Die US-Personalbehörde Office of Personnel Management (OPM) ruft die Regierungsbehörden dazu auf, die Rekrutierung von Tech-Talenten in den Mittelpunkt ihrer Einstellungsstrategie für das kommende Geschäftsjahr zu stellen. Diese Richtlinie vom 30. Juli 2026 setzt zudem ein regierungsweites Ziel: Mindestens 33 Prozent der externen Neueinstellungen sollen Berufsanfänger sein.
Diese Vorgabe verzahnt Technologie- und Personalplanung enger als zuvor. Sie betont die strategische Bedeutung von Fachkräften in Schlüsselbereichen für die Effizienz und Zukunftsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung.
Tech-Talente als strategischer Schwerpunkt
Die OPM fordert die Behörden auf, sogenannte „mission-critical“ Positionen zu identifizieren, die den größten Mehrwert liefern. Gleichzeitig sollen sie prüfen, wie Technologie die Servicebereitstellung verbessern kann.
Die Richtlinie berücksichtigt zudem die Notwendigkeit, Umschulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen für bestehende Mitarbeitende zu initiieren, wozu auch der Einsatz von KI-Technologien gehört.
OPM-Direktor Scott Kupor hebt hervor, dass Technologie- und Talentplanung nicht länger getrennte Themen sind. Die Richtlinie benennt Spezialisierungen wie Künstliche Intelligenz, Datenwissenschaft und Cybersicherheit explizit als Prioritäten für die Personalgewinnung.
Im Jahr 2025 verließen mehr als 19.500 Technologie-Mitarbeitende den Bundesdienst oder wurden entlassen. Das 2000 eingeführte Scholarship-for-Service-Programm, das Studiengebühren für Empfänger übernimmt, die sich zu einer späteren Tätigkeit in staatlichen Cybersicherheitsrollen verpflichten, wurde im Mai 2026 aktualisiert, um KI-Kompetenzen stärker zu berücksichtigen.
Herausforderungen bei der Rekrutierung von Nachwuchskräften
Berichte belegen praktische Schwierigkeiten, mehr Berufsanfänger für den Staatsdienst zu gewinnen. Ein Report der Non-Profit-Organisation Partnership for Public Service stellt fest, dass der Anteil der Zivilbediensteten unter 30 Jahren im vergangenen Jahr sank. Dies wird unter anderem auf Einstellungsstopps und die Entlassung von Probearbeitern während der Trump-Administration zurückgeführt.
Das Programm Tech Force, das die Rekrutierung von 1.000 Technologen anstrebte, hat bisher etwa 300 Teilnehmende gewonnen. Medienberichte von NextGov und FCW melden zudem, dass Stipendiaten des Scholarship for Service im vergangenen Jahr Jobangebote von Behörden zurückgezogen bekamen. Diese Entwicklungen deuten auf operative Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Einstellungsziele hin.
Die OPM-Richtlinie nimmt Bezug auf eine Exekutivverordnung vom Oktober 2025, die jährliche Personalpläne vorschreibt. Behörden verfolgen technologiebezogene Prioritäten nicht nur in der Personalplanung, sondern auch bei konkreten Beschaffungen und Forschungsprojekten. So plant die Einwanderungsbehörde ICE etwa die Anschaffung von Elektroschock-Handschuhen als „Deeskalations-Geräte“ im Wert von etwa 10 bis 20 Millionen US-Dollar.
Parallel dazu treibt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt in Deutschland den Ausbau der Drohnensicherheitsforschung voran. Eine neue Forschungseinrichtung in Cochstedt entsteht gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Digitale Souveränität und geopolitische Dimensionen
Die verstärkte Betonung technologischer Fähigkeiten ist vor dem Hintergrund geopolitischer und regulatorischer Rahmenbedingungen zu sehen. Digitale Souveränität wird in diesem Kontext als die Fähigkeit definiert, IT-Infrastruktur, Daten und Prozesse eigenständig zu kontrollieren. Hierbei lassen sich mehrere Dimensionen unterscheiden, etwa strategische Souveränität zur Vermeidung von Anbieterabhängigkeiten oder rechtliche Souveränität bezüglich der Unterstellung von Daten und Anbietern.
Dazu kommen Fragen von Data- und KI-Sovereignty, Operational Sovereignty, Supply-Chain-Sovereignty, Technology Sovereignty, Security und Compliance sowie Umweltaspekte.
Im Juni 2025 erklärte der Chefjustiziar von Microsoft Frankreich vor dem französischen Senat, Microsoft könne nicht garantieren, dass Daten europäischer Kunden, auch wenn sie in EU-Rechenzentren gespeichert sind, nicht an US-Behörden weitergegeben würden. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass der physische Standort von Servern allein keinen vollständigen Schutz vor dem Zugriff ausländischer Behörden bietet.
Regulierungen wie NIS2, das EU Cloud Sovereignty Framework, der EU Data Act und DORA beeinflussen die Diskussion um digitale Souveränität maßgeblich. Die Gewinnung von Tech-Talenten vollzieht sich somit vor dem Hintergrund dieser Regulierungen und der Anforderungen an Datensicherheit und Resilienz. Der „Change & AI Summit II: Transformation unter Druck“ am 3.
November 2026 ist eines der angekündigten Ereignisse, bei denen diese Fragen thematisiert werden dürften. Die OPM-Richtlinie gilt als ein wichtiger Schritt, Technologie- und Personalplanung im Bundesdienst stärker zu verzahnen. Analysten werden beobachten, wie die US-Behörden diese ehrgeizigen Ziele angesichts der bestehenden Rekrutierungsherausforderungen erreichen.







