue Kohorte
Die Auswahl der Y Combinator Kohorte zeigt einen klaren Trend zu Deep Tech Lösungen. Ein Investor beschreibt die Technologie dieser Kohorte als „Science Fiction“. Die neun von Venture Capitalists als besonders vielversprechend eingestuften Unternehmen wurden von mindestens zwei Kapitalgebern als Top Picks oder als jene Deals genannt, die in der Szene diskutiert werden.
Diese Unternehmen decken Felder ab wie nuklearbetriebene Rechenzentren, optische Hochgeschwindigkeitsnetzwerkhardware, Verteidigungsdrohnen und humanoide Roboter.
Energieversorgung und Effizienz im Fokus
Atomarine entwickelt nuklear angetriebene Rechenzentren auf schwimmenden Plattformen auf See. Das Unternehmen adressiert damit Stromknappheit und lokalen Widerstand gegen den Bau neuer Rechenzentren an Land. Meerwasser bietet hierbei eine nahezu kostenlose Kühlung.
Zu den Mitbegründern zählen ein MIT Informatiker und Marineingenieur sowie ein MIT Doktorand in Nukleartechnik. Atomarine hat nach eigenen Angaben Absichtserklärungen für über vier Milliarden US-Dollar an Kundeninteresse gesichert. Ein gasbetriebenes Pilotprojekt ist bis 2028 geplant, der Übergang zu schwimmenden Kernkraftschiffen bis 2032.
Ein Venture Capitalist bezeichnet Atomarine aufgrund des Umsatzpotenzials als eines der höchstbewerteten Startups dieser YC Charge.
Dipole Labs arbeitet an optischer Hochgeschwindigkeitsnetzwerkhardware für KI Rechenzentren. Das Unternehmen entwickelt einen optischen Switch, der die energieintensive Umwandlung von Licht in Elektrizität und zurück vermeiden soll. Daten sollen so als Licht verbleiben und direkt übertragen werden können.
Dipole Labs adressiert damit einen der Engpässe angesichts hoher GPU Kosten und dem Wunsch, Rechenhardware effizienter zu nutzen. Celero Communications gilt als relevanter Wettbewerber. Celero sammelte kürzlich 275 Millionen US-Dollar in einer Series C Runde bei einer Bewertung von über drei Milliarden US-Dollar und entwickelt kohärente digitale Signalprozessoren (DSPs) für die Datenübertragung zwischen KI Chips, Racks und Rechenzentren über Glasfaser.
Parasma forscht daran, menschliche Gehirnzellen zu trainieren, um zukünftig Rechenleistung bereitzustellen. Ziel ist eine effektivere und energieeffizientere Alternative zur heutigen KI Rechenhardware.
Lamb Labs entwickelt kundenspezifische Inferenz Chips mit fest im Silizium verankerten KI Modellgewichten, sogenannte Model Processing Units (MPUs). Diese sollen Bandbreitenengpässe reduzieren. Die Gründer sind ein KI Doktorand des Imperial College London und ein theoretischer Physiker aus Oxford.
Als Wettbewerber nennt sich Positron AI. Das Unternehmen verfolgt sogenannte „Memory first“ KI Inferenz Chips und Server, die darauf abzielen, ganze Modelle auf dem Chip zu halten.
Positron AI erreichte im Februar 2026 den Unicorn Status und schloss am 11. September 2026 eine Finanzierungsrunde von 875 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von fünf Milliarden US-Dollar ab.
Robotik und Automatisierung für diverse Sektoren
Nori entwickelt erschwingliche Roboter für alltägliche Aufgaben, darunter einen humanoiden Roboter für Reinigungsarbeiten und Wäschefalten. Sechs Wochen nach dem Start generierte Nori fast eine halbe Million US-Dollar Umsatz. Der Roboter kostet rund 1.600 US-Dollar.
Zum Vergleich wird der Neo von Agility Robotics mit etwa 20.000 US-Dollar genannt. Agility Robotics wies 2025 einen Umsatz von 1,8 Millionen US-Dollar und einen Betriebsverlust von 140 Millionen US-Dollar aus. Das Unternehmen wurde über einen SPAC Deal mit 2,5 Milliarden US-Dollar bewertet.
Planet Crafters konstruiert autonome Roboter für das Heben schwerer Objekte und verfolgt langfristig die Vision, eine Stadt auf dem Mars zu bauen. Die Technologie installiert bereits Solarmodule in den USA. Das Unternehmen hat Verträge im Wert von 25 Millionen US-Dollar bis 2027 und hofft, bis 2028 eine Erkundungsmission starten zu können.
RoboSense sammelt reale Videos und Daten von Menschen bei der Arbeit, um Trainingsmaterial für Robotikunternehmen zu erstellen. Das Unternehmen arbeitet bereits mit börsennotierten Firmen zusammen und hat Videodaten in über 150 verschiedenen Umgebungen erfasst. Beobachter halten diese Aktivität für relevant, da Unternehmen mit der Aufgabenverteilung zwischen Menschen und Robotern experimentieren.
Waddle Labs bietet eine API Schicht, die Robotercode generiert und Roboter steuert. Mithilfe von LLM Agenten schreibt das System Code und steuert Roboter direkt, statt Foundation Models auf Rohvideo oder Teleoperationsdaten zu trainieren. Waddle positioniert sich als „Claude Code für Robotik“.
Entwickler können jede Hardware an die API anschließen und dem Roboter in natürlicher Sprache Anweisungen geben. KI Agenten generieren ausführbaren Steuerungscode, überprüfen dessen Funktion und richten den Roboter in etwa 20 Minuten ein. Das Unternehmen wurde von Harvard Absolventen gegründet.
Verteidigungsindustrie im Wandel
Isengard beabsichtigt, jetgetriebene Angriffs und Abwehrdrohnen in alliierten Ländern in Serie zu produzieren. Das Startup wurde von einem ehemaligen Offizier der australischen Armee und einem Verteidigungsunternehmer mitgegründet. Letzterer skalierte zuvor ein auf die Ukraine fokussiertes Drohnen Startup auf 60 Millionen US-Dollar Umsatz.
Isengard erzielt bereits rund zehn Millionen US-Dollar Umsatz und erreichte laut zwei Investoren eine der höchsten Bewertungen in dieser YC Kohorte. Die Ausrichtung auf Deep Tech und kritische Infrastrukturen zeigt, dass Investoren zunehmend in Lösungen mit hohem technologischem Reifegrad und potenziell disruptiver Wirkung investieren, insbesondere in Sektoren mit hohem Kapitalbedarf und langfristigen Marktchancen. Die geerdeten Bewertungen deuten darauf hin, dass die Risikokapitalgeber ihre Erwartungen nach den Boomjahren neu kalibrieren, aber dennoch das Potenzial für signifikante Renditen in strategisch wichtigen Technologiefeldern sehen.
Die kommenden Jahre werden zeigen, welche dieser Wetten sich langfristig auszahlen.







