Der Gesamtwert der 50 wertvollsten deutschen Marken wächst im Jahr 2026 das zweite Jahr in Folge zweistellig. Nach Erhebungen des Marktforschungsinstituts Kantar klettert das kumulierte Volumen um 13 Prozent auf 571 Milliarden US-Dollar. Dabei steigern 38 der 50 analysierten Unternehmen ihren Markenwert.
Die Deutsche Telekom führt das Tableau weiterhin an, während technologiegetriebene B2B-Marken und Finanzinstitute als primäre Wachstumstreiber hervortreten.
Gleichzeitig verdeutlichen die Erhebungen eine wachsende Differenz zwischen rein monetär ermitteltem Markenwert und der konkreten Beliebtheit im Alltag der Verbraucher.
B2B-Plattformen und Technologiefirmen treiben das Gesamtwachstum
Als stärkste Triebfeder des Wertzuwachses erweist sich die Kategorie Business Technology und Service Platforms. Das Segment legt um 19 Prozent auf 180,9 Milliarden US-Dollar zu und stellt mittlerweile 32 Prozent des gesamten BrandZ-Wertes.
Hinter Spitzenreiter Deutsche Telekom, die ihren Markenwert um 18 Prozent auf 124,636 Milliarden US-Dollar ausbaut und zum vierten Mal in Serie an der Spitze steht, folgen SAP und Siemens. SAP steigert seinen Wert um sechs Prozent auf 98,183 Milliarden US-Dollar. Als wesentliche Faktoren dafür gelten die Integration des hauseigenen KI-Assistenten Joule sowie neue Entwicklungswerkzeuge für Firmenkunden.
Siemens verzeichnet einen Sprung um 68 Prozent auf 61,126 Milliarden US-Dollar, was Beobachter auf die Neupositionierung als KI- und Nachhaltigkeitsanbieter zurückführen. IT-Dienstleister wie Bechtle profitieren von diesem Umfeld ebenfalls: Das Unternehmen klettert um 23 Prozent auf 1,427 Milliarden US-Dollar und belegt Rang 42.
Ausschlaggebend für die Zuwächse bleibt die globale Präsenz. Die führenden 50 Marken erwirtschaften durchschnittlich 73 Prozent ihrer Umsätze außerhalb des Heimatmarktes. Im internationalen BrandZ-Ländervergleich belegt Deutschland damit Rang drei hinter den USA und China und stellt das wertvollste Markenportfolio Europas.
Traditionshäuser im Finanzsektor verzeichnen Rekordzuwächse
Die stärksten prozentualen Zuwächse verbuchen unterdessen die Finanzmarken. Die Commerzbank führt das Feld der relativen Gewinner mit einem Plus von 78 Prozent auf Rang 23 an, dicht gefolgt von der Deutschen Bank mit einem Anstieg um 73 Prozent auf Rang 16. Der Sparkassen-Verbund legt um 53 Prozent zu und erreicht Platz 18.
Der Versicherungskonzern Allianz wächst um 40 Prozent auf 16,531 Milliarden US-Dollar, was Rang zehn bedeutet.
Zusätzlich feiern traditionsreiche Akteure ihr Comeback in der Spitzengruppe: Neben der HypoVereinsbank kehren auch der Mobilitätsdienstleister Sixt und der Kreuzfahrtanbieter Aida unter die besten 50 zurück.
Im Automobilsektor fällt die Dynamik hingegen verhaltener aus. BMW verzeichnet ein Plus von acht Prozent auf 21,810 Milliarden US-Dollar und verteidigt Rang fünf. Mercedes-Benz verliert dagegen ein Prozent auf 20,656 Milliarden US-Dollar und rutscht auf Position sieben ab.
Insgesamt beziffert BrandZ das Volumen der Autobranche auf rund 71 Milliarden US-Dollar, was etwa zwölf Prozent des Gesamtwertes entspricht. Auch der Technologiekonzern Bosch büßt an Wert ein und fällt nach einem Minus von elf Prozent auf 20,157 Milliarden US-Dollar auf Rang neun zurück.
Discounter punkten über Preis-Leistungs-Profile
Im Einzelhandel setzen die Discounter ihren Expansionskurs fort. Aldi steigert seinen Wert um 18 Prozent auf 27,702 Milliarden US-Dollar und sichert sich Platz vier. Lidl legt um 36 Prozent auf 21,000 Milliarden US-Dollar zu und belegt Rang sechs.
Treiber dieser Entwicklung sind veränderte Konsummuster sowie eine konsequente Positionierung über das Preis-Leistungs-Verhältnis. Lidl nutzt zudem zielgruppenorientierte Aktionsformate, um Marktanteile auszubauen.
Monetärer Markenwert versus Gunst der Konsumenten
Das BrandZ-Ranking verknüpft Bilanzkennzahlen mit einer Befragung von mehr als 117.000 Konsumenten weltweit anhand der Kriterien Meaningful, Different und Salient. Dieses Modell begünstigt vorrangig kapital- und umsatzstarke B2B-Akteure sowie global skalierende Großkonzerne.
Ein alternatives Bild liefert das Ranking „Most Recommended Brands 2026“ des Marktforschers YouGov. Dort rangiert die Lebensmittelrettungs-App Too Good To Go an der Spitze der am häufigsten weiterempfohlenen Marken hierzulande. Verbraucher honorieren im Alltag vorrangig direkt erlebbaren Nutzen, pragmatische digitale Schnittstellen und ökologische Relevanz.
Marktbeobachter werten diese Divergenz als Zeichen einer Zweiteilung: Einerseits festigen deutsche B2B- und Finanzkonzerne ihre institutionelle Stärke im weltweiten Wettbewerb, andererseits entscheiden im direkten Endkundengeschäft zunehmend agile Plattformlösungen über die Gunst des Marktes. Ob die Industrie diesen bilanziellen Markenwertzuwachs im laufenden Turnus auch in operative Margenverbesserungen ummünzen kann, hängt maßgeblich von der weiteren Adaption von KI-Technologien und der Entwicklung der Konsumneigung ab.







