Deutsche Konzerne, darunter Bayer, BMW und Volkswagen, bauen Stellen im mittleren und oberen Management ab. Diese Maßnahmen stehen im Kontext einer als „Polykrise“ bezeichneten Gemengelage, die Pandemie, geopolitische Verschiebungen, Energiekrise, Klimawandel, demografischen Wandel und die KI-Transformation umfasst.
Kostendruck und Polykrise fordern ihren Tribut
Der Druck auf die Profitabilität prägt die Geschäftsstrategien deutscher Unternehmen. Über alle Branchen hinweg zählt die Kostenoptimierung zu den höchsten Prioritäten der Unternehmensführungen. Diese Entwicklung zeigt sich in einer steigenden Zahl abgelehnter Gehaltsforderungen und in konkreten Personalmaßnahmen.
Besonders die Automobilindustrie ist betroffen: Ende Juni 2026 beschäftigten die deutschen Betriebe der Branche 691.500 Menschen, 42.300 weniger als ein Jahr zuvor. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW verzeichneten im ersten Halbjahr 2026 einen Rückgang des operativen Gewinns um 19,0 Prozent auf 13,0 Milliarden Euro. Der Umsatz sank im selben Zeitraum um 2,9 Prozent.
Viele Beobachter setzen diese Entwicklungen in Beziehung zur sogenannten Polykrise. Dieser von Edgar Morin mit Anne-Brigitte Kern 1999 geprägte Begriff beschreibt das Zusammentreffen und die gegenseitige Verstärkung verschiedener Krisen. Parallel dazu bestehen weiterhin sektorale Engpässe: In der Bauwirtschaft sehen 81 Prozent der Befragten Fachkräftemangel als Wachstumsbremse.
Für den Bau- und Baustoffsektor wird zudem ein Personalabbau von rund 37.200 Vollzeitstellen erwartet, was 1,4 Prozent entspricht, unter anderem wegen hoher Arbeitskosten.
KI als Katalysator der Restrukturierung
Die Einführung von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen führt nach vorliegenden Analysen zu einer Neubewertung von Stellenprofilen. KI automatisiert Aufgaben und beschleunigt Prozesse. In der Debatte kursieren pointierte Einschätzungen wie: „Mit KI müssten wir das doch künftig mit weniger Leuten schaffen.“
Der US-Unternehmer Matt Shumer postete auf X, dass in ein bis fünf Jahren, wahrscheinlich weniger, kein Bildschirmarbeitsplatz mehr sicher sei.
Die Horváth CxO Priorities Studie 2026, für die weltweit über 1.000 Vorstände und Geschäftsführer befragt wurden, erwartet für 2026 ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 4,7 Prozent. Gleichzeitig planen die befragten Unternehmen demnach keine signifikante Erhöhung der Personaldecke. Christoph Kopp, Industrieexperte und Associate Partner bei Horváth in Österreich, kommentiert: „Österreichs Unternehmen stehen unter erheblichem Transformationsdruck.
Wachstum ist heute kein Selbstläufer mehr.“
Neue Rollen für das Management und HR
In Restrukturierungsphasen wird auch die Rolle der Personalabteilungen diskutiert. Die Frage „Brauchen wir HR eigentlich noch?“ taucht dabei wieder auf. Experten warnen, dass reines Stellenstreichen die HR-Funktion schwächen dürfte.
Stattdessen sei eine Neugestaltung von Portfolio, Prozessen, Governance, Technologie und Operating Model gefordert, um gegebenenfalls eine kleinere, aber leistungsfähigere HR-Funktion zu schaffen. Der Fokus verlagert sich somit weg von reinen Verwaltungsaufgaben hin zu strategischer Personalentwicklung, die Transformationen begleitet.
Einzelne Unternehmen haben bereits Personalmaßnahmen angekündigt oder umgesetzt. Das technologiegestützte Gesundheitsunternehmen DocGo führte im Juni 2026 einen Personalabbau durch. DocGo strebt an, bis Ende 2026 bereinigtes EBITDA-profitabel zu sein und nennt eine Zielgröße von 34 Prozent Bruttomarge gegenüber 30,5 Prozent im zweiten Quartal 2024.
Zudem plant das Unternehmen, die SG&A-Kosten um drei Millionen US-Dollar pro Quartal zu senken.
Ausblick: Zwischen Anpassungsdruck und Debatte
Studien und Beobachtungen deuten auf einen anhaltenden Anpassungsdruck hin. Dieser zwingt Unternehmen zu Effizienzprogrammen und zur Evaluierung von Personalstrukturen. Wie sich die Integration von KI langfristig auf Jobprofile auswirkt und welche Kompetenzen für Führungskräfte künftig wichtiger werden, bleibt offen.
Webinare wie das von Nilo.health und SMG zum Thema „Leistungsdruck trifft Budgetdruck“ spiegeln die Aktualität dieser Debatte wider. Die Diskussion um Stellenabbau und Umstrukturierungen im Management bleibt ein zentrales Thema der Wirtschaftspresse.







