Der Arbeitsmarkt für Absolventen in Informatik und verwandten Fächern verändert sich mit dem Aufkommen generativer KI. Eine aktuelle Analyse des U.S. Census Bureau zeigt: Die Wahrscheinlichkeit einer ersten Anstellung für Absolventen stark KI-exponierter Hauptfächer ist seit der Einführung von ChatGPT um fünf Prozentpunkte gesunken.
Gleichzeitig verzeichnen diese Berufseinsteiger einen Rückgang des anfänglichen Einkommens um 13 Prozent. Die Autoren vergleichen das Ausmaß dieses Rückgangs mit den Folgen einer großen Rezession.
KI-Einfluss dämpft den Berufseinstieg
Die Einführung generativer Künstlicher Intelligenz Ende 2022 markiert einen Wendepunkt. Seitdem unterscheiden sich Beschäftigungs- und Einkommensmuster für KI-exponierte Studienfächer merklich. Das Working Paper „Graduating into Disruption: Labor Market Outcomes for AI-Exposed College Majors" des U.S. Census Bureau dokumentiert diesen Unterschied detailliert.
Die Autoren Lawrence Warren, Lee C. Tucker und Cody Orr berichten, dass die Rückgänge der Beschäftigungswahrscheinlichkeit und der anfänglichen Einkommen für die oberen zehn Prozent der KI-exponierten Hauptfächer im ersten Quartal nach dem Abschluss deutlich ausfallen. Nach zwei Jahren liegen die Gehälter dieser Gruppe weiterhin rund fünf Prozent unter denen einer Kontrollgruppe.
Etwa die Hälfte des Einkommensrückgangs ist auf niedrigere Gehälter innerhalb der Branchen zurückzuführen, die diese Absolventen typischerweise beschäftigen. Der verbleibende Teil ergibt sich aus einer Verschiebung in niedrigere Lohnsektoren, wie Gastronomie und Einzelhandel. Lee C.
Tucker stellt fest, stark exponierte Absolventen finden seltener eine Anstellung im Informationssektor oder in professionellen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Beide Sektoren zählen zu den höher bezahlten. Stattdessen landen sie häufiger im Handel sowie in Beherbergung und Gastronomie.
Lawrence Warren vergleicht die Größenordnung des Einkommensverlusts mit den Effekten einer großen Rezession.
Seniorität gefragt, Junior-Positionen leiden
Die Anpassung an KI-Technologien wirkt sich ebenso auf die Zusammensetzung der Belegschaften aus. Firmen, die KI einsetzen, schaffen nach den vorliegenden Analysen zwar mehr Arbeitsplätze als Nicht-Anwender. Diese Zuwächse kommen jedoch überwiegend leitenden Angestellten zugute.
Bharat Chandar und Bouke Klein Teeselink zeigen, dass die Zahl der Mitarbeiter in Senior-Positionen in KI-adaptierenden Unternehmen über fünf Jahre um 6,7 Prozent stieg. Im gleichen Zeitraum sank die Junior-Beschäftigung um drei Prozent.
Sie schlussfolgern, dass KI in exponierten Berufen arbeitsparend für Junior-Positionen, aber arbeitsvergrößernd für Senior-Positionen ist. In wohlhabenderen und stärker digitalisierten Volkswirtschaften sind die Verluste bei Junior-Positionen demnach stärker ausgeprägt.
Parallel dazu verschieben sich die Anforderungen an Bewerber. Der Bericht "Skills That Pay 2026" von Indeed und der Asian Development Bank (ADB) zeigt, dass fast neun von zehn Stellenanzeigen digitale Kompetenzen fordern. Für fortgeschrittene digitale Fähigkeiten wie Programmierung, KI und maschinelles Lernen werden Lohnprämien von rund 26 Prozent berichtet.
Berichte wie der von PwC ergeben außerdem, dass viele Firmen planen, neue Mitarbeiter mit KI-spezifischen Fähigkeiten einzustellen und dafür mehr zu zahlen. Zugleich erwarten acht von zehn Firmen in den nächsten fünf Jahren eine Verkleinerung ihrer Belegschaft, vorrangig bei Einstiegs- und einigen mittleren Managementpositionen.
Herausforderungen für Bewerber und Unternehmen
Die Integration von KI in Rekrutierungsprozesse ist zweischneidig. Huxley bewertet KI-generierte Lebensläufe negativ und bestraft diese mitunter. Gleichzeitig wird der Einsatz von KI zur Personalisierung von Anschreiben empfohlen. Kimberley Roe von Huxley sagt, ein personalisiertes Anschreiben, unterstützt durch KI, kann dabei helfen, aus generischen Bewerbungen hervorzustechen.
Rund ein Viertel der Arbeitgeber berichtet, dass KI den Einstellungsprozess verlangsamt hat. Dies deutet auf eine ambivalente oder unreife Integration der Technologie hin.
Unternehmen sehen sich zudem mit dem Bedarf an Weiterbildung konfrontiert. Ein CIPD-Bericht nennt 91 Prozent der Arbeitgeber, die Umschulungen durchführen oder dies erwägen. Zugleich meldeten 58 Prozent der Unternehmen im vergangenen Jahr mehr ungeeignete Kandidaten für offene Stellen. 53 Prozent der rekrutierenden Arbeitgeber nennen besonders für leitende und spezialisierte Positionen Schwierigkeiten bei der Kandidatensuche.
Ausblick: Anpassung als Schlüssel für die Zukunft
Die langfristigen Auswirkungen generativer KI auf den Arbeitsmarkt bleiben offen. Forschende betonen, dass die Entwicklung davon abhängt, wie Hochschulen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer reagieren. Es fehlen Daten zur Persistenz der beobachteten Effekte. Ebenso ist unklar, ob betroffene Absolventen ihre anfänglichen Nachteile mittelfristig aufholen werden.
Mehrere Stimmen in der Forschung und in internationalen Reports unterstreichen die Bedeutung von Weiterbildung. Hochschulen könnten ihre Curricula anpassen, und Beschäftigte sollten digitale Fähigkeiten fortlaufend entwickeln.
Sechs Hyperscaler, darunter Alphabet, Amazon, Microsoft und Meta, werden in der Recherche genannt. Ihre Investitionen in KI- und Dateninfrastruktur dürften laut den verfügbaren Prognosen bis 2027 insgesamt rund 1,3 Billionen US-Dollar erreichen. Dies unterstreicht den anhaltenden Wandel in der Wirtschaft und die Notwendigkeit, Politik und Bildungssysteme auf die Vorbereitung von Arbeitskräften auszurichten, um Verteilungseffekte abzufedern.







