Der Automobilzulieferer Brose durchläuft eine Führungskrise. Michael Stoschek zieht sich offenbar ernsthaft aus der Unternehmensspitze zurück, während sein Sohn Maximilian Stoschek in die Führungsebene aufrückt. Intern wird von einem Mangel an Vision und Entscheidungsfreude berichtet. Das Management soll künftig mehr Handlungsspielraum erhalten.

Diese Entwicklungen ereignen sich in einem Umfeld, das den deutschen Automobil- und Zuliefersektor mit erheblichem Wettbewerbs- und Transformationsdruck konfrontiert.

Generationswechsel und Branchenwandel

Der angekündigte Rückzug von Michael Stoschek aus der direkten Führung und das Vorrücken seines Sohnes Maximilian markieren einen Wendepunkt für das Familienunternehmen. Beobachter verweisen auf Mängel an strategischer Ausrichtung und Entscheidungsfreude in der bisherigen Brose-Führung. Um zukünftige Herausforderungen zu meistern, soll die Geschäftsführung mehr Freiräume für strategische Weichenstellungen erhalten.

Brose ist als Zulieferer, ebenso wie andere Akteure der Branche, direkt vom aktuellen Wettbewerbs- und Transformationsdruck betroffen.

Transformationsdruck in der Automobilindustrie

Die deutsche Automobilindustrie und ihre Zulieferer stehen unter erheblichem Druck. Hohe Kosten, starke asiatische Konkurrenz und die Transformation zur Elektromobilität belasten die Branche. Seit 2019 wurden in der deutschen Automobilindustrie rund 100.000 Arbeitsplätze abgebaut.

Bei den Zulieferern waren es in diesem Zeitraum rund 74.000 Stellen, was nahezu einem Viertel der Belegschaft entspricht.

Prominente Beispiele verdeutlichen die Spannbreite der Situation: Mercedes-Benz hat vor möglichen Werksschließungen in Deutschland gewarnt, falls die Arbeitskosten nicht sinken. Das ungarische Werk Kecskemét sei laut Unternehmensangaben rund 70 Prozent günstiger als Standorte in Deutschland. Ferner signalisierte Audi ein Schließungsrisiko für sein Werk in Neckarsulm.

Die Volkswagen-Gruppe plant zudem, ihr Umstrukturierungsprogramm zu beschleunigen und 50.000 Arbeitsplätze weltweit abzubauen. Die Gewinnmargenprognose für 2026 wurde auf maximal ein Prozent gesenkt. Die VW-Aktie notierte zuletzt auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2010.

Thomas Schäfer, Leiter der Marke Volkswagen Pkw, betont, es gebe keine Zeit zu verlieren. Das Performance-Programm werde deutlich verstärkt.

Gewerkschaften fordern politische Unterstützung

Die IG Metall organisiert landesweite Proteste. Chefin Christiane Benner fordert von den Unternehmensführungen Verantwortung für den Standort Deutschland, die Beschäftigten und die Arbeitsplätze. Sie betont, Arbeitnehmer hätten diese Krise nicht verursacht.

Horst Ott von der IG Metall kritisiert, viele Manager hätten mit Entwicklungen in E-Mobilität, Digitalisierung und Batterietechnologie nicht Schritt gehalten. Die Gewerkschaft fordert Schutz für Arbeitsplätze und Werke, niedrigere Energiekosten und Maßnahmen gegen Billigimporte aus China.

Herausforderungen bei Branchengrößen

Auch andere große Akteure der Branche sehen sich mit erheblichen Problemen konfrontiert. Porsche, das 2022 an die Börse ging und mit bis zu 85 Milliarden US-Dollar bewertet wurde, sieht sich mit einer Wertberichtigung von 6,9 Milliarden US-Dollar auf die 75-prozentige VW-Beteiligung konfrontiert. Ein Branchenanalyst stellte fest, die Zeit, in der Porsche als reiner Gewinnbringer galt, sei vorbei.

Zudem kündigte BMW im Juni 2026 den Abbau von 8.000 Arbeitsplätzen nach einer Margenwarnung an. Zulieferer wie Bosch sind ebenfalls betroffen.

Die Meyer Werft erhielt staatliche Bürgschaften in Höhe von 11,5 Milliarden US-Dollar für Kreuzfahrtschiff-Projekte. Trotz Umsatzsteigerungen im Jahr 2025 verzeichnete das Unternehmen Verluste von rund 384 Millionen Euro.

Ausblick auf eine unsichere Zukunft

Die Entwicklung bei Brose steht stellvertretend für strukturelle Herausforderungen, mit denen Teile der deutschen Automobilzulieferindustrie konfrontiert sind. Die Transformation zur Elektromobilität, steigende Energiekosten und ein verstärkter Wettbewerb, unter anderem durch chinesische Hersteller – deren Marktanteil in Europa im Juli 2026 bei elf Prozent lag – erfordern schnelle Anpassungen. Es bleibt offen, welche konkreten Schritte die neue Führung um Maximilian Stoschek einleiten wird.

Ebenso ist ungewiss, ob eine Neuaufstellung der Führung und eine klarere Transformationsstrategie ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern.