Die Suche nach IT-Spezialisten gestaltet sich in Deutschland zunehmend schwierig, besonders im Bereich Cybersicherheit. Für den spezialisierten Sektor des Web3, der auf Blockchain-Technologien basiert, deuten Indikatoren auf eine spezifische Nachfrage nach Sicherheitskompetenzen hin. Konkrete Zahlen zum Umfang eines reinen Web3-Mangels liegen jedoch nicht vor.

Analysen des Digitalverbands Bitkom und Berechnungen anderer Institute zeigen, dass strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt trotz einer konjunkturbedingten Entspannung der Lage weiter bestehen. Diese Situation kann die Digitalisierung des Landes belasten.

Alarmierende Zahlen zum IT-Fachkräftemangel

Die Daten zur Fachkräftesituation im IT-Bereich in Deutschland sind vielfältig dokumentiert. Im Jahr 2023 blieben 149.000 IT-Stellen unbesetzt. Vor fünf Jahren lag diese Zahl bei 82.000.

Eine Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) weist aus, dass die IT-Fachkräftelücke im Jahr 2024 konjunkturbedingt auf 487.029 unbesetzbare Stellen gesunken ist. Im Vorjahr waren es noch 573.000 unbesetzbare Stellen. Das ifo Institut schätzt jedoch, dass dies hauptsächlich auf die schwächere Konjunktur zurückzuführen ist und keine grundsätzliche Entspannung der strukturellen Probleme bedeutet.

Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der unbesetzbaren Stellen bis zum Jahr 2028 wieder auf rund 768.000 ansteigen könnte. Langfristig prognostiziert Bitkom für das Jahr 2040 ein Defizit von etwa 663.000 IT-Fachkräften, sofern keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Bitkom benennt einen Bedarf von 1,92 Millionen IT-Stellen bis 2040 bei einem erwarteten Angebotsvolumen von 1,26 Millionen Fachkräften.

Die volkswirtschaftlichen Kosten des Fachkräftemangels werden für das Jahr 2024 mit rund 49 Milliarden Euro angegeben. Sie könnten bis zum Jahr 2027 auf etwa 74 Milliarden Euro steigen.

Cybersicherheit als Brennpunkt

Innerhalb des IT-Sektors stellt der Mangel an Experten für Cybersicherheit ein besonderes Problemfeld dar. Der Fortinet Global Cybersecurity Skills Gap Report schätzt den weltweiten Bedarf auf vier Millionen zusätzliche Cybersicherheits-Fachkräfte. Ältere Erhebungen, wie die (ISC)² Cybersecurity Workforce Study aus dem Jahr 2018, schätzten den globalen Mangel damals auf 2,9 Millionen und für die Region EMEA auf 142.000.

Diese Zahlen stammen aus unterschiedlichen Jahren und sind nicht direkt vergleichbar, legen aber den hohen Bedarf nahe.

Der Fortinet-Report dokumentiert überdies, dass fast 87 Prozent der befragten Unternehmen im vergangenen Jahr eine Sicherheitsverletzung erlebten. Fehlendes Cyber-Know-how spielte dabei zumindest teilweise eine Rolle; im Jahr 2022 lag dieser Wert bei 80 Prozent, im Jahr 2023 bei 84 Prozent.

70 Prozent der Befragten sehen den Fachkräftemangel als zusätzliches Risiko für ihr Unternehmen. Für 51 Prozent der Unternehmen führten Sicherheitsverletzungen zu Kosten von mehr als einer Million US-Dollar. Diese umfassten entgangene Einnahmen, Geldstrafen und andere Ausgaben.

Web3-Sicherheit: Ein Nischenmarkt

Der Web3-Sektor ist stark von Blockchain-Technologien und dezentralen Anwendungen abhängig. Dies erfordert spezialisierte Sicherheitsexpertise. Konkrete, allgemeingültige Zahlen zum Fachkräftemangel ausschließlich für Web3-Sicherheit liegen in den vorliegenden Quellen nicht vor.

Eine Stellenausschreibung vom 18. Oktober 2026 für einen „Web3 Security Leader“ bei TAC Security für die CyberScope-Division in New York unterstreicht jedoch die Nachfrage nach hochrangigen, global ausgerichteten Rollen. Diese Position soll Sales, Business Development, Kundenexpansion und die Go-to-Market-Strategie im Web3-Sicherheitsgeschäft verantworten.

Strategien gegen den Mangel

Bitkom schlägt mehrere Maßnahmen vor. Dazu gehören die Gewinnung von mehr Studierenden und Auszubildenden sowie eine stärkere Ansprache von Mädchen und Frauen für IT-Berufe. Das Senken der Studienabbrüche in der Informatik ist ebenfalls ein Ziel: Bitkom rechnet vor, dass eine Senkung der Abbrecherquote von 42 auf 20 Prozent bis zum Jahr 2040 rund 55.000 zusätzliche Fachkräfte bringen könnte.

Weitere Maßnahmen sind die Einführung eines Pflichtfachs Informatik ab Sekundarstufe I in allen Bundesländern und der Ausbau von Lehrstühlen für Informatik, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Bitkom nennt außerdem Maßnahmen wie das Halten älterer Beschäftigter über das Renteneintrittsalter hinaus und die erleichterte Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland.

Deutschland setzt ergänzend auf internationale Anwerbung. Das deutsch-indische Migrations- und Mobilitätspartnerschaftsabkommen wurde am 5. Dezember 2022 unterzeichnet.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser sagte zu diesem Abkommen, es stelle die Weichen dafür, dass qualifizierte junge Inder berufliche und praktische Erfahrungen sammeln, studieren, eine Ausbildung beginnen oder als Fachkraft arbeiten können. Im Juni 2023 waren 123.216 indische Staatsangehörige in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Anstieg um 24,4 Prozent gegenüber Juni 2022.

Unternehmen werden in den Berichten aufgefordert, ihre Rekrutierungsstrategien zu diversifizieren und Kandidaten mit nicht-klassischem Hintergrund stärker zu berücksichtigen. Der Fortinet-Report empfiehlt zudem, Anforderungen anzupassen und in Zertifizierungen und Schulungen zu investieren. Der SANS-Bericht betont, dass das Problem oft weniger in der Anzahl der Mitarbeitenden als in den passenden Fähigkeiten liegt. 52 Prozent der befragten Organisationen sehen „nicht das richtige Personal“ als größeres Problem als „nicht genug Personal“.

In vielen Jobs werden Zertifikate verlangt; Training und kontinuierliche Weiterbildung gelten als notwendig.

Weitere vorgeschlagene Maßnahmen reichen von flexiblen Arbeitsmodellen und gezielter Weiterbildung in Unternehmen bis zu politischen Maßnahmen wie dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz, der Stärkung der beruflichen Bildung und dem Bürokratieabbau.

Ausblick: Eine komplexe Herausforderung

Die vorliegenden Studien und Berichte prognostizieren eine anhaltende Herausforderung für den deutschen IT-Arbeitsmarkt, mit besonderem Fokus auf Cybersicherheit. Prognosen bis zum Jahr 2028 und 2040 signalisieren steigenden Bedarf, sofern die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht umgesetzt werden.

Politik, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen werden nach den vorliegenden Empfehlungen als zentrale Akteure genannt, um Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt anzupassen. Dies umfasst Ausbildung, internationale Rekrutierung und Weiterbildung. Wie schnell und in welchem Umfang diese Maßnahmen wirken, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht abschließend beurteilen.