Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte stattet ihren Spitzenmanager Richard Houston mit einem Vergütungspaket von 7,1 Millionen Pfund aus. Die Bezüge des Managers steigen damit für das im Mai beendete Geschäftsjahr um rund 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gehaltssprung fällt in eine Phase spürbarer Einschnitte: Das Unternehmen streicht im Vereinigten Königreich rund 1.000 Arbeitsplätze und kürzt zugleich die Gewinnbeteiligungen für neu ernannte Partner.
Rekordvergütung vergrößert den internen Abstand
Mit dieser Zuteilung führt Houston die Riege der bestbezahlten Chefs der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften im Vereinigten Königreich an. Die Summe von umgerechnet rund 8,5 Millionen Euro übertrifft die Einkünfte von PwC-Chef Marco Amitrano deutlich, der im vergleichbaren Zwölfmonatszeitraum 4,8 Millionen Pfund erhält.
Das Gesamtpaket für Houston setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Den regulären Gewinnanteil beziffert Deloitte auf 5,8 Millionen Pfund. Hinzu kommt eine einmalige Sonderzahlung in Höhe von 1,3 Millionen Pfund aus einem langfristigen Anreizprogramm, gekoppelt an strategische und finanzielle Zielvorgaben. Beschlossen hat diese Zuwendung das Board von Deloitte North and South Europe (NSE).
Houstons Bezüge entsprechen damit dem 93-Fachen des Median-Gehalts eines britischen Deloitte-Beschäftigten. Im Geschäftsjahr davor lag diese Pay Ratio beim 65,1-Fachen, im Jahr davor beim 58,1-Fachen. Während Houstons Vergütung um rund 45 Prozent wächst, beträgt die durchschnittliche Gehaltserhöhung für die reguläre Belegschaft zuletzt 2,9 Prozent.
Stellenabbau und Dämpfer für den Partner-Nachwuchs
Parallel zu den Zuwächsen an der Spitze setzt das Management Restrukturierungen in Großbritannien durch. Medienberichte verweisen auf den Abbau von rund 1.000 Stellen. Einträge beim britischen Unternehmensregister Companies House belegen einen Rückgang der durchschnittlichen Mitarbeiterzahl in Großbritannien von 17.264 auf 15.904 Vollzeitäquivalente.
Das entspricht einem Minus von 1.360 Beschäftigten binnen zwölf Monaten.
Auch das Prüfungsgeschäft ist von den Maßnahmen betroffen. Im Juni bietet Deloitte rund 200 Mitarbeitern im britischen Audit-Segment freiwillige Aufhebungsverträge an. Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit historisch niedrigen Fluktuationsraten im eigenen Personalbestand.
Zugleich kündigt Deloitte an, in Nordengland bis zu 100 neue Stellen für eine spezialisierte Deals-Einheit zu schaffen, was das personelle Minus jedoch nur geringfügig abfedert.
Zusätzlich reduziert das Unternehmen die Zuteilungen an neu ernannte Equity-Partner, was deren künftige Gewinnbezüge schmälert. Für die rund 750 bestehenden Equity-Partner klettert die durchschnittliche Ausschüttung zuletzt hingegen um vier Prozent auf etwa 1,05 Millionen Pfund. Im Branchenvergleich erzielen Partner bei KPMG im Schnitt 786.000 Pfund, während der durchschnittliche Partnergewinn bei EY zwischen 723.000 und 870.000 Pfund liegt.
Beratungsflaute erzwingt strategische Konsolidierung
Hinter den personellen Einschnitten steht eine spürbare Abkühlung im margenstarken Beratungsmarkt. Deloitte verzeichnet in Großbritannien einen Umsatzrückgang um ein Prozent auf 5,68 Milliarden Pfund. Vor allem der Bereich Technology und Transformation verliert zehn Prozent seines Volumens, da Unternehmenskunden Budgets für Großprojekte einfrieren.
Die Bereiche Tax und Legal mit einem Plus von sieben Prozent sowie Audit und Strategy Advisory mit drei Prozent Zuwachs fangen diesen Rückgang nur teilweise auf.
Auf Unternehmensebene vollzieht Deloitte weitreichende strukturelle Weichenstellungen. Houston gibt nach sieben Jahren die direkte Leitung des britischen Geschäfts ab und übernimmt die Führung einer neu geschaffenen EMEA-Region, die Aktivitäten in mehr als 80 Ländern bündelt. Der Vergütungsbericht weist die Einmalzahlung von 1,3 Millionen Pfund als Anerkennung für strategische und finanzielle Meilensteine aus, zu denen auch die Neuausrichtung der europäischen Operationen zählt.
Der massive Gehaltssprung sorgt intern wie extern für Kritik und wirft grundlegende Fragen zur Governance von Partnerschaftsmodellen auf. Ob die Bündelung der EMEA-Region und die personellen Einschnitte die Profitabilität nachhaltig sichern oder ob der Verlust erfahrener Fachkräfte das künftige Wachstum hemmt, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.







