Der frühere Red Bull-Teamchef Christian Horner signalisiert nach seiner Entlassung im vergangenen Juli offen sein Interesse an der Führungsposition bei Ferrari. In einem Interview mit The Times bezeichnete er den italienischen Rennstall als „the biggest brand in Formula 1“. Horner äußerte, in dieser Lebensphase gebe es nur ein Team, für das er auf eine Eigentümerbeteiligung verzichten würde.
„Wäre Ferrari eine Option für mich? Ferrari ist die größte Marke in der Formel 1. Es ist der Traum und wohl auch der schlafende Riese der Formel 1.“
Diese Spekulationen kommen in einer sportlich angespannten Phase für Ferrari und inmitten wachsenden Drucks auf den aktuellen Teamchef Fred Vasseur.
Horner, der Red Bull Racing nach 20 Jahren und 14 Weltmeistertiteln (acht Konstrukteurs-, sechs Fahrertitel) verließ, kann seit dem Frühjahr dieses Jahres wieder in der Formel 1 tätig werden. Seine Äußerungen befeuern bereits kursierende Gerüchte um einen möglichen Wechsel zu Ferrari. Diese erhalten durch enttäuschende Ergebnisse des Teams, unter anderem beim Heimrennen in Monza, zusätzliche Nahrung.
Horners Ambitionen bei Ferrari
Christian Horner, 52 Jahre alt, war 20 Jahre lang Teamchef und CEO bei Red Bull Racing. Unter seiner Führung gewann das Team insgesamt 14 Weltmeistertitel. Seine Trennung von Red Bull im Juli des Vorjahres erfolgte nach Untersuchungen zu Fehlverhaltensvorwürfen.
Eine Abfindung von etwa 75 Millionen Pfund (rund 90 Millionen Euro) ermöglichte Horner eine vorzeitige Rückkehr in den Rennsport, die ansonsten erst ab Frühjahr 2026 möglich gewesen wäre. Horner betonte im Interview mit The Times zudem, er befinde sich in einer privilegierten Position und könne wählerisch sein.
Es ist nicht das erste Mal, dass Horners Name im Zusammenhang mit der Scuderia fällt. Bereits 2022 soll John Elkann, Präsident von Ferrari, Horners Haus besucht und ihm das Teamchef-Amt angeboten haben. Horner lehnte dem Bericht zufolge ab und empfahl Fred Vasseur, der den Posten später übernahm.
Trotz dieser Vorgeschichte und Vasseurs Vertragsverlängerung Ende Juli des Vorjahres bleiben Spekulationen über mögliche Kontakte zwischen Horner und Ferrari bestehen. Einige Medien, darunter F1-Insider.com und die Daily Mail, berichteten von konkreten Kontakten und Verhandlungen. Andere Quellen bezeichneten solche Berichte als unbegründet.
Horner wich bei einer Pressekonferenz in Kanada Fragen nach einem angeblichen Treffen mit Elkann aus.
Der Druck auf Fred Vasseur steigt
Die sportliche Situation bei Ferrari wird als angespannt beschrieben. In der Saison 2025 erzielte das Team fünf Podiumsplätze in 18 Rennen. Lewis Hamilton, der seit 2025 für Ferrari fährt, beendete die Saison auf Platz sechs der Fahrerwertung, 48 Punkte hinter Charles Leclerc und 211 Punkte hinter Oscar Piastri.
Beim Heimrennen in Monza sammelte Ferrari acht Punkte, Mercedes 43 Punkte. Nach dem Rennen wuchs der Rückstand in der Konstrukteurswertung auf 122 Punkte.
Diese Ergebnisse erhöhen den Druck auf den aktuellen Teamchef Fred Vasseur (58). Vasseurs Vertrag wurde Ende Juli des Vorjahres langfristig verlängert, dennoch berichten Medien über Unruhe im Team und Spekulationen über seine Position. Lewis Hamilton, der die Rolle Vasseurs als einen der Gründe für seinen Wechsel zu Ferrari nannte und sich wiederholt für ihn aussprach, deutete nach dem Italien GP 2026 an, dass die Verantwortung für nötige Veränderungen bei Vasseur liege.
Der ehemalige Formel-1-Pilot Johnny Herbert sagte, Horner könne für Ferrari passen und habe eine Erfolgsformel entwickelt. Vasseur kommentierte die Gerüchte mit dem Hinweis, es sei nicht einfach, in dieser Atmosphäre ständig die gleichen Fragen beantworten zu müssen.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Ein Wechsel Horners zu Ferrari würde auf widersprüchliche Berichte treffen. Einige Quellen schreiben Horner zu, er würde seine Forderung nach Eigentümerbeteiligung aufgeben, während andere berichten, er strebe eine vergleichbare Kontrolle wie früher bei Red Bull an. Letzteres würde erhebliche Veränderungen in der Managementstruktur erforderlich machen.
Es bleibt offen, ob Präsident John Elkann und CEO Benedetto Vigna bereit wären, entsprechende Machtbefugnisse abzugeben. Ebenso ist unklar, wie die interne Kultur bei Ferrari auf tiefgreifende strukturelle Änderungen reagieren würde. Elkann wird in Berichten zudem eine Neigung zu emotionalen Entscheidungen zugeschrieben.
Auch das Timing spielt eine Rolle. Horner wäre frühestens ab Frühjahr 2026 wieder verfügbar. Beobachter bewerten einen Führungswechsel in einer Phase großer regulatorischer Umstellungen als ungünstig.
Red Bull steht parallel vor einem Umbau und arbeitet nach eigenen Angaben an einem eigenen Motor für 2026. Ob Horner ein Angebot von Ferrari annehmen würde und ob die Scuderia bereit wäre, für seine Führungskompetenzen strukturelle Zugeständnisse zu machen, bleibt abzuwarten. Der Fortgang der Berichterstattung über mögliche Gespräche und die sportliche Entwicklung Ferraris werden in den kommenden Monaten weitere Hinweise liefern.







