BMW setzt internes Portal nach hohem Andrang vorübergehend aus
Der Automobilhersteller BMW hat das interne Portal zur Berechnung individueller Abfindungsangebote für Mitarbeiter in Deutschland vorübergehend geschlossen. Grund war ein hoher Andrang auf das Angebot, das nur wenige Tage nach dem Start zeitweise nicht erreichbar war. Das Programm ist Teil eines Sparkurses, der bis Ende 2027 den Abbau von bis zu 8.000 Stellen weltweit vorsieht.
Hohe Nachfrage überfordert Systeme
Nachdem BMW seinen Mitarbeitern in Deutschland Anfang Oktober persönliche E-Mails mit individuellen Konditionen zugesandt hatte, nahm das Unternehmen das Portal nach wenigen Tagen wieder vom Netz. Medienberichte sprechen von einem „massiven Zugriff“ und einer „unerwartet hohen Zahl an Anträgen“, die zu temporären Überlastungen führten. Ein BMW-Sprecher wollte technische Fragen nicht bestätigen und sprach von „sehr, sehr großem Interesse“ an dem Angebot.
Zehntausende Mitarbeiter hatten die E-Mails mit ihren Konditionen erhalten. Die Höhe der Abfindungen orientiert sich an Einkommen und Dauer der Betriebszugehörigkeit. Teils wurden für ältere, langjährige Beschäftigte Angebote über mehrere Hunderttausend Euro genannt.
Strukturanpassungen im Kontext der Transformation
Das Abfindungsprogramm ist Teil eines umfassenden Sparkurses. Damit reagiert BMW auf Herausforderungen in der Automobilindustrie: einen Rückgang des Marktes in China, zunehmenden Wettbewerb durch chinesische Hersteller, hohe Kosten der Transformation zur Elektromobilität sowie gestiegene Energie- und Produktionskosten. Auch internationale Handelskonflikte und geopolitische Unsicherheiten wirken als Belastungsfaktoren.
Konzernchef Milan Nedeljković, seit Mitte Mai im Amt, hatte Mitte Juni eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Das Konzernergebnis vor Steuern sank im zweiten Quartal 2026 um 35,1 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro. Die operative Gewinnmarge im Automobilgeschäft lag im selben Quartal bei 2,3 Prozent.
Die Jahresprognose für 2026 reduzierte BMW von ursprünglich 4 bis 6 Prozent operativer Marge auf 1 bis 3 Prozent.
Der Stellenabbau betrifft vorrangig indirekte Bereiche wie Verwaltung sowie Forschung und Entwicklung, nicht die direkte Produktion. BMW geht davon aus, dass der Bedarf an Entwicklern nach dem Anlauf erster Modelle der Fahrzeuggeneration „Neue Klasse“ sinkt. Parallel dazu setzt der Konzern verstärkt auf Künstliche Intelligenz zur Effizienzsteigerung.
Der Abbau soll sozialverträglich über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und das freiwillige Abfindungsprogramm erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Unternehmensangaben nicht vorgesehen.
Auswirkungen und nächste Schritte
Von den bis zu 8.000 weltweit abzubauenden Stellen dürfte der größte Teil auf deutsche Standorte entfallen. Mehr als die Hälfte der weltweit knapp 154.000 BMW-Mitarbeiter ist in Deutschland beschäftigt. Zum Halbjahr 2026 waren es gut 84.000. Rund 40.000 dieser Beschäftigten könnten ein Abfindungsangebot erhalten haben.
Die Kosten des Programms werden in Berichten im dreistelligen Millionenbereich angesiedelt. Der Vorstand rechnet ab 2028 mit jährlichen Einsparungen von rund einer Milliarde Euro.
Das Programm sollte ursprünglich von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen. Nach der vorübergehenden Schließung des Portals ist unklar, wann das Angebot wieder vollständig zugänglich sein wird. Bei anhaltendem Andrang könnte das Ziel von bis zu 8.000 wegfallenden Stellen möglicherweise früher erreicht werden.
Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Martin Kimmich betonte im Vorfeld, das Unternehmen habe Sicherheit für die Beschäftigten geschaffen und verbindliche Schutzmechanismen durchgesetzt. Die Marktreaktion auf die eingeleiteten Sparmaßnahmen und den beschleunigten Stellenabbau wird die weitere Entwicklung des Aktienkurses beeinflussen.







