Zürich forciert den gemeinnützigen Wohnungsbau. Die Stadt hat die Architekturwettbewerbe für die Teilgebiete C und D des Areals Thurgauerstrasse in Seebach abgeschlossen. Die Projekte der Siegerteams – MMMR Architekten und Atelier Ora – umfassen 287 gemeinnützige Wohnungen sowie Gewerbeflächen.
Diese sollen frühestens ab 2032 bezugsfertig sein. Das Vorhaben dient der Sicherung preisgünstigen Wohnraums und verbindet bauliche Dichte mit klimagerechtem Bauen.
Fortschritt beim „Drittelziel“
Die Wettbewerbsentscheidungen markieren einen wichtigen Schritt zur Realisierung des städtischen „Drittelziels“. Dieses sieht vor, ein Drittel der Wohnungen auf dem insgesamt rund 65.000 Quadratmeter großen Areal subventioniert anzubieten. Auf dem circa 17.500 Quadratmeter großen Grundstück der Teilgebiete C und D entstehen 287 gemeinnützige Wohnungen.
Im Teilgebiet C (Baubereiche C2 bis C4) realisieren die Baugenossenschaft Mehr als Wohnen und die Wohnbaugenossenschaft Grubenacker (WBGG) rund 128 Wohnungen sowie Gewerbeflächen.
Für das Teilgebiet D sind die Genossenschaft Wogeno Zürich und die Städtische Stiftung Familienwohnungen (SFW) verantwortlich. Hier sind 159 Wohnungen, eine Kita sowie zusätzliche Gewerbeflächen geplant. Der Zürcher Stadtrat setzte die Inkraftsetzung des Gestaltungsplans im Juli 2022 fest, nachdem die Baudirektion des Kantons Zürich diesen im Mai 2022 genehmigt hatte.
Ziel des Projekts ist es, bauliche Dichte mit klimagerechtem Bauen und günstigen Mietzinsen zu verbinden. Die beteiligten Genossenschaften streben zudem an, das Areal als erstes „Kreislaufareal“ in Zürich zu entwickeln und neue Ansätze in Bau, Wohnen und Mobilität zu erproben.
Nach Angaben der Stadt bewegen sich die Erstellungskosten der beiden Siegerprojekte im vorgegebenen Kostenrahmen. Die Bauträgerschaften rechnen damit, in der weiteren Planung die Vorgaben der kantonalen Wohnbauförderung einzuhalten.
Akteure und Architektur
Für das Teilgebiet C (C2 bis C4) setzte sich das Projekt „Ouroboros“ von MMMR Architekten (Zürich) mit dem Landschaftsarchitekten Hurle Pier Paolo durch. Dieses Vorhaben umfasst rund 9.400 Quadratmeter Hauptnutzfläche. Es wird von der Baugenossenschaft Mehr als Wohnen und der Wohnbaugenossenschaft Grubenacker getragen.
Die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ) ist Teil des Konsortiums „nordnordost“ und für den Baubereich C1 vorgesehen. Das Ergebnis für C1 steht noch aus.
Das Teilgebiet D wird durch das Projekt „D’Hei!“ von Atelier Ora – Orti Riscassi Architekten (Zürich) mit Böe Landschaftsarchitektur realisiert. Für D sind rund 8.200 Quadratmeter Hauptnutzfläche, 159 Wohnungen, eine Kindertagesstätte und weitere gewerbliche Nutzungen vorgesehen. Die Genossenschaft Wogeno Zürich und die Städtische Stiftung Familienwohnungen agieren hier als Bauträgerschaften.
Die Fachstelle Gemeinnütziges Wohnen der Stadt Zürich ist als Anlauf-, Koordinations- und Kontrollstelle für gemeinnützige Wohnbauträgerschaften eingebunden. Im Amt für Hochbauten leitete Ivana Bertolo die Projektleitung, Ursula Müller wirkte als Fachpreisrichterin mit.
Rahmenbedingungen und Herausforderungen
Parallel zu den Entwicklungen an der Thurgauerstrasse hat der Kanton Zürich Regelungen zur Stärkung des gemeinnützigen Wohnbaus angepasst. Per 1. Juni 2026 tritt die Verdoppelung des Rahmenkredits für die Wohnbauförderung von 180 auf 360 Millionen Franken in Kraft.
Zudem wurden per 1. Juli 2026 die Wohnbaudarlehen von 20 auf 25 Prozent der Gesamtinvestitionskosten erhöht. Die revidierte Wohnbauförderungsverordnung (WBFV) passte darüber hinaus die Kostenlimiten an das aktuelle Kostenniveau an.
Diese Änderungen sollen den Bauträgerschaften mehr Spielraum bei steigenden Baupreisen verschaffen. Dennoch gibt es kritische Stimmen zur Planung. So hat SP-Nationalrätin Jacqueline Badran den Gestaltungsplan für das Areal kritisiert und mehr Partizipation gefordert.
Auch Reto Klink, Geschäftsführer von wohnbaugenossenschaften zürich (wbg), äußerte Vorbehalte gegenüber Hochhäusern mit Blick auf die höheren Kosten für den gemeinnützigen Wohnbau. Die Debatte verdeutlicht die Spannung zwischen dem Ziel städtischer Dichte und der Frage, wie sich Bezahlbarkeit in der Praxis realisieren lässt.
Ausblick auf weitere Schritte
Während die Siegerentwürfe für die Teilgebiete C und D feststehen, wird das Ergebnis des Wettbewerbs für den Baubereich C1 Anfang 2027 erwartet. Für C1 sind rund 120 Wohnungen geplant. Die Entwicklung der Teilgebiete E und F ist für die 2030er-Jahre vorgesehen.
Auf Teilgebiet A entsteht bis 2032 ein Wohnhochhaus mit einem städtischen Gesundheitszentrum und Alterswohnungen. Die Fertigstellung der prämierten Wohn- und Gewerbebauten auf den Teilgebieten C und D ist frühestens für 2032 angesetzt. Der Quartierpark samt umgebautem Schützenhaus soll bereits im Sommer 2027 in Betrieb gehen.
Für private Vermieter und Investoren in der Region bedeutet das Vorhaben primär eine langfristige Erweiterung des Angebots im gemeinnützigen Segment. Ein kurzfristiger Effekt auf den freien Mietmarkt ist wegen des langen Planungshorizonts nicht zu erwarten.
Analysten werden die Umsetzung der Projekte insbesondere hinsichtlich der Einhaltung der Kostenrahmen und der Realisierung des „Drittelziels“ in den verschiedenen Teilgebieten beobachten. Die Debatte um das richtige Maß an Dichte und Bezahlbarkeit auf dem Zürcher Wohnungsmarkt bleibt damit aktuell.







