Apple vollzieht einen Führungswechsel: Zum 1. September 2026 übernimmt John Ternus das Steuer des Konzerns als neuer CEO. Sein Vorgänger Tim Cook wechselt in die Rolle des Verwaltungsratschefs.

Die Personalie bringt eine ungewöhnliche Rollenverteilung mit sich. Ternus, der langjährige Leiter der Hardware-Entwicklung, übernimmt zugleich eine aktive Rolle in der Designleitung.

Ternus an der Spitze: Eine neue Ära für Apple

John Ternus, ein Eigengewächs von Apple, das bereits 2001 in das Unternehmen eintrat, löst Tim Cook nach 15 Jahren an der Spitze ab. Ternus, im Jahr 2026 50 Jahre alt, gilt intern als sehr beliebt. Analysten wie Ben Bajarin von Creative Strategies sehen in seiner Berufung einen Impuls, dem Konzern neue Energie zu verleihen.

Ternus besitzt fundierte Kenntnisse der Apple-Lieferkette und gilt als detailorientiert sowie ausgeglichen. Mitarbeiter beschreiben ihn als „Engineer’s Engineer“ und „Produktmensch“. Seine Verlässlichkeit und Disziplin sind bekannt.

Tim Cook lobte Ternus als einen Visionär, dessen Beiträge für Apple in den vergangenen 25 Jahren unzählig seien. Cook bescheinigte ihm den Verstand eines Ingenieurs, die Seele eines Innovators und die Integrität zur Führung.

Ternus tritt zudem ab September 2026 dem Verwaltungsrat bei. Unter seiner Leitung als Senior Vice President of Hardware Engineering erlebte der Mac-Absatz eine Wiederbelebung. Er war maßgeblich an der Entwicklung und dem Erfolg von Produkten wie iPhone, iPad, Mac, Apple Watch und AirPods beteiligt.

Ternus trieb außerdem den Übergang zu Apple Silicon voran. Verbesserungen bei der Hardware-Reparierbarkeit und Maßnahmen zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks – etwa die Nutzung recycelter Aluminiumlegierungen oder 3D-gedrucktes Titan für die Apple Watch Ultra 3 – fallen ebenfalls in seine Ägide.

Design rückt ins Zentrum der Macht

Eine zentrale Neuerung unter dem neuen CEO ist die strategische Aufwertung der Designabteilung. Ternus übernimmt faktisch die Leitung der Design-Teams, auch wenn er nicht offiziell den Titel „Chief Design Officer“ trägt. Er agiert als „Executive Sponsor“ der Design-Teams, vertritt die Abteilung im Führungsteam und ist direkte Ansprechperson für Molly Anderson (Industrial Design) und Steve Lemay (Human Interface Design).

Bloomberg-Reporter Mark Gurman kommentierte, dass Ternus sich effektiv selbst zum Design Leader gemacht habe, auch wenn die formale Ernennung ausbleibt. Quellen interpretieren dies als eine Abkehr von der Zeit nach Steve Jobs, in der das Designteam unter Jony Ive mehr operative Macht hatte. Unter Tim Cook habe das Design an Einfluss verloren.

Jony Ive verließ Apple im Jahr 2019. Danach unterstanden die Design-Teams der Aufsicht von Chief Operating Officer Jeff Williams. Nach Williams' Renteneintritt Ende 2025 berichteten die Design-Teams formal an Cook, antworteten in der Praxis aber bereits an Ternus.

Ternus hatte die Überwachung der Designprozesse somit bereits vor seinem offiziellen Amtsantritt als CEO begonnen. Diesen Fokus untermauert ein Zitat von Ternus: „Das am schönsten gestaltete Produkt, das die meisten Kunden besitzen, ist ein Apple-Produkt. Wir werden dafür sorgen, dass das auch so bleibt.“

Cooks Vermächtnis und die finanzielle Dimension

Tim Cook übergibt ein finanziell robustes Apple. Unter seiner Führung stieg die Marktkapitalisierung von rund 350 Milliarden US-Dollar auf vier Billionen US-Dollar. Der Jahresumsatz wuchs von 108 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2011 auf über 416 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2025.

Cook baute Apple zu einer globalen Marke aus und gilt als Experte für Lieferketten und Organisation. Unter seiner Führung entstanden neue Produktkategorien wie die Apple Watch, AirPods und die Apple Vision Pro. Zugleich wuchs das Services-Geschäft auf über 100 Milliarden US-Dollar an. Dieses Segment wird intern mit einem Fortune-40-Konzern verglichen.

Die Vergütung von John Ternus als CEO ist öffentlich bekannt: Sein festes Jahresgehalt beträgt drei Millionen US-Dollar. Hinzu kommt ein Aktienpaket mit einem Zielwert von 55 Millionen US-Dollar für das Geschäftsjahr 2027. Die Ziel-Gesamtvergütung liegt damit bei 58 Millionen US-Dollar. 75 Prozent des Aktienpakets sind erfolgsabhängig und orientieren sich an der Entwicklung von Apple im Vergleich zum S&P-500-Index.

Zum Vergleich: Tim Cooks Gesamtvergütung für das Geschäftsjahr 2025 lag bei rund 74,3 Millionen US-Dollar.

Die Herausforderungen für Ternus

Ternus übernimmt ein finanziell robustes Unternehmen, steht jedoch vor mehreren Herausforderungen. Einige Mitarbeiter äußerten Bedenken, er könnte zu risikoscheu sein. Seine Erfahrung mit geopolitischen Fragen sei begrenzt, und er verfüge nicht über ausreichend Charisma, um Apple zu führen.

Die Abhängigkeit Apples von China bleibt ein zentrales Thema. Patrick McGee von der New York Times schrieb, es gebe keinen Ort auf der Welt, wo Apple in dieser Qualität, dieser Menge und zu diesem Preis produzieren könnte – außer in China.

Als erste große Bewährungsprobe gilt die Präsentation eines neuen iPhone-Modells im Herbst 2026. Quellen nennen entweder ein „iPhone Ultra“, das neue Maßstäbe setzen soll, oder ein faltbares iPhone.

Gleichzeitig übernimmt Johny Srouji, bisher Senior Vice President of Hardware Technologies, die neu geschaffene Rolle des Chief Hardware Officer. Er leitet künftig die Hardware-Entwicklung und die Hardware-Technologie-Organisation, die zuvor unter Ternus’ Verantwortung standen. Tom Marieb wird die Leitung der Hardware Engineering Organisation übernehmen und direkt an Srouji berichten.

Apple positioniert sich mit Ternus' Amtsantritt neu und signalisiert eine stärkere Betonung des Designs, das in der Unternehmensgeschichte eine zentrale Rolle spielt. Beobachter werden verfolgen, wie sich Ternus' Schwerpunkt auf Design in den kommenden Monaten auswirkt.