Die auf Onkologie spezialisierte Risikokapitalgesellschaft Yosemite schließt ihren zweiten Investmentfonds bei einem Gesamtvolumen von 350 Millionen US-Dollar. Gründer Reed Jobs, Sohn des verstorbenen Apple-Mitgründers Steve Jobs, baut damit das verwaltete Vermögen seiner Gesellschaft auf mehr als eine Milliarde US-Dollar aus. Das frische Kapital fließt in frühe biotechnologische Ansätze mit dem Ziel, Krebserkrankungen langfristig beherrschbar und therapierbar zu machen.

Nach einem ersten Teilschließen über 200 Millionen US-Dollar im Januar erreicht Yosemite nun die finale Zielmarke für den Fonds. Bereits mit dem 263 Millionen US-Dollar schweren Vorgängerfonds positionierte sich das Team an der Schnittstelle von Life Sciences und Technologie. Jobs rief Yosemite 2023 nach seiner Ausgründung aus dem Family Office Emerson Collective ins Leben.

Philanthropische Zuschüsse als Risikofilter

Yosemite arbeitet mit einem dualen Modell, das klassisches Wagniskapital mit bedingungsloser Forschungsförderung verzahnt. Ein fester Anteil von 2,5 Prozent des verwalteten Fondsvermögens sowie eine jährliche Verwaltungsgebühr von einer Million US-Dollar fließen direkt in einen Spendenfonds für universitäre Grundlagenforschung. Mit diesen Zuschüssen überbrückt die Gesellschaft das finanzielle Vakuum zwischen akademischer Entdeckung und kommerzieller Erprobung.

Dieser Mechanismus fungiert zugleich als Risikofilter für künftige Beteiligungen. Universitäre Grants erlauben es, experimentelle Thesen kostengünstig und schnell zu validieren, bevor institutionelles Risikokapital allokiert wird.

Rund ein Drittel des Fondsvolumens fließt in das eigene Company Building. Zusammen mit Wissenschaftlern von Universitäten wie Stanford, Yale und der University of California in Berkeley initiiert Yosemite Neugründungen direkt aus dem akademischen Umfeld heraus. Die verbleibenden zwei Drittel des Kapitals investiert das 17-köpfige Team in externe Frühphasenrunden von Biotech- und Deep-Tech-Startups.

Strategische Allianzen und KI-getriebene Forschung

Das Investorenkonsortium des zweiten Fonds vereint strategische Pharmakonzerne, akademische Institutionen und namhafte Wagniskapitalgeber. Zu den Limited Partners zählen Amgen und AbbVie ebenso wie das Massachusetts Institute of Technology und das Memorial Sloan Kettering Cancer Center. Privates Kapital steuern unter anderem Risikoinvestor John Doerr sowie Laurene Powell Jobs über Emerson Collective bei.

Inhaltlich fokussiert sich Yosemite auf Plattformen, die künstliche Intelligenz und Genomik verknüpfen. Das Portfolio umfasst mittlerweile 20 bis 25 Unternehmen. Ein prominentes Engagement ist Chai Discovery, ein auf KI-gestützte Wirkstoff- und Proteinentwicklung spezialisiertes Startup.

Chai sicherte sich im Dezember 130 Millionen US-Dollar unter Führung von General Catalyst bei einer Bewertung von 1,3 Milliarden US-Dollar und kooperiert mit Eli Lilly.

Überdies hält Yosemite Anteile an Tune Therapeutics, einem Entwickler epigenetischer Medizin mit einem Finanzierungsvolumen von 175 Millionen US-Dollar. Mit Azalea Therapeutics fördert der Fonds In-vivo-Gentherapien aus dem Forschungsumfeld der Nobelpreisträgerin Jennifer Doudna. Weitere Beteiligungen decken Segmente wie Krebsfrüherkennung über Teal Health, Proteinabbau über Quarry sowie Patientenbegleitung über Sage Care ab.

Patentklippe treibt M&A-Druck der Pharmaindustrie

Das Closing des Fonds erfolgt in einer Phase spürbarer Erholung im Life-Sciences-Sektor. Sinkende Zinsen sowie Fortschritte bei Immuntherapien, GLP-1-Wirkstoffen und Krebsimpfstoffen beleben die Transaktionsaktivität nach der Zurückhaltung des Vorjahres. Zugleich erhöht der Verlust exklusiver Patente auf etablierte Blockbuster den Druck auf internationale Pharmakonzerne.

Große Arzneimittelhersteller verfügen über beträchtliche Liquiditätsreserven und suchen Übernahmeziele, um drohende Erlösrückgänge abzufedern. Frühe Plattformtechnologien, wie sie Yosemite finanziert, stehen dabei im Mittelpunkt des Interesses. Fortschritte in der künstlichen Intelligenz beschleunigen diese Entwicklungszyklen zusätzlich, etwa indem synthetische Kontrollgruppen klinische Testphasen verkürzen.

Yosemite formuliert dabei bewusst kein universelles Heilungsversprechen. Das Management zieht Parallelen zur Bekämpfung von HIV: Kombinationstherapien heilten die Erkrankung zwar nicht vollständig, machten sie jedoch langfristig kontrollierbar. Für die Portfoliounternehmen gilt die Vorlage robuster klinischer Daten als Voraussetzung für Exits durch Lizenzabkommen oder direkte Übernahmen.

Die kommenden Phasen klinischer Studien werden zeigen, ob das Modell aus Forschungsförderung und Wagniskapital marktfähige Renditen erwirtschaftet.