BMW steht vor einem fundamentalen Konzernumbau. Ein neues Führungsteam, bestehend aus elf Spitzenmanagern, soll den Automobilhersteller aus operativen Schwierigkeiten steuern. Milan Nedeljković wird dabei als Nachfolger des aktuellen CEO Oliver Zipse gehandelt.

Der deutsche Automobilsektor steht unter erheblichem Druck. Der aufwendige Wandel zur Elektromobilität, der intensive Wettbewerb aus China und mögliche US-Zölle belasten die Margen europäischer Hersteller. Im Jahr 2026 sanken die durchschnittlichen operativen Margen vieler europäischer Hersteller auf drei bis fünf Prozent.

Dieser Wert liegt deutlich unter dem angestrebten Zielkorridor von zehn Prozent.

BMW reagiert auf diese Entwicklung mit einer Neuausrichtung. Diese umfasst auch einen Personalabbau von voraussichtlich 8.000 Stellen weltweit. In Deutschland plant der Konzern, bis Ende 2027 mehrere Tausend Positionen zu streichen. Derzeit beschäftigt die BMW Group global rund 150.000 Mitarbeiter.

Schwindende Profitabilität und China-Herausforderung

Im zweiten Quartal 2026 brach der Gewinn von BMW um ein Drittel ein. Ein wesentlicher Grund für den Gewinnrückgang und die notwendigen strategischen Anpassungen ist der bisher unzureichende Fortschritt beim Wandel hin zu Elektromobilität und digitaler Intelligenz, insbesondere auf dem chinesischen Markt. Global sanken die Verkaufszahlen der BMW Group im Jahr 2024 um vier Prozent auf 2,451 Millionen Fahrzeuge.

Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte BMW in China 56.000 Fahrzeuge weniger als im Vorjahreszeitraum. Für 2024 meldete BMW für China (Marken BMW und MINI) 714.500 verkaufte Fahrzeuge, ein Rückgang von 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Reine Elektrofahrzeuge der BMW Group verzeichneten 2024 einen Anstieg von 13,5 Prozent auf 426.000 Einheiten; ihr Anteil am Gesamtverkauf erreichte 17,4 Prozent.

Der chinesische Markt für New Energy Vehicles (NEVs) wuchs 2024 um 9,2 Prozentpunkte auf einen Marktanteil von 65,2 Prozent, bei einer NEV-Produktion von über zehn Millionen Einheiten.

Wettbewerbsdruck und Branchenanalyse

Branchenexperten kritisieren das Geschäftsmodell der deutschen Autoindustrie. Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte, merkt an, dass Tesla „Pricing kann, die deutschen Autobauer bisher nicht“. Er warnt zudem, dass BMWs kommende „Neue Klasse“-Modelle für 40.000 Franken zu teuer sein könnten.

Eine Reduzierung der Prozesskomplexität um 30 Prozent könnte einen Teil des Margendrucks ausgleichen. Als Zielvorgaben gelten EBIT-Margen von über acht Prozent und Bruttomargen von über 22 Prozent.

Der Wettbewerb auf dem chinesischen Markt ist intensiv. Marken wie Zeekr, Tesla, Xiaomi, Xpeng, Li Auto, BYD und SAIC prägen das Marktumfeld. Lota Chupé, nach 23 Jahren bei BMW nun CEO von Zeekr Europe, betont Chinas führende Rolle für Technologie und Innovation: „Die Zukunft des Speeds von Technologie, von Innovation, von Fortschritt liegt in China.“

Chupé sieht in Zeekr zudem die Möglichkeit, „auf einem weißen Blatt Papier neu zu starten“ und aus bisherigen Fehlern zu lernen.

Strategische Neuausrichtung und Ausblick

Das Management räumt eine herausfordernde Zeit ein und kündigt Maßnahmen an, um die Profitabilität von BMW zu sichern. Neben dem Personalabbau und den personellen Veränderungen beteiligt sich BMW an Initiativen wie der „Corporate Rebel Cell“ Community. So treibt der Konzern interne Transformationen voran und lernt von anderen Unternehmen.

Ferdinand Dudenhöffer bewertet den Personalabbau als „eine Atempause, mehr nicht“. Er fordert eine Neuausrichtung von BMW in China: „Wer erfolgreich sein will, muss die Gesetze der Chinesen beachten.“

Prognosen für das Marktumfeld zeigen weiteren Druck: Die Neuwagen-Nachfrage in der EU wird bis 2030 voraussichtlich rund zwölf Prozent unter dem Niveau vor 2019 liegen. Gleichzeitig könnten Premium-Fahrzeugpreise bis 2030 etwa 20 Prozent über dem Niveau von 2026 liegen. Bis 2035 werden Preissteigerungen von bis zu 33 Prozent gegenüber 2026 für Premiumfahrzeuge und bis zu 20 Prozent für Volumenmodelle erwartet.

Die kommenden Quartalsberichte werden zeigen, ob das neue Führungsteam den angestrebten Turnaround bei BMW einleiten kann.