Die achtjährige Amtszeit von Wes Gordon als Kreativdirektor bei Carolina Herrera gilt als eine der erfolgreichsten Nachfolgeregelungen in der Modebranche. Seit Gordon 2018 die kreative Leitung von Gründerin Carolina Herrera übernahm, steht die Marke weiter im Fokus. Puig meldet für Carolina Herrera im Bereich Prestige-Düfte und Mode ein zweistelliges Wachstum im Jahresvergleich.

Übergang auf Basis von Respekt

Der Schlüssel zum reibungslosen Übergang bei Carolina Herrera liegt laut Wes Gordon im Respekt. Gordon arbeitete bereits ein Jahr als Berater für das Haus, bevor er 2018 die kreative Leitung übernahm. Er betont die Bedeutung, das Vertrauen der Gründerin zu gewinnen. Diese Haltung unterscheidet den Wechsel bei Herrera von vielen anderen, oft komplizierten Designerwechseln in der Modebranche.

Emilie Rubinfeld, Präsidentin der Marke seit 2017, entdeckte Gordon und steuerte den Übergang als Evolution statt Revolution. Rubinfeld hebt hervor, dass Gordon die Codes des Hauses verstand und fortführte. Zugleich öffnete er die Marke für ein neues Publikum.

Strategische Expansion und Produktfokus

Das Modehaus feiert in diesem Jahr sein 45-jähriges Bestehen. Es ist seit 1995 Teil des spanischen Konzerns Puig. Puig hatte das Haus übernommen, nachdem Carolina Herrera mit dem Unternehmen eine Duftlinie entwickelt hatte. Unter Puig sind alle Produktkategorien – Mode, Parfüm, Make-up, Brillen und Handtaschen – konsolidiert. Sie werden nicht lizenziert, sondern in-house geführt.

Puig nennt Carolina Herrera als Top-Performer in den Bereichen Prestige-Düfte und Mode. Der Konzern meldet ein zweistelliges Wachstum im Jahresvergleich, veröffentlicht jedoch keine markenspezifischen Umsatzdaten. Das Parfüm Good Girl feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen und trägt nach Einschätzung von Branchenbeobachtern zum Erfolg der Marke bei.

Die Marke fokussiert den Ausbau des Direktvertriebs. Neue Ladeneröffnungen in Houston, La Jolla und Miami sind Teil dieser Strategie. Kleider und Anlassmode bleiben das Kerngeschäft.

Gleichzeitig legt das Haus Wert darauf, Frauen vollständig einzukleiden. Das umfasst Einzelteile, Strickwaren und weitere Lifestyle-Produkte. Das Handtaschengeschäft wurde mit einer Kollektion auf der Madrider Fashion Week ausgebaut und wird weiterentwickelt.

Generationenübergreifende Markenführung

Carolina Herrera positioniert sich als generationenübergreifende Marke. Sie spricht Mütter, Töchter und Großmütter an. Emilie Rubinfeld betont den Stellenwert von Authentizität gegenüber kurzlebigen Trends.

Wes Gordon reist, trifft Kundinnen und beteiligt sich an Events. Ziel ist es, die internationale Kundschaft besser zu verstehen und Produkte zu entwickeln, die Menschen weltweit ansprechen – unabhängig von Geografie, Größe oder Alter.

Gordon sagt, er denke nicht in Alterskategorien. Er beschreibt die aktuelle Markenidentität als „Kulminationspunkt von hundert kleinen Entscheidungen“. Im Laufe der acht Jahre hat er nach eigenen Angaben innerhalb des Hauses Herrera eine eigene Stimme und Codes entwickelt. Persönlich strebt er an, stolz auf jedes Produkt und jeden Kontaktpunkt der Marke zu sein.

Ausblick auf Marktentwicklungen

Die Nachfolgeregelung bei Carolina Herrera gilt in der Modebranche als Beispiel für einen respektvollen, evolutionären Übergang. Die Kombination aus einem respektvollen Wechsel, der Konsolidierung unter Puig und der Ausrichtung auf eine generationenübergreifende Kundschaft könnte zur weiteren Stabilität und zum Wachstum der Marke beitragen. Konkrete, markenspezifische Finanzzahlen liegen nicht vor.

Puig berichtet jedoch von zweistelligem Wachstum. Die strategische Expansion im Direktvertrieb ist ein deutliches Signal für die weitere Ausrichtung.

Carolina Herrera wird den Ausbau des Direktvertriebs voraussichtlich weiterverfolgen. Auch das Produktportfolio um Lifestyle-Komponenten soll erweitert werden. Die Zusammenführung der Sparten unter Puig und die etablierte kreative Leitung durch Wes Gordon bilden die Grundlage für diese Strategie.

Beobachter werden analysieren, inwieweit die Marke die Balance zwischen Tradition und Neuerung hält, um loyale Kundinnen zu binden und neue Zielgruppen zu erreichen.